Vortexkeratopathie

Ablagerungen in den Augen From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Vortexkeratopathie (lat. Cornea verticillata, Cornea = ‚Hornhaut‘) bezeichnet man wirbelartige Ablagerungen im Hornhautepithel der Augen. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Nebenwirkung bestimmter Arzneistoffe.

Eine Vortexkeratopathie (Cornea verticillata) bei einem Morbus-Fabry-Patienten in der Betrachtung mit einer Spaltlampe.[1] Das beidseitig auftretende cremefarbene wirbelartige Muster beeinträchtigt nicht die Sehschärfe.[2]

Beschreibung

Die Cornea verticillata ist eine auf beiden Augen auftretende Hornhautdegeneration, die durch wirbelförmige Ablagerungen im Hornhautepithel gekennzeichnet ist.

Ätiologie

Die Ursache für eine Vortexkeratopathie ist in den meisten Fällen die dauerhafte Einnahme bestimmter Medikamente. So entwickeln 90 % der Patienten, die über mindestens sechs Monate das Antiarrhythmikum Amiodaron einnehmen, eine Cornea verticillata.[2][3] Die Sehschärfe wird dabei nur sehr selten beeinträchtigt. 1 bis 10 % der betroffenen Patienten nehmen einen leichten Blaustich beim Sehen wahr.

Der Arzneistoff Chloroquin, der zur Behandlung und Prophylaxe von Malaria verwendet wird, kann ebenfalls Vortexkeratopathien auslösen.[4][5] Auch der Tyrosinkinase-Inhibitor Vandetanib (ZD6474) kann offensichtlich zu einer Vortexkeratopathie führen.[6][7]

Neuerdings werden gehäuft Hornhautveränderungen im Sinne der Vortexkeratopathie bei Rho-Kinase-Hemmern bei der lokalen Glaukomtherapie beobachtet.[8]

Fast alle hemizygoten Patienten, die unter der Erbkrankheit Morbus Fabry leiden, weisen eine Vortexkeratopathie auf. Sie beeinträchtigt die Sehschärfe ebenfalls nicht, dient aber als wichtiges Symptom zur Diagnose der Erkrankung. Die Trübung wird durch Einlagerungen des Sphingolipids Globotriaosylceramid (Gb3) hervorgerufen.[9][10][11]

Diagnose

Eine Vortexkeratopathie lässt sich im Normalfall von einem Augenarzt an einer Spaltlampe durch die charakteristischen Wirbel zuverlässig diagnostizieren. Die Unterscheidung, ob die Vortexkeratopathie medikamentös oder durch Morbus Fabry induziert ist, kann mittels konfokaler Mikroskopie in vivo erfolgen.[12][13]

Therapie

Im Fall der medikamentös verursachten Vortexkeratopathie kann bei ausgeprägten Sehbehinderungen, beispielsweise bei optischen Neuropathien mit Gesichtsfeldausfällen, das verursachende Medikament abgesetzt werden. Im Fall von Amiodaron werten manche Kardiologen die Vortexkeratopathie als Hinweis auf eine gute Compliance.

Bei Morbus Fabry kann die Enzymersatztherapie die Gb3-Ablagerungen im Hornhautepithel reduzieren.

Literatur

  • M. Erdurmus, Y. Selcoki u. a.: Amiodarone-induced keratopathy: full-thickness corneal involvement. In: Eye & contact lens, Band 34, Nummer 2, März 2008, S. 131–132; doi:10.1097/ICL.0b013e31814934c0. PMID 18327053.
  • A. Dosso, E. Rungger-Brändle: In vivo confocal microscopy in hydroxychloroquine-induced keratopathy. In: Graefe’s archive for clinical and experimental ophthalmology, Februar 2007, Band 245, Nummer 2, S. 318–320;doi:10.1007/s00417-006-0365-8. PMID 16738856.
  • D. A. Hollander, A. J. Aldave: Drug-induced corneal complications. In: Current opinion in ophthalmology, Dezember 2004, Band 15, Nummer 6, S. 541–548; PMID 15523201 (Review).
  • M. Ciancaglini, P. Carpineto u. a.: In vivo confocal microscopy of patients with amiodarone-induced keratopathy. In: Cornea, Mai 2001, Band 20, Nummer 4, S. 368–373; PMID 11333323.
  • G. K. Shah, H. L. Cantrill, E. J. Holland: Vortex keratopathy associated with atovaquone. In: American journal of ophthalmology, November 1995, Band 120, Nummer 5, S. 669–671; PMID 7485371.
  • S. D. Jaanus: Ocular side effects of selected systemic drugs. In: Optometry clinics, 1992, Band 2, Nummer 4, S. 73–96; PMID 1363080. (Review).
  • F. Taylor: Drugs affecting the eye. In: Australian family physician, August 1985, Band 14, Nummer 8, S. 744–745; PMID 2864912.
  • L. J. Kaplan, W. E. Cappaert: Amiodarone-induced corneal deposits. In: Annals of ophthalmology, August 1984, Band 16, Nummer 8, S. 762–766; PMID 6497223.
  • D. J. D’Amico, K. R. Kenyon, J. N. Ruskin: Amiodarone keratopathy: drug-induced lipid storage disease. In: Archives of ophthalmology, Februar 1981, Band 99, Nummer 2, S. 257–261; PMID 6258544.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI