Villa Magna

archäologische Stätte in Italien From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Villa Magna ist ein großes römisches Haus auf dem Gebiet der Gemeinde Anagni in der italienischen Region Latium. Sie befindet sich an der Grenze zur Gemeinde Sgurgola im Saccotal zu Füßen des Monte Giuliano (Monti Lepini). Das Toponym „Villamagna“ des Ortes ist auf das fortgesetzte lokale Andenken an eine kaiserliche Villa (2.–5. Jahrhundert) zurückzuführen; an dem Ort entstand später das Kloster San Pietro a Villamagna (9.–13. Jahrhundert).

Das Gelände des römischen Hauses zwischen der Kirche San Pietro und dem großen Haus aus dem 19. Jahrhundert

Geschichte

Das Landhaus wurde vermutlich ursprünglich im 2. Jahrhundert n. Chr. unter Kaiser Hadrian erbaut. Mark Aurel beschrieb in einem Brief aus dem Jahr 144 oder 145 an seinen Tutor Marcus Cornelius Fronto seinen zweitägigen Besuch in der Residenz, in der sich zu dieser Zeit auch sein Adoptivvater, Kaiser Antoninus Pius befand.[1]

Unter Septimius Severus wurde 207 die Straße von Anagni zum Landhaus gepflastert, wie eine heute in der Kathedrale von Anagni aufbewahrte Inschrift bezeugt.[2] Nach der Beseitigung der Ruinen der Villa war das Gelände wiederholt mit kleinen Produktionsanlagen besiedelt (6. und 9. Jahrhundert).

Ein Dokument aus dem Jahre 976 beschreibt die Gründung des Klosters San Pietro an dieser Stelle durch drei Adlige aus Anagni.[3][4] Das Kloster wurde 1297 durch Papst Bonifatius VIII. aufgelöst und seine Reste wurden als Festung für eine kleine Garnison genutzt: In den Dokumenten ist sie als Castrum (1301 und 1333) erwähnt, von dem in einem Dokument von 1478 berichtet wurde, dass es eine Ruine sei (castrum dirutum) und 1498 von einem Brand (Villamagna combusta est).[5]

Die Reste besuchte im 18. Jahrhundert Gavin Hamilton, der einige Statuen erwähnt. Seit 2006 wurden auf dem Gelände vom archäologisch-anthropologischen Museum der University of Pennsylvania, der British School at Rome, der International Association for Classical Studies und der Soprintendenza per i beni archeologici del Lazio archäologische Grabungen durchgeführt. Die Grabungen wurden von Elizabeth Fentress, Andrew Wallace Hadrill und Sandra Gatti geleitet.[6] Die Ausgrabungen förderten einen Weinkeller zutage, der noch reich mit Marmorplatten verziert war, die Sklavenquartiere und eine Reihe von Siedlungen und Friedhöfen aus dem Hochmittelalter.

Beschreibung

Die Reste des römischen Hauses erstrecken sich über etwa 17 Hektar.

Ausgrabungen an der Kirche San Pietro a Villamagna (2009)

Im Nordosten gab es ein weitläufiges Peristyl, das zur Villa gehörte, an dessen Südseite die Kirche des Klosters San Pietro a Villamagna errichtet wurde, von der noch die Grundmauern stehen. Bei den archäologischen Ausgrabungen wurden in dieser Zone die Reste späterer Besiedelung der römischen Gebäude mit zahlreichen Gräbern (6. Jahrhundert, 9. Jahrhundert und Kloster) gefunden. Die Kirche, die im 6. Jahrhundert mit dem Anbau eines Narthex über einem vorher existierenden Gebäude aus dem Ende des 4. oder dem 5. Jahrhundert ergänzt wurde, wurde durch einen Glockenturm und einen Kreuzgang mit großer, unterirdischer Zisterne bereichert.

Im Süden schlossen sich weitere Gebäude an, teilweise überbaut durch ein großes Haus aus dem 19. Jahrhundert. Die Grabungen in dem Haus förderten die Keller zutage, in denen die Trauben gepresst und der Wein in in den Bodenbelag eingelassenen Dolia gereift wurde. Die Räume waren reich mit Marmorplatten verziert, was nahelegt, dass sie nicht nur als Funktionsräume dienten, sondern vielleicht auch mit den kaiserlichen Feiern des Festes der Vinalia verbunden waren.[7]

