Volharding 9900
Mehrzweckfrachtschiffstyp
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Volharding 9900 bezeichnet einen Mehrzweckfrachtschiffstyp der niederländischen Werft Bodewes Scheepswerf Volharding.
Virginiaborg | ||||||||||||
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Geschichte
Bau und Betrieb
Die Schiffe basieren auf dem Typ Volharding 8700, der von 1996 bis 2000 gebaut wurde. Bei identischen Abmessungen verfügen sie über eine etwas höhere Tragfähigkeit und sind etwas höher vermessen.
Die Schiffe wurden auf der niederländischen Werft Bodewes Scheepswerf Volharding in Foxhol gebaut. Der Rumpf wurde jeweils von der rumänischen Werft Daewoo-Mangalia Heavy Industries in Mangalia zugeliefert. Die Schiffe wurden zwischen 2001 und 2004 abgeliefert.
Vier Schiffe des Typs wurden für die niederländische Reederei Wagenborg Shipping in Delfzijl gebaut, eine weitere Einheit für die ebenfalls in Delfzijl ansässige Reederei Pot Scheepvaart.[1] Das Schiff wird ebenfalls von Wagenborg betrieben. Die Schiffe bilden bei Wagenborg die V-XL-Klasse.[2] Ein Schiff des Typs wurde für die Reederei Frank Dahl in Cuxhaven gebaut.
Zwischenfälle
Das zuletzt gebaute Schiff, das als Vermontborg für Wagenborg bestimmt war, riss sich Anfang Januar 2003 auf der Überführungsfahrt von Rumänien in die Niederlande vom Schlepper los und strandete bei Guernsey. Versuche, die Strandung zu verhindern, scheiterten.[3] Der Havarist wurde etwa zwei Wochen später geborgen und nach Harlingen gebracht, wo Reparaturarbeiten durchgeführt wurden und das Schiff fertiggestellt wurde. Das Schiff wurde von Wagenborg nicht mehr abgenommen und Ende 2003/Anfang 2004 an eine zur Intersee Schiffahrtsgesellschaft gehörende Reederei verkauft. Das von der Intersee Schiffahrtsgesellschaft betriebene Schiff wurde als Winona in Fahrt gesetzt.[4][5]
Am 6. September 2019 brach im Maschinenraum der Kelly ein Feuer aus. Das Schiff befand sich auf der Elbe auf einer Ballastreise von Rotterdam nach Kaliningrad. Das Feuer konnte mit Bordmitteln gelöscht werden. Durch das Feuer wurden zwei Besatzungsmitglieder schwer verletzt, ein drittes Besatzungsmitglied kam bei dem Unglück ums Leben.[6]
Die Fitburg wurde am 31. Dezember 2025 im Finnischen Meerbusen von finnischen Behörden aufgebracht und festgesetzt, nachdem es zu einem Ausfall eines Seekabels zwischen Finnland und Estland gekommen war. Das Schiff befand sich zum Zeitpunkt des Ausfalls des Kabels im fraglichen Seegebiet und hatte den Anker heruntergelassen, so dass der Verdacht bestand, dass es das Kabel beschädigt haben könnte.[7] Das Schiff wurde für die Ermittlungen nach Kantvik in Finnland gebracht.[8] Die Fitburg, die sich auf der Fahrt von St. Petersburg nach Haifa befand, beförderte Stahlprodukte, die unter EU-Sanktionen gegen Russland im Zusammenhang mit dem russischen Überfall auf die Ukraine fielen.[9] Diesbezüglich wurden keine Ermittlungen aufgenommen, da das Schiff die Ladung nicht in einen EU-Hafen bringen sollte.[10] Am 12. Januar 2026 konnte das Schiff seine Fahrt fortsetzen.[11]
Beschreibung
Die Schiffe werden von einem Dieselmotor angetrieben. Teilweise wurden Viertakt-Sechszylinder-Dieselmotoren des Typs Wärtsilä 6L38B mit 4200 kW Leistung und teilweise Viertakt-Achtzylinder-Dieselmotoren des Typs MaK 8M32C mit 3840 kW Leistung verbaut. Die Motoren wirken über ein Untersetzungsgetriebe auf einen Verstellpropeller. Die Schiffe sind mit einem mit 500 kW Leistung angetriebenen Bugstrahlruder ausgestattet. Für die Stromerzeugung stehen zwei von Dieselmotoren angetriebenen Generatoren zur Verfügung. Weiterhin wurde ein von einem Dieselmotor angetriebener Notgenerator verbaut.
