Viveca Lindfors
US-amerikanische Schauspielerin, Filmregisseurin und Drehbuchautorin (1920–1995)
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Viveca Lindfors (eigentlich: Elsa Viveca Torstensdotter Lindfors; * 29. Dezember 1920 in Uppsala, Uppsala län, Schweden; † 25. Oktober 1995 ebenda) war eine schwedisch-US-amerikanische Film- und Theaterschauspielerin, Filmregisseurin und Drehbuchautorin.
Biografie

Viveca Lindfors zählt neben Greta Garbo und Ingrid Bergman zu den bekanntesten Schauspielerinnen Schwedens, obgleich sie nie denselben Starstatus einnahm. Sie erlernte ihr Handwerk am Königlichen Theater in Stockholm und debütierte 1940, 20-jährig, in der schwedischen Filmkomödie Snurriga familjen.
In den kommenden fünfeinhalb Jahren stand Lindfors in Schweden in fünfzehn Spielfilmen vor der Kamera und in zahlreichen Stücken auch auf der Theaterbühne. 1945 zog die dunkelhaarige Darstellerin nach Hollywood, wo sie Warner Brothers unter Vertrag nahmen. 1948 erfolgte Lindfors’ US-Filmdebüt im Kriegsdrama To The Victor. Ab 1950 stand die Schauspielerin auch am Broadway auf der Bühne, als Hauptdarstellerin im Theaterstück Anastasia (1956 mit Ingrid Bergman verfilmt). 1951 erhielt Lindfors die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Mit ihrem Mann George Tabori probte sie u. a. im Actors Studio von Lee Strasberg, machte Aufführungen wie Strindbergs Fräulein Julie und gründete 1966 mit ihm die freie Theatergruppe „The Strolling Players“.
Lindfors hatte zwischen den späten 1940er- und den 1960er-Jahren viele Hauptrollen in Hollywood, so neben Errol Flynn in dem Abenteuerfilm Die Liebesabenteuer des Don Juan (1948), an der Seite von James Cagney im Western Im Schatten des Galgens sowie in Fritz Langs Kostümdrama Das Schloß im Schatten (beide 1955) mit Stewart Granger. Einer ihrer bekanntesten Filme jener Zeit war die 1961 produzierte Bibelverfilmung König der Könige, in der sie Claudia Procula verkörperte. Auf der Berlinale 1962 gewann sie für ihre Rolle in dem Independentfilm No Exit, einer Verfilmung von Sartres’ Stück Geschlossene Gesellschaft, gemeinsam mit ihrer Partnerin Rita Gam einen Silbernen Bären. Produzenten in Hollywood hatten zeitweise gehofft, die als schön und talentiert geltende Lindfors würde eine ähnliche Weltkarriere als Zuschauermagnet wie ihre schwedischen Kolleginnen Greta Garbo und Ingrid Bergman hinlegen. Diese hohen Erwartungen erfüllten sich jedoch nie.[1][2]
Dennoch blieb Lindfors auch in späteren Jahren eine viel beschäftigte und von Regisseuren geschätzte Schauspielerin. Ab den 1950er-Jahren stand sie als Gaststar für Fernsehserien vor der Kamera, darunter Bonanza, Trapper John, M.D. und Der Denver-Clan. Im Kinofilm musste sich Lindfors ab den 1970ern altersbedingt zwar mit Nebenrollen begnügen, wurde aber von einigen bekannten Regisseuren verpflichtet. So spielte sie unter Robert Altman in Eine Hochzeit (1978), in Oliver Stones Horrorfilm Die Hand (1981), in Rob Reiners College-Komödie Der Volltreffer (1985) und in Roland Emmerichs Stargate (1994). Immer wieder kehrte Lindfors auch für Rollen nach Europa zurück und hatte etwa die Titelrolle in der von mehreren europäischen Sendern produzierten Miniserie Frankensteins Tante, die 1987 im ZDF ausgestrahlt wurde. Insgesamt umfasst ihr filmisches Schaffen als Schauspielerin mehr als 150 Film- und Fernsehproduktionen.
1987 stand Lindfors zum ersten und einzigen Mal hinter der Kamera. Unfinished Business war der 67-minütige Spielfilm, bei dem sie nicht nur Regie führte und das Drehbuch schrieb, sondern auch in einer Nebenrolle zu sehen war.
