Villa Suburbana Köln, Pantaleonsberg
unmittelbar außerhalb der römischen Stadtmauern der Colonia Claudia Ara Agrippinensium gelegenes Landgut
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Die Villa Suburbana Köln Pantaleonsberg war ein unmittelbar außerhalb der römischen Stadtmauern der Colonia Claudia Ara Agrippinensium gelegenes Landgut.
Siedler des Suburbanum
Bereits durch Agrippa um 20 v. Chr. waren ihm verbündete Stämme der Ubier linksrheinisch, auf ehemals suebischem Stammland, angesiedelt worden. Nun waren es verdiente Personen (häufig auch Veteranen) der römischen Herrschaft, die sich als neue Eigentümer ansiedelten.[1]
- Ubierin
- Römerin
Lage und Übernahme eines Gutes
Das südwestliche Suburbium war das unmittelbar der römischen Befestigung der Kolonie Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA) vorgelagerte Gebiet auf der linken Niederterrasse des Rheines. Dessen Boden bestand aus einer etwa ein bis zwei Meter starken Auelehmschicht und erstreckte sich über Wechsellagen von Sanden und Kiesen.[2]

Die nördliche Grenze dieses Gebiets bildete der aus dem Hürther Raum kommende Duffesbach, der nach Passieren des oberen Pantaleonsberges, entlang der Flanke der römischen Kernstadt, in Richtung des Rheines floss und dort mündete. Den Bach begleiteten Wege oder Plätze, die später nach dort angesiedelten Betrieben benannt wurden, so der Rotgerberbach, der Blaubach, der Waidmarkt und der Mühlenbach, der wohl Standort einer seit vorchristlicher Zeit bekannten Wassermühle war. Guter Boden, fließendes Wasser und eine Fernstraße in Stadtnähe sowie gute Beziehungen zur Kommunalverwaltung dürften die Gründe gewesen sein, ein Landgut zur Bewirtschaftung zu übernehmen.
Bauwerke des hier behandelten Landgutes befanden sich an der Kante einer Anhöhe – auf einem Niveau von etwa 51 m ü. NN – und erstreckten sich „extra muros“ vor der Südwestecke der Stadtmauern der CCAA in nordöstlicher Richtung. Von dort oben blickte man zur Linken auf eine langgestreckte Mauerbefestigung der Stadt, die nach ihrer Gründung im Jahr 50 n. Chr. zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert in ihrer Gesamtheit nach und nach die Stadt umfasste.
Der hier behandelte, rheinwärts verlaufende Südabschnitt der Mauer hatte eine Länge von ca. 903 m.[3] Zu seiner Rechten lag offenes Vorland, das sich nach Süden zu einer Senke gestaltete, die in späterer Zeit als „Martins Feld“ bezeichnet wurde.[4] Dieses zur Römerzeit suburbane Gebiet sollte später durch Erzbischof Anno zum eigenständigen Vorstadtbezirk Airsbach werden.[5]
Entwicklung des Gutshofes
Es scheint, nach den Befunduntersuchungen zu urteilen, dass die Villa bis in das 4. Jahrhundert bewohnt und dass ihr Gelände bewirtschaftet wurde. So nahm man an, dass den späteren Steinbauwerken bereits zur Zeit der Flavier eine erste Bauperiode mit Holz- und Fachwerkbauten vorausging.[6][7]

Die ehemals in der CCAA in der Nähe römischer Villae Rusticae errichteten Statuen oder gar Säulenmonumente zur Verehrung des römischen Gottvaters Jupiter konnten bei Grabungen in vielen Ortsteilen nachgewiesen werden, so auch hier am Pantaleonsberg. Die hier unmittelbar vor der Stadtmauer lebenden Menschen (nicht nur die Bewohner der Villa) trennten nur wenige Meter von einem zu Ehren des Gottvaters Jupiter errichteten Tempel in ihrer Nachbarschaft.
