Victorinus Schönfeldt
deutscher Mathematiker und Arzt
From Wikipedia, the free encyclopedia
Leben
Schönfeldt immatrikulierte im April 1551 an der Universität Wittenberg, erwarb dort im August 1554 den Grad eines Baccalaureus und im Februar 1557 den Grad eines Magister Artium und wurde noch im selben Jahr auf Empfehlung von Philipp Melanchthon (mit dessen Schwiegersohn Caspar Peucer er befreundet war) zum Mathematikprofessor nach Marburg berufen. Er befasste sich außer mit Mathematik mit Astronomie und Medizin.[1] Seine Dissertationsschrift in Medizin, De Angina, verteidigte er am 25. Mai 1566. Am 31. Mai 1566 erlangte er auch die medizinische Doktorwürde. Die Rede zu diesem Festakt hielt Georg Marius, die Insignien wurden durch den Landgrafen Wilhelm IV. und dessen Rat Johann Nordeck († 1580) überreicht.[2] Mit der Promotion erhielt Schönfeldt die Erlaubnis, als Arzt zu praktizieren, und er wurde Zweiter Professor der Medizin (medizinische Vorlesungen an der Universität hatte er schon seit 1563 gehalten). Die doppelte Professur und das damit verbundene hohe Gehalt führten auch zu Unstimmigkeiten in Marburg (beim Landgrafen und bei Kollegen). Er war Leibarzt von Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel (belegt ab 1565) und von Landgraf Ludwig von Hessen-Darmstadt. Außerdem hatte er eine Privatpraxis. Schönfeldt beteiligte sich auch an den organisatorischen Aufgaben der Marburger Hochschule. So war 1569 Dekan der philosophischen Fakultät, 1577 Dekan der medizinischen Fakultät und 1572 Rektor der Universität.
1583 war er mit dem gräflichen Leibarzt Johann Wolff einer der Gutachter im Streit zwischen dem Scharfrichter von Marburg (Michael Hütter) – der auch wundärztliche Behandlungen durchführte – und der Gilde der städtischen Bader und Barbiere um die Behandlung von Patienten. Im Gutachten setzten sie sich für eine Qualifikation der städtischen Wundärzte ein.
1562 heiratete er die Tochter Kunigunde des landgräflich-hessischen Rats Johann Nordeck aus Kassel. Der Ehe entstammten mindestens zwei Söhne, Burckhard und Alhard.
Schriften (Auswahl)
- Liber de Dysenteriae curatione. Frankfurt 1584.
- Consilium oder Ratschlag wider die Plage der roten Ruhr und Pest. Frankfurt am Main 1584.
- Prognosticon astrologicum. Wittenberg 1561.
Literatur
- Friedrich Wilhelm Strieder: Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte, seit der Reformation bis auf gegenwärtige Zeiten. Griesbach, Kassel, 1802, Bd. 13, S. 169, (Digitalisat)
- Georg Winter: Schönfeld, Victorin. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 32, Duncker & Humblot, Leipzig 1891, S. 303.
- S. Salloch: Das hessische Medizinalwesen unter den Landgrafen Wilhelm IV. und Moritz dem Gelehrten. Rolle und Wirken der fürstlichen Leibärzte. Dissertation. Marburg 2006 (https://doi.org/10.17192/z2006.0697)
Weblinks
- Schönfeld, Victorinus. Hessische Biografie. (Stand: 22. März 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Werke von und über Victorin Schönfeld in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Schönfeld, Victorinus Im: Biobibliographischen Handbuch der Kalendermacher von 1550 bis 1750.
- Victorin Schönfeld im Professorenkatalog Marburg (Stand: 4. Oktober 2021)