Die Schiffe verfügen über zwei boxenförmige Laderäume ohne Unterstau. Laderaum 1 ist 39,96 m lang, Laderaum 2 ist 52,54 m lang. Die Laderäume sind 13,2 m breit und 10,84 m hoch. Laderaum 1 verjüngt sich im vorderen Bereich, Laderaum 2 verjüngt sich im hinteren Bereich. Die Kapazität der Laderäume beträgt 12.814 m³.[12] Laderaum 1 ist mit sechs, Laderaum 2 mit acht Stapellukendeckeln verschlossen. Die Lukendeckel können mithilfe eines Lukenwagens bewegt werden. In den Laderäumen kann ein Zwischendeck eingehängt werden. Die Zwischendeckspaneele können auch als Getreideschotten zur horizontalen Unterteilung der Laderäume genutzt werden, die in Laderaum 1 an drei Positionen und in Laderaum 2 an fünf Positionen errichtet werden können. Die Tankdecke kann mit 15 t/m², das Zwischendeck kann mit 3,5 t/m² und die Lukendeckel können mit 1,75 t/m² belastet werden. Die Schiffe sind mit einer gedeckten Back ausgestattet. Diese dient auch als Wellenbrecher zum Schutz vor überkommendem Wasser.
Die Schiffe sind für den Transport von Containern vorbereitet. Die Containerkapazität beträgt 500 TEU, von denen 264 TEU in den Räumen und 236 TEU an Deck geladen werden können.
Die Decksaufbauten befinden sich im hinteren Bereich der Schiffe. Die Schiffe wurden größtenteils mit offenen Nocken gebaut. Zwei Einheiten verfügen über ein geschlossenes Brückendeck. Hinter den Decksaufbauten befindet sich auf der Backbordseite ein Freifallrettungsboot.
Der Rumpf der Schiffe ist eisverstärkt (Eisklasse 1A).
Schiffe
| Volharding 9900 | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Bauname | Bau- nummer | IMO- Nummer | Auftraggeber | Kiellegung Ablieferung | Umbenennungen und Verbleib |
| Vancouverborg | 1029 / 501 | 9213741 | Wagenborg | 6. Juli 2001 | |
| Victoriaborg | 1030 / 502 | 9234276 | Wagenborg | 30. Juni 2000 10. Dezember 2001 | |
| Kwintebank | 1031 / 503 | 9234288 | Pot Scheepvaart | Juni 2000 9. August 2002 | |
| Finex | 1038 / 504 | 9250397 | Reederei Frank Dahl | November 2000 Februar 2002 | 2001: Volmeborg, 2006: Finex, 2014: Fitburg |
| Virginiaborg | 1032 / 505 | 9234290 | Wagenborg | 1. Oktober 2001 | |
| Vermontborg | 1042 / 515 | 9255622 | Wagenborg | Juni 2002 30. Januar 2004 | Rumpf 2002 fertiggestellt, auf der Überführungsfahrt havariert, von Wagenborg nicht abgenommen, 2004 an Intersee Schiffahrtsgesellschaft; 2004: Winona, 2014: Lucina, 2019: Kelly |
Weblinks
- Datenblatt V-XL-Klasse, Royal Wagenborg (PDF, 1,7 MB)
- Datenblatt Fitburg, Sarfo Shipping and Trading
