Vierfachmord von Rotenburg

Kriminalfall am 1. März 2024 From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Vierfachmord von Rotenburg (auch Mehrfachmord von Rotenburg genannt) ereignete sich am Morgen des 1. März 2024. Der 33-jährige Soldat Florian G. erschoss in einem Haus in Scheeßel im Landkreis Rotenburg (Wümme) Nils O., den Liebhaber seiner Ex-Frau Juliane G., sowie dessen Mutter und fuhr dann weiter zu einem anderen Haus in Bothel, wo er Stefanie K., eine Freundin seiner Ex-Frau, und versehentlich auch deren dreijährige Tochter tötete. Seine Ex-Frau selbst verschonte er Zeugenaussagen zufolge, weil sie zum Zeitpunkt der Tat schwanger war.[1] Im Februar 2025 verurteilte das Landgericht Verden Florian G. für die Taten wegen Mordes und Totschlags zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und stellte überdies die besondere Schwere der Schuld fest.

Vorgeschichte

Florian G. wuchs im niedersächsischen Bad Grund (Harz) auf.[2] Nach der Haupt- und Berufsschule ging er im Alter von 17 Jahren zur Bundeswehr.[3] Dort arbeitete er sich bis zum Fallschirmjägerregiment 31 in Seedorf hoch, mit dem er 2018 in einen Auslandseinsatz nach Mali entsandt wurde.[4][5] Dort hatte er die Aufgabe, seine Einheit vom Fahrzeug aus zu unterstützen. G. beschrieb den Einsatz später als „traumatisierend“. Er sei abgestumpft und schließlich als „emotionsloser, leerer Zombie“ nach Deutschland zurückgekehrt.[6][7] Nach seiner Rückkehr aus Mali lernte Florian G. Juliane S., die als Pflegerin arbeitete, kennen. Die Beziehung der beiden schien trotz Florian G.s traumatischer Erlebnisse in Mali und der damit verbundenen psychischen Belastung anfangs harmonisch und glücklich zu sein. Bereits kurze Zeit nach ihrem Kennenlernen heirateten sie und bekamen 2020 ihr erstes gemeinsames Kind. Florian G. baute ein Haus für seine Familie und zahlte zudem die Schulden seiner Frau ab. Er wurde in dieser Zeit sogar in die spezialisierten Kräfte der Bundeswehr aufgenommen.

Während er sich mit dieser im Auslandseinsatz befand, zerbrach zu Hause in Deutschland seine Ehe. Juliane G. begann eine Affäre mit ihrem Ex-Freund Nils O. und verbrachte viel Zeit mit ihm.

Wenige Wochen vor der Tat kam es zu einer Situation, in der Florian G. nach Hause kam und Juliane G. und Nils O. gemeinsam auf dem Sofa vorfand. Er forderte Nils O. dazu auf, sofort das Haus zu verlassen und erteilte ihm wenige Tage später sogar ein Hausverbot, das er ihm persönlich überbrachte.[8] Nils O. fühlte sich von Florian G. bedroht und stellte deshalb Strafanzeige wegen Bedrohung gegen diesen.[9] Nils O. sagte bei der Erstattung der Strafanzeige am 26. Februar 2024 – also wenige Tage vor dem Tattag – unter anderem aus, dass Florian G., nachdem er ihn und Juliane G. auf dem Sofa entdeckt habe, zu seinem Waffenschrank gegangen sei, diesen allerdings nicht geöffnet habe. Private Chats zwischen Juliane G. und Nils O. legen jedoch die Vermutung nahe, dass sie Florian G. durch die Anzeige auch beruflich schaden wollten. Auch Juliane G.s Freundin Stefanie K. beteiligte sich an der Auseinandersetzung mit Florian G. In Chats mit Juliane G. bezeichnete sie ihn beispielsweise als „Penner“ und „Bastard“. Außerdem drängte sie ihre Freundin und deren Liebhaber dazu, die Anzeige zu erstatten, weil sie sich von dieser Disziplinarmaßnahmen für Florian G. innerhalb der Bundeswehr erhoffte. Die Polizei gab die Information, dass eine Anzeige gegen Florian G. erstattet wurde, jedoch nicht an die zuständige Waffenbehörde weiter, sodass diese nicht prüfen konnte, ob Florian G. seine Waffen hätte abgeben müssen.[10]

