Villa Grimaldi
ehemaliges Folterzentrum in Chile
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Die Villa Grimaldi war ein Gelände in Santiago de Chile, auf dem 1975 bis 1988 Oppositionelle der Pinochet-Diktatur gefoltert wurden. Mindestens 4500 Menschen wurden dort gefoltert und 241 davon umgebracht oder sind bis heute verschwunden.[1] Heute befindet sich auf dem Gelände der sogenannte „Park für den Frieden“ (Parque por la Paz Villa Grimaldi), der als Gedenkstätte fungiert.[2]

Geschichte
Das knapp ein Hektar große Grundstück an der Avenida José Arrieta 8200 in der Comuna La Reina gehörte einer reichen chilenischen Familie.[3] 1973 übergab es die Familie an die Armee,[4] die im Gegenzug eine gefangen genommene Tochter der Familie freiließ. Ab Mitte 1974 benutzte die Brigada de Inteligencia Metropolitana (BIM), die Hauptstadtabteilung der Geheimpolizei Dirección de Inteligencia Nacional (DINA), das Gelände als ihre Kommandozentrale und als Folterzentrum. Intern wurde der Komplex Cuartel Terranova (Kaserne Neufundland) genannt. Neben diversen Geheimgefängnissen in und außerhalb von Santiago wie Londres 38 (auch genannt Yucatán), Irán 3037 (genannt Venda Sexy), José Domingo Cañas, Colonia Dignidad, Estadio Nacional und dem Segelschulschiff Esmeralda, war die Villa Grimaldi eine der wichtigsten und berüchtigtsten Folterstätten der DINA. Nach der Auflösung der DINA[5] wurde das Gelände 1977 der Central Nacional de Informaciones (CNI) übergeben, die dort bis 1978 weiter folterte. Nachdem das Gelände aufgegeben worden war, verkaufte es der CNI-Chef Hugo Salas Wenzel 1988 an eine Baufirma von direkten Familienangehörigen. Trotz begonnener Abbrucharbeiten scheiterte der Plan der Errichtung einer Wohnsiedlung an Protesten. Die daraus erwachsene Ständige Versammlung für Menschenrechte von Peñalolén und La Reina erwirkte schließlich beim Ministerium für Wohnungswesen und Stadtentwicklung ein Gesetzesdekret, das das Gelände am 10. Dezember 1994 für die Öffentlichkeit zugänglich machte. Der daraufhin angelegte Park sollte als Ort der Erinnerung, der Besinnung und der Förderung der Menschenrechte dienen. Am 13. Juli 1996 wurde die Stiftung „Parque por la Paz Villa Grimaldi“ als private, gemeinnützige Einrichtung gegründet, die gemäß dem Befreiungsdekret Nr. 170 vom 17. März 2005 des Ministeriums für Staatsvermögen für die Verwaltung und Präsentation der Gedenkstätte „Parque por la Paz Villa Grimaldi“ (Park für den Frieden) zuständig ist.[6] Am 22. März 1997 wurde der Friedenspark Villa Grimaldi eingeweiht.[2] Die Gedenkstätte umfasst ein Museum, Gedenktafeln und -installationen im Parkareal für verschiedene Opfergruppen, die Präsentation archäologischer Reste und Rekonstruktionen abgegangener Gebäude sowie eine Bühne für kulturelle Veranstaltungen.[7]

Zeugenaussagen von Folteropfern
Eine Frau, gefangen genommen im Januar 1975, berichtet über die Folter in der Villa Grimaldi:
«Escuché con horror cómo sabían cada uno de mis pasos, lo que los calificaba para tratarme de puta cuantas veces quisieron. Lloré bajo la venda de algodón, tuve mucho miedo; me decían a cada rato que había desaparecido sin dejar rastros y que no volvería a ver a mis dos hijos. Sabían sus nombres, los colegios donde iban, los horarios de entrada y salida. Yo no lo podía creer.»
„Mit Entsetzen hörte ich, wie sie jeden meiner Schritte verfolgten, was ihnen das Recht gab, mich, so oft sie wollten, als Hure zu beschimpfen. Ich weinte unter der Baumwollbinde, ich hatte große Angst; sie sagten mir ständig, dass ich spurlos verschwunden sei und meine beiden Kinder nie wieder sehen würde. Sie kannten ihre Namen, die Schulen, die sie besuchten, sowie die Zeiten, zu denen sie dort ankamen und wieder gingen. Ich konnte es nicht glauben.“
Ein Mann, gefangen genommen im Dezember 1975, berichtet über die Folter in der Villa Grimaldi:
«[…] tras incitarnos injuriosamente a colaborar y ante mi mutismo, me golpeó brutalmente haciendo uso de puños, pies y un objeto contundente durante varios minutos delante de mi madre y de mi esposa. Mi madre fue llevada aparte (luego fue liberada) y la golpiza continuó sobre mi esposa. Ofuscado por nuestro silencio […] ordenó ‚¡a la parrilla!‘ […] me sacaron a un patio donde me dejaron tendido mientras me hacían escuchar los gritos de mi compañera que torturaban en una pieza aledaña. Tras una media hora de mantenerme escuchando los tormentos de mi esposa, durante los cuales me intimaban para evitarle sufrimientos […] me desnudaron a la fuerza, me introdujeron en una pieza con catres metálicos de dos pisos, me amarraron a uno de ellos, me conectaron cables y electrodos hechos con ganchos y llaves metálicas a los pies, las manos, narices, ojos, encías, ano, pene y testículos, y comenzaron a aplicar descargas eléctricas producidas por un dínamo a manivela. […]»
„[…] Nachdem er uns in beleidigender Weise zur Zusammenarbeit aufgefordert hatte und ich schwieg, schlug er mich mehrere Minuten lang brutal mit Fäusten, Füßen und einem stumpfen Gegenstand vor den Augen meiner Mutter und meiner Frau. Meine Mutter wurde beiseite geführt (später wurde sie freigelassen), und die Schläge richteten sich nun gegen meine Frau. Verärgert über unser Schweigen […] befahl er: ‚Auf den Grill!‘ […] Man brachte mich auf einen Hof, wo man mich liegen ließ, während ich die Schreie meiner Frau hören musste, die in einem Nebenraum gefoltert wurde. Nachdem ich eine halbe Stunde lang die Qualen meiner Frau mitanhören musste, während man mich dazu drängte, ihr Leiden zu ersparen […] zogen sie mich gewaltsam nackt aus, brachten mich in einen Raum mit zweistöckigen Metallfeldbetten, fesselten mich an eines davon, verbanden Kabel und Elektroden aus Haken und Metallschlüsseln mit meinen Füßen, Händen, Nase, Augen, Zahnfleisch, Anus, Penis und Hoden und begannen, mir durch einen Kurbelgenerator erzeugte Stromstöße zu verabreichen. […]“
Siehe auch
- Valech-Kommission – Überblick über die Aufarbeitung der Folterungen während der Pinochet-Diktatur
Weblinks
- Homepage der „Corporación Parque por la Paz“, die die Gedenkstätte betreibt. In: villagrimaldicorp.cl. (spanisch).
- Lista de detenidos (as) desaparecidos (as) y ejecutados (as) políticos (as). In: villagrimaldi.cl. (spanisch, Liste der verschwundenen und ermordeten politischen Gefangenen).
- Memoria y Justicia (englisch und spanisch)