Volksweisheit
empirisch durch die jeweilige Bevölkerung gefundenes Wissen
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Als Volksweisheit oder Volkswissen wird tradiertes Allgemeinwissen verstanden, welches von der Bevölkerung eines bestimmten geografischen Raumes (etwa einer Region oder eines Landes) im Laufe von Generationen gemeinsam zusammengetragen wurde. Sie ist Allgemeingut, also ohne Erlaubnis für jeden nutzbar, und wird oft bevorzugt mündlich überliefert.
Formen der Überlieferung
Mögliche Überlieferungsformen umfassen:
- Grundregeln
- intuitive Verhaltensweisen
- Redewendungen oder Sprichwörter (in der Moderne natürlich auch schriftliche Aufzeichnungen)
- Namensgebungen
- ungeschriebene Gesetze.
Obwohl die Inhalte als solche teilweise den Weitergebenden nicht bewusst sind, werden sie trotzdem insbesondere durch Erziehung und Sprache weitergetragen.
Inhalte
Inhalte der Überlieferung sind vornehmlich praktische Bereiche des Lebens, darunter etwa:
- Gesundheit
- Landwirtschaft
- Sozialverhalten
- Erziehung
- Sprache (manche Redewendungen, in der Moderne unter Umständen auch schriftliche Aufzeichnungen).
Beispiele
Einige Beispiele für Volksweisheiten und Volkswissen sind offensichtlich, andere wiederum verdeutlichen, dass intuitives, Generationen altes Wissen bewusst oder unbewusst (s. o.) weitergetragen und angewandt wird. Sie sind nicht selten Anlass oder Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen und werden zum Teil kontrovers diskutiert:
- das Herz brechen beschreibt eine, oft fälschlich als Herzinfarkt interpretierte, plötzlich auftretende Schwäche des Herzmuskels nach Schock oder Schreckerlebnis. Es wird in der Medizin als Broken-Heart-Syndrom oder Stressmyokardie bezeichnet. Ursächlich hierfür ist eine starke Ausschüttung von Stresshormen ins Blut, wodurch diese offensichtlich auf den Herzmuskel einwirken.[1]
- Käse schließt den Magen beschreibt eine bloße Empfindung oder auch Erfahrung. Das Milchfett im Käse regt die Bildung des Hormons Gastrin an. Dadurch wird die Verdauung verzögert, die Nahrung bleibt länger im Magen, das Sättigungsgefühl hält länger an.[2]
- Lachen ist die beste Medizin oder Lachen ist gesund bedeutet, dass fröhliche Menschen weniger krank sind oder seltener krank werden als andere. Diese Erfahrung konnte statistisch untermauert werden.[3] Für therapeutische Zwecke könnte interessant sein, welche Reize Lachen auslösen können und warum ein Mensch auf bestimmte Reize nicht anspricht.
- Der Hinweis Buchen sollst Du suchen, Eichen sollst Du weichen galt Personen, welche sich bei Gewitter im Freien aufhalten. Demnach sollten sie ihren Schutzort eher unter einer Buche als unter einem anderen Baum suchen. Diese Aussage wurde wissenschaftlich untersucht und sowohl bestätigt[4] als auch dementiert.[5]
- den Blick spüren oder sinnverwandte Redewendungen implizieren, dass man Blicke ‚spüren‘ könne. Diese Volksweisheit wurde bereits 1898 von Edward Bradford Titchener wissenschaftlich bearbeitet und veröffentlicht und seither mehrfach statistisch signifikant bestätigt,[6][7] aber auch widerlegt.[8]
- links und rechts: In manchen Regionen wird Kindern beigebracht, bei der Arbeit mit Erdwerkzeugen mal die linke und mal die rechte Hand vorne am Stiel zu halten (vorzuarbeiten). Dadurch wird der Körper bei solchen Tätigkeiten nicht einseitig belastet und dadurch bedingte Beschwerden werden vermieden.
- Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) hat seinen Namen vom Beginn seiner Blütezeit, also Ende Juni (Johanni). Johanniskrautöl wird von alters her medizinisch verwendet.
- Nierenschützer sind beispielsweise in Motorradgeschäften zu erwerben. Sie dienen insbesondere dazu, ein Auskühlen dieser Körperregion während der Fahrt zu verhindern und damit lästigen Nierenentzündungen vorzubeugen.
- Auch Wetterregeln oder kleine Merksprüche gehören zur Volksweisheit und finden noch heute in der Landwirtschaft Beachtung. Beispiele: ‚Schafskälte‘ ist ein Hinweis auf eine häufige Kälteperiode nach dem Scheren der Schafe; „Setzt Du mich im April, komm ich, wann ich will – setzt Du mich im Mai, komme ich glei(ch)“ ist eine griffige Merkregel im Kartoffelanbau (in Bayern).