Vomper Loch

Tal in Österreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Vomper Loch, auch Vomperloch, ist ein 15 Kilometer langes Seitental des Inntals im österreichischen Bundesland Tirol. Es liegt im Karwendel zwischen der Gleirsch-Halltal-Kette und der Hinterautal-Vomper-Kette.

Blick von der Ganalm ins Vomper Loch, rechts die Huderbankspitze
Blick von der Ganalm durch das Vomper Loch in Richtung Inntal

Das Tal, in dem der Stierschlagwald liegt, wird vom Vomper Bach durchflossen, der beim 1912 m ü. A. hoch gelegenen Überschalljoch entspringt und bei der Ortschaft Vomperbach (564 m ü. A.) in den Inn mündet. Der Bach hat sich zum Teil schluchtartig in den Talgrund eingeschnitten und transportiert viel Schotter, der am Talausgang abgebaut wird. Das Tal wird von einigen häufiger bestiegenen Gipfeln umrahmt wie Hundskopf, Großer Bettelwurf, der mit einer 1200 Meter hohen Nordwand in das Vomper Loch abfällt, sowie Lamsenspitze und Hochnissl.

Touristische Nutzung

Das Tal ist wenig erschlossen und hat einen einsamen und rauen Charakter bewahrt. Straßen gibt es nur im vorderen Teil, wie etwa die bei Mountainbikern beliebte Forststraße vom Terfener Ortsteil Umlberg über die Ganalm (1190 m ü. A.) zur Walder Alm (1511 m ü. A.). Die Steige im Tal wie der Knappensteig zwischen der Walder Alm und dem Überschalljoch und der Weg durch das Zwerchloch zur Lamsenjochhütte werden relativ selten begangen.

Wirtschaftliche Nutzung

Digitales Höhenmodell des Tals.

Der Vomper Bach führt viel Schotter mit sich, deshalb befinden sich am Talausgang große Schotterabbaue. Von Seiten des Landes Tirol heißt es, dass der Schwemmkegelbereich des Vomper Bachs das vermutlich größte und hochwertigste Lockergesteinsvorkommen Tirols darstelle.[1]

Das Wasser des Vomper Bachs und der Bollenbachquelle wird von den Stadtwerken Schwaz in zwei Kraftwerken zur Stromerzeugung genutzt. Die Kraftwerke erbringen insgesamt etwa 9 MW Leistung.[2]

Da das Vomper Loch ein v-förmiges Tal mit sehr steilen und oft felsigen Flanken ist, bietet sich nur wenig Platz für Almwirtschaft. Auf der linken Talseite befindet sich die ehemalige Melansalm (1019 m ü. A.). Diese wird aber seit einigen Jahren nicht mehr als Alm, sondern nur mehr als Wildfütterung bewirtschaftet und ist durch eine Materialseilbahn mit der gegenüberliegenden Talseite verbunden. Das ehemalige Almgelände wächst zusehends zu. Auf der rechten Talseite liegt auf steilen Wiesenhängen die in den Sommermonaten bewirtschaftete Ganalm. Auf dem Rücken zwischen dem Vomper Loch und dem Inntal liegt die Walder Alm. Auch die forstwirtschaftlich nutzbaren Bereiche beschränken sich auf wenige Zonen im vorderen Talbereich.

Bergbau

Im Mittelalter hat es von 1276 bis 1490 im Vomper Loch in kleinerem Umfang Bergbau gegeben, worauf unter anderem heute noch Bezeichnungen wie Knappenweg, Knappenhüttl oder Knappenwald hinweisen. Im hinteren Talbereich wurde in der östlichen Verlängerung des Lafatscher Bergbaugebietes im Wettersteinkalk silberhaltiger Bleiglanz abgebaut, unter anderem im Gebiet der Brantlrinne auf der Südseite des Rosslochkamms.[3]

Deserteurslager im Zweiten Weltkrieg

Das Vomper Loch diente von April 1943 bis Mai 1945 als Zufluchtsort für Wehrmachtsdeserteure und Gegner des Nationalsozialismus. Es war das größte Deserteurslager in Tirol und umfasste bei Kriegsende etwa 17 Männer aus acht Inntaler Gemeinden (Terfens, Hall, Gnadenwald, Vomp, Volders, Innsbruck, Mieming und Thaur).[4]

