Volker Haucke

deutscher Biochemiker und Zellbiologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Volker Haucke (* 29. Juni 1968 in Bad Berleburg) ist ein deutscher Biochemiker und Zellbiologe. Er ist Direktor am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie Berlin (FMP) und Professor für Molekulare Pharmakologie am Institut für Pharmazie an der Freien Universität Berlin.

Volker Haucke (2025)

Leben und Wirken

Volker Haucke studierte von 1989 bis 1994 als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes Biochemie an der Freien Universität Berlin und am Biozentrum der Universität Basel. Im Jahr 1997 wurde er mit dem Prädikat Summa cum laude im Fach Biochemie von der Universität Basel (Biozentrum) für seine Arbeiten im Labor von Gottfried Schatz über die mitochondriale Proteinimportmaschinerie promoviert. Nach einem von der Human Frontier Science Programme Organization (HFSP) und der Europäischen Molekularbiologieorganisation (EMBO) geförderten Forschungsaufenthalt von 1997 bis 2000 an der Yale University School of Medicine als Postdoctoral Research Associate am Howard Hughes Medical Institute (HHMI) in der Gruppe von Pietro De Camilli leitete er ab 2000 eine eigenständige von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Arbeitsgruppe am Zentrum für Biochemie und Molekulare Zellbiologie der Universität Göttingen.[1]

2003 folgte er einem Ruf an die Freie Universität Berlin als Professor für Membranbiochemie. Seit 2007 ist er zudem Mitglied des Exzellenzclusters NeuroCure der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Haucke war Sprecher der Sonderforschungsbereiche (SFB) 449 (Struktur und Funktion membranständiger Rezeptoren, von 2008 bis 2010) und 958 (Einrüstung von Membranen) (2011–2012, seit 2012 Stellvertretender Sprecher). Seit 2012 ist Haucke Direktor am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin und Professor (W3-S) für Molekulare Pharmakologie an der Freien Universität Berlin. Er ist außerdem Fakultätsmitglied der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Am FMP leitet er die Sektion Molekulare Physiologie und Zellbiologie.[1]

Von 2008 bis 2016 war er gewähltes Mitglied des Fachkollegiums Biochemie der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie von 2007 bis 2012 Mitglied des Editorial Boards des Journal of Biological Chemistry. Er ist derzeit Mitglied der Editorial Boards von EMBO Reports, Cell Stress und Biology of the Cell sowie der Scientific Advisory Boards diverser nationaler und internationaler Forschungsinstitute. Seit 2014 ist Haucke gewähltes Mitglied der Europäischen Molekularbiologieorganisation (EMBO) und seit 2017 Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschhaften Leopoldina. Ebenfalls 2017 erhielt er den Avanti Award der American Society for Biochemistry and Molecular Biology (ASBMB) und eine Förderung im Reinhart-Koselleck-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 2020 wurde Volker Haucke mit dem Feldberg Prize ausgezeichnet. Zudem wurde ihm einer der ERC Advanced Grants des European Research Council (ERC) zuerkannt. 2025 wurde Haucke der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft verliehen, der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland.[2] Außerdem zeichnete ihn die Schering-Stiftung im selben Jahr mit dem Ernst Schering Preis aus. Zusätzlich erhielt er 2025 zum zweiten Mal die Förderung im Reinhart-Koselleck-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Volker Haucke ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

Forschungsschwerpunkte

Volker Haucke und seine Arbeitsgruppe erforschen die molekularen Mechanismen der Endo-[3][4] und Exozytose, die Aufnahme von Substanzen in und Ausschüttung aus Zellen über membranumhüllte Vesikel, insbesondere in Nervenzellen.[5][6] Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschung liegt in der Entschlüsselung der Mechanismen des intrazellulären Membranflusses und des Nährstoffsignalings im endosomalen und lysosomalen System und ihrer Kontrolle durch spezielle Membranlipide, sogenannten Phosphoinositiden sowie deren Rolle bei der Bildung, Aufrechterhaltung und Funktion des menschlichen Nervensystems. Das Labor nutzt eine Vielzahl von Technologien und Systemen, darunter Modelle auf Basis menschlicher Stammzellen, korrelative Superauflösungsmikroskopie und korrelative Licht- und Elektronenmikroskopie, kryogene Elektronenmikroskopie, Elektrophysiologie, Proteomik, Genom-Engineering sowie genetische Manipulationen auf organismischer Ebene in vivo. Das übergeordnete Ziel dieser Studien ist es, mechanistisch zu verstehen, wie metabolische Signalübertragung und das endolysosomale System zur Entwicklung und Aufrechterhaltung des Nervensystems beitragen und wie Funktionsstörungen zu neurologischen Erkrankungen führen können. Zu seinen wichtigsten Entdeckungen gehören die Identifizierung neuartiger Lipidumwandlungsmechanismen, die die Exo- und Endozytose, die zelluläre Signalübertragung, und den Metabolismus steuern[7][8][9][10][11], die Entwicklung selektiver Hemmstoffe für die endozytotische Aufnahme von Stoffen in Zellen[12], die Aufschlüsselung neuer Wege und Mechanismen der Rückgewinnung und Neubildung synaptischer Vesikel[13][14] und der neuronalen Autophagie[15] sowie die Identifizierung eines lysosombezogenen Vesikels, das durch ein charakteristisches seltenes Signallipid gekennzeichnet ist, als präsynaptische Vorläuferorganelle in Fliegen- und menschlichen Neuronen[16][17]. Seine Forschungen sind von hoher biomedizinischer Relevanz für das Verständnis und die Behandlung von erblichen Muskelstörungen, Krebs, und neurologischen (z. B. Schlaganfall, Epilepsie) und neurodegenerativen Erkrankungen (z. B. Morbus Alzheimer, Amyotrophe Lateralsklerose ALS).

Wissenschaftliche Mitgliedschaften

  • Mitglied TRR 186 Molecular Switches
  • Mitglied SFB 1315 Gedächtniskonsolidierung
  • Mitglied (Principal Investigator), Exzellenzcluster EXC 257 NeuroCure
  • Gründungssprecher und Mitglied, SFB 958 Scaffolding of Membranes
  • Mitglied, Helmholtz International Research School Molecular Neurobiology am Max-Delbrück-Center Berlin (MDC)
  • Mitglied, American Society for Cell Biology (ASCB), Rockville, USA
  • Mitglied, American Society for Biochemistry & Molecular Biology (ASBMB), Bethesda, USA
  • Mitglied, Society for Neuroscience (SFN), Washington D.C.
  • Mitglied, Federation of European Biochemical Societies (FEBS)
  • Mitglied, Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM), Frankfurt
  • Mitglied, Deutsche Gesellschaft für Zellbiologie (DGZ), Heidelberg

Auszeichnungen, Ehrungen und Preise

Video

Einzelnachweise

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