Wissenschaftspropädeutisches Seminar
Seminar an der gymnasialen Oberstufe in Bayern
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Das Wissenschaftspropädeutisches Seminar (W-Seminar) ist ein Seminar in der gymnasialen Oberstufe des neunjährigen Gymnasiums[1] sowie des Kollegs (= Gymnasien für den zweiten Bildungsweg mit Abschluss Abitur)[2] in Bayern und eine Weiterentwicklung des W-Seminars des bayerischen achtjährigen Gymnasiums.[3]
Das W-Seminar findet in der 12. und 13. Jahrgangsstufe statt, ist einem bestimmten Fachgebiet (z. B. Physik) zugeordnet und behandelt ein vorher festgelegtes Rahmenthema (z. B. die Physik des Fliegens). Es baut auf die Wissenschaftswoche mit Projekten in der Jahrgangsstufe 11 auf, in der die Schüler noch nicht auf ein Fach festlegt sind und führt über die Präsentation der Ergebnisse in 13/1 zu der Fähigkeit, wissenschaftlich zu denken und zu arbeiten, um so auf ein Studium an Universitäten oder Hochschulen oder eine Berufsausbildung vorzubereiten.[3]
Jeder Schüler muss innerhalb dieses Rahmenthemas eine individuelle und unverfälschte Anfertigung einer Seminararbeit (früher als Facharbeit bezeichnet) erstellen, deren Umfang 10 bis 15 Textseiten umfassen soll. Titelseiten, Inhaltsverzeichnisse, Bibliographie und etwaige Anhänge zählen nicht zu diesem Umfang.[3]
Nach Abgabe der Seminararbeit erfolgt eine Abschlusspräsentation mit anschließender Präsentation der Ergebnisse (mit Prüfungsgespräch) nach wissenschaftlichen Kriterien. Zweck der Präsentation ist die reflektierte Darstellung der wesentlichen Ergebnisse der Seminararbeit mit Einordnung in übergeordnete Zusammenhänge des Rahmenthemas.[3]
Die Schülerinnen und Schüler sollen im Rahmen des W-Seminars systematisches Recherchieren und wissenschaftliches Arbeiten erlernen. Sie sollen fachwissenschaftliche Methoden kennenlernen und üben, sich mit künstlicher Intelligenz (KI) und intelligenter Anwendung von KI auseinandersetzen, grundlegende Formatierungsregeln der Textverarbeitung und weitere formale Kriterien einer wissenschaftlichen Arbeit sowie gelungenes Präsentieren erlernen und verfestigen, was für ihren Erfolg nach dem Schulabschluss von Bedeutung ist.[4]
Besonderheiten bei der Wahl
Dabei gibt es bei der Wahl des W-Seminars durch die Schülerinnen und Schüler Besonderheiten zu beachten.[3]
- Moderne Fremdsprachen setzen die entsprechenden Kenntnisse der gewählten Sprache voraus, die vor Eintritt in die 12. Jahrgangsstufe (= Qualifikationsphase) durch die Teilnahme am Fremdsprachenunterricht oder – im Einzelfall – durch einen außerschulischen Nachweis bestätigt werden.
- Katholische oder evangelische Religion darf von den Schülerinnen und Schülern derselben Religionszugehörigkeit gewählt werden. Eine Öffnung für alle anderen Individuen mit konfessionellem Religionsunterricht ist möglich. Personen mit dem Fach Ethik müssen die entsprechenden Kenntnisse der Vorjahre zuerst in einer Feststellungsprüfung nachweisen.
- Ethik kann von Ethikschülerinnen und -schülern gewählt werden. Personen mit dem Fach Religionslehre müssen die entsprechenden Kenntnisse der Vorjahre zuerst in einer Feststellungsprüfung nachweisen.
- Informatik kann von Schülerinnen und Schüler des Naturwissenschaftlichen Gymnasiums gewählt werden. Personen anderer Ausbildungsrichtungen müssen die entsprechenden Kenntnisse der Vorjahre zuerst in einer Feststellungsprüfung nachweisen.
Bewertung des W-Seminars
In 12/1 und 12/2, nicht aber in 13/1, werden jeweils mindestens 2 kleine Leistungsnachweise gefordert. Die Lehrkräfte von W-Seminaren sollen sich abstimmen, um dem Gleichheitsgrundsatz für die Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden. Es können mündliche, schriftliche und praktische Leistungen bewertet werden, die auch zu Hause erstellt werden können, wenn es im Vorfeld so ausgemacht wurde.[5]
Die Seminararbeit und die Abschlusspräsentation werden von der verantwortlichen Lehrkraft im Verhältnis 3 : 1 bewertet, dann durch 2 dividiert und gerundet[6], so dass eine maximale Gesamtpunktzahl von bis zu 30 Punkten zuerkannt wird, was die doppelte Punktzahl von 15 erreichbaren Punkten pro Einzelfach in der Notenskala der bayerischen Oberstufe entspricht. Dies beeinflusst bei 900 möglichen Punkten Gesamtpunktzahl die Durchschnittsnote auf der Zehntelkommastelle (Ausnahme: 1,0 ab 823 Gesamtpunkten bleibt 1,0).[7]
Null Punkte in der Seminararbeit verhindern die Zulassung zum Abitur.[5]
Preise mit Beispielen für W-Seminarthemen
Jedes Schuljahr werden die besten Seminararbeiten nach Bewerbung durch Schülerinnen und Schüler verschiedener Fächer prämiert. Im Jahr 2025 vergab die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) 17 Preise an Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Themen wie zum Beispiel[8]:
- Biologie: Die stickstofffixierende Wurzelknöllchensymbiose zwischen Leguminosen und Rhizobien am Beispiel der Pisum sativum
- Chemie: Untersuchung zur Veränderung des Koffeingehaltes in Abhängigkeit des Röstprozesses. Vergleich zwischen den Kaffeebohnen Arabica und Robusta
- Geographie: Naturkatastrophe Mure – Erscheinungsformen von Muren und deren Auslösefaktoren in Zeiten des Klimawandels
- Informatik: Bau einer nachführbaren PV-Anlage unter Berücksichtigung eines ansprechenden Designs
- Mathematik: Erfolgsformeln des Fußballs – mit mathematischen Analysen Spielergebnisse vorhersehen
- Physik: Astronominnen früher und heute – Motivation, Charakterbild, Rollenverständnis und Herausforderungen am Beispiel Caroline Herschel und ausgewählten Lehrstuhlinhaberinnen an deutschen Universitäten
Siehe auch
Literatur
- Mark Hupfer at al. Projekt Zukunft. Einführung in das wissenschaftspropädeutische Arbeiten. C.C.Buchner Verlag: Bamberg 2026, ISBN 978-3-661-29050-8