Villa Negroni
Villa mit Nebengebäuden in Vezia im Kanton Tessin, Schweiz
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Die Villa Negroni in Vezia im Kanton Tessin in der Schweiz wurde im 18. Jahrhundert errichtet und später wiederholt erweitert. Die Villa mit Park, Kapelle und Mausoleum zählt zu den «prachtvollsten Villen des Tessins»[1] und steht als Kulturgut von nationaler Bedeutung unter Denkmalschutz.

Geschichte
Das Hauptgebäude wurde am Anfang des 18. Jahrhunderts von Carlo Morosini erbaut und 1860 erweitert. Im 19. Jahrhundert beherbergte die Familie Morosini grosse Persönlichkeiten der italienischen Kultur, unter ihnen Giuseppe Verdi, Antonio Fogazzaro und Francesco Hayez. Das Mausoleum wurde für die drei Freiheitskämpfer des Risorgimento Emilio Morosini (* 1830), Enrico Dandolo (1827–1849) und Luciano Manara (* 1825) errichtet. Sie hatten am Fünf-Tage-Aufstand von Mailand teilgenommen und waren im Juni 1849 im ersten Unabhängigkeitskrieg in Rom ums Leben gekommen. Bis 1895 bewahrte es auch die Urne mit dem Herz des polnischen Nationalhelden Tadeusz Kościuszko.[1]
Der Besitz ging 1910 an Graf Alessandro Negroni aus Mailand über. Sein Sohn Gian Antonio liess das gesamte Bauwerk umbauen und erneut erweitern.[1]
Die Villa wurde 1976 durch die Gemeinde Lugano erworben, restauriert und umgebaut. Weitere Umbauten erfolgten 1990 mit der Nutzung als Sitz des Studienzentrums für das Bankwesen (italienisch Centro di Studi Bancari, CSB) sowie 1996. Renovationen der Kapelle erfolgten 1966 und von 1995 bis 1997.[1]
Beschreibung
Das Bauensemble liegt an der Via Morosini 1 und ist unter der Nummer 05764 in das Schweizerische Inventar der Kulturgüter von regionaler Bedeutung (Kategorie A) eingetragen.[2]
Der Hauptbau weist eine zweigeschossige Südfassade mit 16 Achsen auf. Sie zeigt eine mit Stuckrahmungen und eine Sonnenuhr mit der Figur des personifizierten Todes mit einer Sense. Die Fensterumrahmungen sind mit Stuck gestaltet. Der unter Negroni angebaute Nordtrakt des 20. Jahrhunderts zeigt ein Portal mit bossierten Postamenten. Er ist durch eine mit Statuen besetzten Verbindungsbrücke, die einen Hof bildet, angeschlossen. Das Gittertor ist in Schmiedeeisen ausgeführt.[1]
Die Kapelle San Giuseppe aus der Mitte des 18. Jahrhunderts liegt vor dem Eingang der Villa. Über dem Portal ist das Wappen der Familie Morosini mit zwei Füchsen angelegt. An der Rückwand des Apsidensaals rahmt die wohl von Giovanni Antonio Torricelli ausgeführte Quadraturmalerei ein Gemälde des heiligen Joseph von Aligi Sassu (1998). Weitere Bilder Sassus zeigen die Flucht nach Ägypten und den Kindermord in Bethlehem. Die Scagliolafraontale schuf vermutlich Giovanni Battista Rapa in der Mitte des 18. Jahrhunderts.[1]
Das Mausoleum der Familie liegt im Park. Dieser ist in einen italienischen und einen grossen englischen Garten unterteilt. Ersterer wurde von 1910 bis 1920 angelegt und zeigt typische Elemente des 17. Jahrhunderts. Der Zugang erfolgt durch ein prächtiges Tor, das zwei Pfeiler mit Adlern und Putten flankieren.[1]
Siehe auch
Literatur
- Piero Bianconi: Meridiane del Ticino. Unione Svizzera delle Casse Raiffeisen, Vezia 1978, S. 64.
- Niklaus Flüeler: Guida culturale della Svizzera. Ex Libris Verlag, Zürich 1982, S. 394.