Im Norden des Kellers wurde ein Gebäude ausgegraben, das im 3. Jahrhundert errichtet worden und bis ins 3. Viertel des 5. Jahrhunderts in Benutzung war. Es bestand aus zwei Flügeln, die durch einen gedeckten Gang getrennt waren, jeder davon mit einer Reihe kleiner Räume mit Böden aus gestampfter Erde und in einigen Fällen mit kleinen unterirdischen Gruben. Es handelt sich vermutlich um die Quartiere der Sklaven, die in der Villa gearbeitet haben; darunter, wie man aufgrund der aufgefundenen Materialien annimmt, waren viele Frauen.[8] Das Gebäude war auf der Südseite durch eine Vorhalle entlang einer mit Kopfsteinpflaster belegten Straße flankiert, von der aus man nicht in die Innenräume gelangen konnte.

Östlich der modernen Straße befanden sich weitere Räume, die vielleicht zu einem kleinen Thermal- und Zisternenkomplex gehörten.

Literatur

  • M. Mazzolani: Anagnia (Forma Italiae, Regio I, Band 6). Rom 1969.
  • E. de Minicis: Il monastero di Villamagna e il suo territorio nell’alto medioevo in Bollettino dell'Istituto di storia e di arte del Lazio meridionale. Heft 11. 1979–1982. S. 59–75.
  • A. Scarpignato: Villamagna dalla metà del secolo XII e i suoi rapporti con gli abitanti di Sgurgola e Gorga in Bollettino dell'Istituto di storia e di arte del Lazio meridionale. Heft 11. 1979–1982. S. 77–91.
  • Rosella Motta: Decadenza del monastero di Villamagna dalla fine del XIII secolo in Bollettino dell'Istituto di storia e di arte del Lazio meridionale. Heft 11. 1979–1982. S. 93–103.
  • Monasticon Italiae. Band I: Roma e Lazio. =F. Caraffa, Cesena 1981. S. 122–123.
  • S. Carocci: Ricerche e fonti sui poteri signorili nel Lazio meridionale nella prima metà del XIII secolo: Villamagna e Civitella in Il sud del Patrimonium Sancti Petri al confine del Regnum nei primi trent’anni del Duecento. Due realtà a confronto, Atti delle giornate di studi. Ferentino 28.–29.-30. Oktober 1994. Rom 1997. S. 112–144.
  • Chiara D. Flascassovitti: Le Pergamene del Monastero di S. Pietro di Villamagna (976-1237). Lecce 1994.
  • M. de Meo: S. Pietro di Villamagna presso Anagni: una villa romana si trasforma in abbazia in Quaderni di architettura e restauro. Band 2. Rom 1998.
  • G. Giammaria (Herausgeber): Villamagna (Monumenti di Anagni 3). Anagni 1999.
  • E. Fentress, S. Gatti, C. Goodson, S. Hay, A. Kuttner, M. Maiuro: Excavations at Villa Magna. In: FastiOnLine Documents & Research: 68. Abgerufen am 23. Februar 2026 (englisch).
  • E. Fentress, C. Fenwick, C. Goodson, S. Hay, M. Maiuro: Excavations at Villa Magna. In: Fasti Online Documents & Research: 97. Abgerufen am 23. Februar 2026 (englisch).
  • D. Booms, F. Candilio, A. di Miceli, C. Fenwick, E. Fentress, C. Goodson, M. McNamee, S. Privitera, R. Ricciardi: Excavations at Villa Magna 2008. In: Fasti Online Documents & Research: 126. Abgerufen am 23. Februar 2026 (englisch).
  • E. Fentress, C. Goodson, M. Maiuro: Excavations at Villa Magna 2009. In: Fasti Online Documents & Research: 169. Abgerufen am 23. Februar 2026 (englisch).
  • E. Fentress, C. Goodson, M. Maiuro: Excavations at Villa Magna 2010. In: Fasti Online Documents & Research: 207. Abgerufen am 23. Februar 2026 (englisch).
  • Elizabeth Fentress, Caroline Goodson, Marco Maiuro: Wine, Slaves, and the Emperor at Villa Magna. In: Expedition Magazine, Heft 53, Nr. 2. Penn Museum, 2011, S. 13–20, abgerufen am 23. Februar 2026 (englisch).
Commons: Villa Magna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Villamagna. In: Villa-Magna.org. Archiviert vom Original am 18. Dezember 2014; abgerufen am 23. Februar 2026 (englisch).
  • Villa Magna, Lazio. In: BSR.ac.uk. British School at Rome, abgerufen am 23. Februar 2026 (englisch).

Einzelnachweise und Bemerkungen

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