Viveca Lindfors stand ab dem Sommer 1995 in Schweden wieder auf der Bühne. Sie starb im Oktober desselben Jahres, 74-jährig, in ihrer Heimatstadt Uppsala an Komplikationen ihrer Rheumaerkrankung.[3]
Familie
Sie war viermal verheiratet. 1941 heiratete sie den Deutschen Harry Hasso, die Scheidung erfolgte 1942. Zwischen 1944 und 1948 war sie mit dem schwedischen Schachfunktionär Folke Rogard verheiratet. Mit ihm bekam sie ihr zweites Kind, Lena Tabori, die heute als Schauspielerin und Produzentin tätig ist. Mit ihrem dritten Ehemann, dem US-Regisseur Don Siegel, mit welchem Lindfors zwischen 1948 und 1953 verheiratet war, bekam Lindfors ihr drittes Kind, Kristoffer Tabori, der heute als Regisseur und Schauspieler erfolgreich ist. Die Halbgeschwister Lena und Kristoffer nahmen nach der Heirat ihrer Mutter 1954 mit dem Schriftsteller und Drehbuchautor George Tabori auch dessen Familiennamen an. Die Ehe mit Tabori wurde auch zur längsten Ehe von Viveca Lindfors. Mit Taboris Übersiedlung nach Deutschland 1971 wurde sie beendet, die Scheidung erfolgte im folgenden Jahr.
Filmografie (Auswahl)
- 1942: Egoismus der Liebe (Appassionata)
- 1943: Anna Lans
- 1948: To the Victor
- 1948: Die Liebesabenteuer des Don Juan (Adventures of Don Juan)
- 1949: Singoalla – die Zigeunerin (Singoalla, in drei Fassungen gedreht: schwedisch, französisch, englisch)
- 1950: Mein Glück in deine Hände (No Sad Songs for Me)
- 1950: Gesetzlos (Backfire)
- 1950: Stadt im Dunkel (Dark City)
- 1951: Die Vier im Jeep
- 1952: Gier nach Gold (The Raiders)
- 1952: Nicht die Zeit für Blumen (No Time for Flowers)
- 1955: Im Schatten des Galgens (Run for Cover)
- 1955: Das Schloß im Schatten (Moonfleet)
- 1956: Von Rache getrieben (The Halliday Brand)
- 1957: I Accuse!
- 1958: Sturm im Osten (La tempesta)
- 1959: Tausend Meilen Staub (Rawhide, Fernsehserie, Folge 2x01)
- 1960: Das Buch Ruth (The Story of Ruth)
- 1961: König der Könige (King of Kings)
- 1962: Geschlossene Gesellschaft (No Exit)
- 1962: Sie sind verdammt (The Damned)
- 1962, 1964: Preston & Preston (The Defenders, Fernsehserie, 2 Folgen)
- 1964: Das Vorleben der Sylvia West (Sylvia)
- 1965: Das teuflische Spiel (Brainstorm)
- 1969: Coming Apart
- 1973: Cherie Bitter (The Way We Were)
- 1973: Ein Toter lacht als letzter (La Campaña del infierno)
- 1976: Willkommen in Los Angeles (Welcome to L.A.)
- 1977: Tabu (Taboo)
- 1978: Eine Hochzeit (A Wedding)
- 1979: Eine Welt ohne Ton (Voices)
- 1979: Linus und das alte Backsteinhaus (Linus eller tegelhusets hemlighet)
- 1980: Marilyn Monroe – Eine wahre Geschichte (Marilyn: The Untold Story)
- 1981: Die Hand (The Hand)
- 1982: Creepshow
- 1983: Dies rigorose Leben
- 1984: Die Lüge – Trauerflor für zwei Geliebte (Passions)
- 1984: Die zehnte Stufe (The tenth Level)
- 1984: Silent Madness
- 1985: Der Volltreffer (The Sure Thing)
- 1985: Going Undercover (Going Undercover – Yellow Pages)
- 1987: Frankensteins Tante (Frankensteinova teta, Fernsehserie, 7 Folgen)
- 1987: Die Geschichte der Ann Jillian (The Ann Jillian Story)
- 1987: Winternacht (Rachel River)
- 1989: Reise in ein besseres Leben (Misplaced)
- 1990: Der Exorzist III (The Exorcist III)
- 1990: Luba
- 1991: Zandalee – Das sechste Gebot (Zandalee)
- 1991: North of Pittsburgh
- 1994: Backstreet Justice – Knallhart und unbestechlich (Backstreet Justice)
- 1994: Stargate
Literatur
- Viveca Lindfors: Viveca … Viveka. An Actress … A Woman. Everest House Publishers, New York 1981.
- Frank Flechtmann (Aufsatz): Alpha Omega, S. A. E. M. und Heinrich Hansjakob, Post aus Haslach an Himmler und Kennedy; Der Regisseur Harry Hasso als Erfinder in Kriegs- und Friedenszeiten. in: Die Ortenau, Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Mittelbaden. 81. Jahresband, Offenburg 2001, S. 545–598, (erwähnt wird auch ihr Sohn Jan, geb. 1943).
Weblinks
- Viveca Lindfors bei IMDb
- Viveca Lindfors In: Virtual History (englisch)