Der 19-jährige Friedrich (Friedl) Steinlechner aus Gnadenwald war am 21. April 1943 der erste Deserteur, der im Vomper Loch Unterschlupf fand. Er war wenige Wochen nach seiner Einberufung in Schwaz geflohen. Bis Herbst 1944 blieb die Gruppe mit drei bis vier Personen klein. Erst in den letzten Kriegsmonaten wuchs das Lager deutlich an. Die Deserteure lebten in mehreren selbstgebauten Hütten an unzugänglichen Stellen der steil abfallenden Nordflanke. Das unbewohnte, schroffe und bewaldete Gebirgstal bot ideale Versteckmöglichkeiten. Die Männer waren mit Gewehren und Pistolen zur Selbstverteidigung ausgerüstet.

Die Gruppe setzte sich heterogen zusammen: Bauernsöhne, Soldaten mit jahrelangem Fronteinsatz und politisch Verfolgte. Zu letzteren gehörte der Tiroler KPÖ-Landesobmann Josef Ronczay, der wegen Verdachts auf Hochverrat und Wehrkraftzersetzung verhaftet worden war und am 10. April 1945 während eines Bombenangriffs aus der Wehrmachtshaftanstalt in Innsbruck fliehen konnte.

Ein organisiertes Netzwerk ermöglichte das Überleben der Gruppe. Die Versorgung mit Lebensmitteln übernahmen Familienangehörige und der Landwirt Konrad Platzer, späterer Leiter der Widerstandsbewegung von Gnadenwald.[5] Förster Max Erhart und Berufsjäger Martin Steinlechner von der Forstverwaltung Schwaz kontrollierten das Gebiet. Eine Schlüsselrolle spielte der Schwazer Kriminalpolizist Josef Heiss aus der Fahndungsgruppe der Innsbrucker Kriminalpolizei, der ab 1944 Deserteure und verfolgte Regimegegner ins Vomper Loch schleuste. Er sabotierte Ermittlungen, warnte mit Signalen vor Suchaktionen und versteckte Flüchtige zeitweise sogar in seiner Wohnung. Mehrere Helfer waren selbst NSDAP-Mitglieder und sabotierten die Suche ebenfalls.

Josef Heiss musste um den 20. April 1945 selbst untertauchen, nachdem die Gestapo die Widerstandszelle innerhalb der Innsbrucker Kriminalpolizei ausgehoben hatte. Die Gruppe hatte mit dem amerikanischen OSS-Agenten Fred Mayer kooperiert, um den Widerstand zu organisieren und die Befreiung durch die US-Truppen zu erleichtern. Nach dem Einmarsch der US-Truppen am 3. Mai 1945 löste sich die Gruppe auf. Trotz intensiver Fahndung waren die Deserteure über die ganze Zeit hinweg unentdeckt geblieben.[6]

Die Anerkennung als Widerstandskämpfer erfolgte erst spät. Behörden lehnten die Anrechnung der Fluchtzeit als Pensionsersatzzeiten ab, und heimkehrende Tiroler Kriegsgefangene betrachteten die Deserteure als Drückeberger und Verräter.[7] Erst die Rehabilitierungsgesetze von 2005 und 2009 beendeten die jahrzehntelange Abwertung von Wehrmachtsdeserteuren in Österreich.[4]

Literatur

  • Felix Mitterer: Vomperloch. Ein Deserteursstück, Haymon, Innsbruck 2018, ISBN 978-3-7099-7906-8.
  • Peter Pirker: „Ich verstehe nicht, warum ich Menschen erschiessen gehen soll...“. Die Deserteursgruppe im Vomperloch und die Zerstörung von Erinnerung, in: Thomas Geldmacher, Magnus Koch, Hannes Metzler, Peter Pirker, Lisa Rettl (Hrsg.): „Da machen wir nicht mehr mit...“. Österreichische Soldaten vor Gerichten der Wehrmacht, Wien 2010, ISBN 978-3-85476-341-3, S. 155–166.
  • Philipp Siebenrock: Die Vomperloch – Deserteure: Felix Mitterers Vomperloch zwischen Historizität und Literarizität als didaktischer Zugang im Fach Geschichte – Sozialkunde/Politische Bildung, Innsbruck 2020.[8]
Commons: Vomper Loch – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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