1891 fand man Fundamentreste eines unbekannten Bauwerks in der äußersten Südwestecke der Stadt, die bei Arbeiten auf der Straße Kleiner Griechenmarkt Nr. 81 bis 85 freigelegt wurden. Bei näheren Untersuchungen konnte die Bestimmung des Bauwerks als Tempel eines keltischen Jupiters durch die aufgefundenen Artefakte nachgewiesen werden. Geborgen werden konnte eine Statue des thronenden Jupiters aus Kalkstein, ohne Kopf und Arme 0,915 m hoch, bekleidet nach Art rheinischer Jupiterstatuen, durch ein den Unterkörper umschlingendes und vom Rücken her mit einem Zipfel über die Schulter reichendes Himation. Er trug Sandalen, die ehemals erhobene Linke hielt das Szepter und die Rechte, nicht auf den Knien aufliegend, die Blitze (Inv.-Nr. 7626, Bonner Provinzial Museum). Ein dort ebenfalls geborgener kleiner, vierseitiger Weihaltar aus Kalkstein hatte die Maße von 0,86 m Höhe, 0,40 m Breite und 0,23 m Tiefe. Er trug die Inschrift:
„I(OVJ) O(PTIMO) M(AXIMO).“
Ein darunter abgebildetes Rad, ein sogenanntes achtspeichiges Sonnenrad, war das Symbol des keltischen Gottes Taranis. Um dem verehrten Gott zu danken oder ihn um etwas zu bitten, dass er z. B. Unheil von der Ernte oder eine Krankheit abwenden möge, hatten sie vom Pantaleonsberg nur wenige Meter zu gehen, um den nahezu in Sichtweite stehenden Tempel am Mauereckturm (dem heute als Ruine erhaltenen Rest) der römischen Stadtmauer aufzusuchen. Die spätere „Griechenpforte“ entstand erst im 10. oder 11. Jahrhundert.[8] Bequemer Ersatz für die Bewohner des südwestlichen suburbanen Vorlandes waren dann die eigenen Heiligtümer, die nun diese Aufgaben übernahmen.
Funde vor Ort
In einer Abhandlung zu den Außengebieten der CCAA vermerkte der Historiker Joseph Klinkenberg 1892:
- „Folgende Funde sind erwähnenswert: An der Straße Am Weidenbach (Köln) wurde eine Marmorstatuette der Fortuna mit Füllhorn und Steuerruder geborgen“.
Zu einem weiteren Fund, jedoch schon vor dem Jahr 1891 (ohne weitere Zeitangabe) entdeckt, vermerkt Klinkenberg:
- „An St. Pantaleon wurde bei Restaurationsarbeiten eine schwarze, weißgeäderte, 1,03 : 0,80 m große Marmorplatte (Nero antico) geborgen, die eine an Apollo gerichtete Weihinschrift trug“.

Aufgrund dieser Platteninschrift, die Teil eines Apolloaltars war, konnte der Fund in das zweite Jahrhundert n. Chr. datiert werden.[9] Die Platte war das zersägte Sockelstück eines Götterdenkmals, dessen Gesamttext zu entnehmen war, dass Aufstellung und Stellplatz eine Stiftung der städtischen Dekurionen seien.
„Apollini / C(aius) Aurelius C(ai) l(ibertus) / Verus negotiator / Britannicianus / moritex d(ono) d(edit) / l(oco) d(ato) d(ecreto) d(ecurionum).“
Die deutsche Übersetzung lautet:[10]
„Dem Apollo (weiht diese Inschrift) Gaius Aurelius Verus, Freigelassener des Gaius, Britannienhändler, Moritex.“
Der Platz (für die Weihung) wurde ihm durch Dekret des Stadtrates zugewiesen.[11]
Ob der Stifter weiter als Handelsherr tätig war oder ob er als Besitzer der Villa anzusehen ist, kann man den Beschreibungen nicht entnehmen.