Nach der Strafanzeige führte die Polizei bei Florian G. eine Gefährderansprache durch.[11][12] Dieser beschloss daraufhin, sich selbst umzubringen und die Menschen, die er für die Zerstörung seiner Existenz verantwortlich machte, mit in den Tod zu reißen.[13]

Tathergang

Am Morgen des 1. März 2024 verließ Florian G. schwer bewaffnet seine Kaserne und machte sich mit dem Auto auf den Weg zum Haus von Nils O. in Scheeßel-Westervesede, wo er gegen 3:30 Uhr eintraf.[14] Er hatte die Tatwaffe, ein Selbstladegewehr von Heckler & Koch, eine Pistole, mehrere Molotowcocktails, eine Axt sowie Munition dabei.[15][16] Er drang in das Haus ein und tötete den Liebhaber seiner Frau sowie dessen Mutter Bärbel O. mit zahlreichen Schüssen. Auch Nils O.s sechsjähriger Sohn befand sich zu diesem Zeitpunkt im Haus und wurde so Augen- und Ohrenzeuge der Taten. Im Anschluss fuhr Florian G. weiter nach Bothel zu Stefanie K. Durch ein eingeschlagenes Badezimmerfenster gelangte er in ihr Haus. Zunächst feuerte er fünf Schüsse ins Leere. Danach folgte er seinem Opfer, das seine dreijährige Tochter eingewickelt in eine Decke im Arm hielt, in das Kinderzimmer, wohin dieses mittlerweile geflüchtet war. Florian G. sagte später aus, in der Dunkelheit nicht erkannt zu haben, dass Stefanie K. ihre Tochter bei sich trug. Er schoss mehrmals auf Stefanie K. und tötete dabei sowohl sie als auch ihre Tochter.[1][13] Stefanie K. hatte neben ihrer zusammen mit ihr getötetem Tochter noch eine weitere, zum Tatzeitpunkt 10-jährige Tochter aus einer anderen Beziehung, die während der Tat ebenfalls in dem Haus anwesend war. Sie sah mit an, wie Florian G. ihre Mutter und ihre Halbschwester erschoss. Nach den Morden fuhr Florian G. zum Weichelsee, legte seine Waffen ab, trank Bier und schickte seinen Freunden und seiner Familie eine Abschiedsnachricht.[13] Schließlich gab er seinen Plan, sich umzubringen, jedoch auf und stellte sich in einer Kaserne in Rotenburg.[17]

Gerichtsprozess

Nachdem die Staatsanwaltschaft Verden im Juli 2024 Anklage gegen Florian G. erhoben hatte, begann im August 2024 vor dem Landgericht Verden der Prozess gegen ihn.[18][19] Die Staatsanwaltschaft warf Florian G. vor, bei den Morden aus Rache und Eifersucht gehandelt zu haben.[20] Dieser legte vor Gericht ein Geständnis ab.[21] Juliane G. machte in dem Prozess von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, da sie psychisch nicht dazu in der Lage war, eine Aussage zu machen.[1] Im Zuge des Prozesses stellte ein psychologischer Gutachter fest, dass Florian G. keinerlei Reue für die Taten zeige. So habe er in Gesprächen mit dem Gutachter zum Beispiel gesagt, dass er seitdem „besser schlafen und essen“ könne.[22][23] Am 28. Februar 2025 sprach ihn das Gericht des Mordes in drei Fällen und Totschlags schuldig und verurteilte ihn zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Es sah zudem die besondere Schwere der Schuld als gegeben an. Eine Sicherungsverwahrung wurde hingegen nicht angeordnet.[24][25][26] Für die Tötung von Stefanie O.s Tochter wurde Florian G. lediglich wegen Totschlags verurteilt, da in diesem Fall im Gegensatz zu den anderen Taten keine Mordmerkmale nachgewiesen werden konnten. Florian G. ging gegen seine Verurteilung in Revision. Diese wurde im November 2025 jedoch vom Bundesgerichtshof verworfen.[27][28][29] Das Urteil wurde somit rechtskräftig. Durch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren faktisch ausgeschlossen.

Einzelnachweise

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