Forschungen nach Ende des 19. Jahrhunderts
Grabungen „Pantaleonsberg“
Auch noch während der ersten Kriegsjahre wurden in Köln archäologische Grabungen durchgeführt. 1941 konnten im Auftrag des Römisch-Germanischen Museums durch Fritz Fremersdorf südwestlich der Kirche St. Pantaleon Fundamentreste römischer Zeit freigelegt werden, in denen der Archäologe Fremersdorf mögliche Reste einer römischen Villa erkannte.[12]
1942 folgten Grabungen durch die Römisch-Germanische Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums. Zu dieser Zeit entdeckte man bei Ausschachtungsarbeiten zum Bau eines Luftschutzbunkers an der Ecke Waisenhausgasse/Am Pantaleonsberg ebenfalls römische Fundamentreste, die nach sorgfältiger Freilegung mehrere kleine Räume (z. T. mit erhaltenem Estrichboden) erkennen ließen. Die zunehmenden Beeinträchtigungen durch die Kriegsereignisse führten schließlich zum vorläufigen Abbruch weiterer Untersuchungen.[13]
Erkenntnisse der Nachkriegsgrabungen
1945 waren erhebliche Bereiche des Inneren von St. Pantaleon zerstört und eine Wiederherstellung schien erst im nächsten Jahrzehnt möglich zu sein. Diese Zeitspanne nutzte das Römisch-Germanische Museum, um am 3. November 1955 erneut Untersuchungen vorzunehmen und die abgebrochenen Grabungen erneut fortzusetzen. Die ohne einen Abschluss beendeten Grabungsarbeiten zu einer „Villa suburbana“ konnten dann erst parallel zum begonnenen Wiederaufbau der Kirche St. Pantaleon unter der Leitung von Otto Doppelfeld vom Kölner Römisch-Germanischen Museum fortgesetzt werden. Diese sollten bis in das Jahr 1962 andauern. Dabei sollte sich herausstellen, dass es sich bei den bisher freigelegten Fundamentresten nur um die der südlichen Nebengebäude der Villa gehandelt hatte.
Nun wurde die Fläche des gesamten Hügels inklusive des Kirchenareals systematisch untersucht. Dazu begann man ein etwa 46 m langes Querprofil/Schnitt auszuheben, welches von Südwesten (an der Abschlussmauer „Am Pantaleonsberg“) begann und nach Nordosten bis zum Annexbau der Kirche reichte.
Da die jeweiligen Bewohner des Landgutes seit Urzeiten ihr Trinkwasser aus dem in unmittelbarer Nähe vorbeifließenden Duffesbach erhielten, erklärte sich, dass weder über aufgefundene Brunnen noch gar über verfüllte Brunnenschächte – wie sie in einer Vielzahl bei Villae Rusticae römischer Zeit festgestellt werden konnten – auf diesem Gelände berichtet wurde.[14]
Literatur
- Hermann Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter. in 2 Bänden. Köln 1910; Reprint: Droste-Verlag, Düsseldorf 1986, ISBN 3-7700-7560-9 und ISBN 3-7700-7561-7.
- Hermann Schmitz Stadt und Imperium. Köln in römischer Zeit. Erster Band: Die Anfänge der Stadt Köln und die Ubier. Kölner Universitätsverlag Balduin Pick, Köln 1948.
- Joseph Klinkenberg Das römische Köln (= Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln Bd. 1, 2 = Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz Bd. 6, 2). Schwann, Düsseldorf 1906
- Johannes Krudewig (Quellen), in: Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln im Auftrage des Provinzialverband der Rheinprovinz. Band VI, Abteilung I. Quellen, und Abteilung II., Josef Klinkenberg, Das Römische Köln, in: „I. Die Befestigung“, S. 164 ff
- Hans Vogts, Fritz Witte: Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, im Auftrage des Provinzialverbandes der Rheinprovinz und der Stadt Köln. Herausgegeben von Paul Clemen, Bd. 7, Abt. IV: Die profanen Denkmäler der Stadt Köln, Düsseldorf 1930. Verlag L. Schwann, Düsseldorf. Nachdruck Pädagogischer Verlag Schwann, 1980. ISBN 3-590-32102-4.
- Michael Dodt: Römische Bauten im südlichen Suburbium der Claudia Ara Agrippinensium. In: Kölner Jahrbuch. Band 38, 2005.
- Helmut Fußbroich, Ausgrabungen St. Pantaleon. In: Das neue Bild der alten Welt. Kölner Römer Illustrierte 2 (1975) 243f
- Jahrbuch für Vor- und Frühgeschichte, Band 6 - 1962/63. (Hrsg.). Römisch-Germanisches Museum und Archäologische Verlag Gebr. Mann, Berlin
- Kölner Jahrbuch, RGM Köln, Archäologische Gesellschaft (Hrsg.). Band 37, 2004. Verlag Gebr. Mann, Berlin
- Renate Thomas, Römische Wandmalereien in Köln. Kölner Forschungen, Band 6. Verlag: Zabern, ISBN 3-8053-1351-9.
- Hartmut Galsterer: „Mercurius Valdivahanus“. Die epigraphisch-historische Perspektive. In: Kölner Jahrbuch. Band 45, 2012.