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Walder Kotten

unter Denkmalschutz stehender ehemaliger Betriebs- From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Walder Kotten ist ein unter Denkmalschutz stehender ehemaliger Betriebs- und Fabrikgebäudekomplex aus dem 19. Jahrhundert an der Locher Straße 17 in Solingen. Er beherbergt unter anderem das Laurel & Hardy Museum.

Das Schieferhaus des Walder Kottens
Der Fabrikbau

Gebäude

Bei dem ursprünglichen Gebäude handelt es sich um eine mechanische Werkstatt und Fabrik in Solingen-Wald. Das gesamte Ensemble steht auf einem etwa 850 m² großen Grundstück und hat eine bebaute Fläche von etwa 350 m², wovon die ehemalige Fabrik mit Kontor etwa 240 m² Fläche beansprucht.[1]

Das Ensemble besteht aus folgenden Gebäudeteilen die im Laufe seiner Geschichte mehrfach angebaut wurden.[2]

  • ein verschiefertes Fachwerkhaus, in dem heute ein Kindergarten untergebracht ist
  • ein daran angebautes zweigeschossiges Gebäude, der ehemaligen Werkstatt
  • ein eingeschossiger Anbau, ehemaliges Kontor
  • ein angebautes Fabrikgebäude in Ziegelbauweise, welches als eigentlicher Walder Kotten bezeichnet wird

Geschichte

Eduard Vock erwarb 1873 das Fachwerkhaus und errichtete den Anbau als Betriebsstätte. Hier wurden zunächst Spiralbohrer hergestellt. 1885 wurde der Betrieb an den Sohn Carl Vock übergeben. Dieser erweiterte die Produktion um die Herstellung von Knöpfen und feinmechanischen Werkzeugen für Uhrmacher und errichtete 1890 das Fabrikgebäude und das Kontor. Carl Vock hatte mit seiner frühzeitig verstorbenen ersten Frau einen Sohn, Willibald und mit seiner zweiten Frau zwei weitere Kinder, Thea und Eugen. Nach dem Tod von Carl Vock führte Sohn Willibald den Betrieb von 1944 bis 1962 in den Gebäuden weiter. Thea und Eugen Vock wurden Ärzte, Thea führte ihre Praxis in dem Fachwerkhaus an der Locher Straße bis 1964.[2]

Die Firma Kücke & Co. aus Wuppertal[3] übernahm den Betrieb 1962. Die Produktion wurde auf Fernmeldetechnik umgestellt, Hauptabnehmer waren die Deutsche Bundespost und T & N. Die Produktion wurde 1994 eingestellt.[2]

In dem Fachwerkhaus eröffnete am 15. April 1991 die Elterninitiative Kunterbunt e.V. den Kindergarten Knusperhaus.[4]

Das Fabrikgebäude wurde am 16. Oktober 1984 in die Liste der Baudenkmäler in Solingen-Wald eingetragen. Unter der Nummer 87 ist es als Beispiel für Wohnen und Arbeiten im 19. Jahrhundert beschrieben.[2] Es wurde zwar das innere und äußere des Gebäudes unter Schutz gestellt, jedoch wurde versäumt das Inventar mit aufzunehmen. Ein großer Teil dieses Inventars ist daher verschrottet worden.[5]

Die Stadt Solingen erwarb die Immobilie und fasste 1988 den Beschluss, sie für die geplante Südumgehung Wald abzureißen. Wegen des massiven Widerstands der Bevölkerung, vor allem der Eltern der Kinder des Kindergartens, wurde dieses Vorhaben jedoch aufgegeben. Durch eine Umplanung der Südumgehung (heute Rembrandtstraße) konnte die Anlage erhalten werden, die restlichen Gebäude wurden zusammen mit dem Fabrikgebäude als Ensemble unter Denkmalschutz gestellt.[2]

Ende 1999 stellte sich die Frage, wie man den Walder Kotten erhalten und sinnvoll nutzen kann. Private Initiativen wie der Freundeskreis Walder Kotten arbeiteten dabei mit der Stadt Solingen zusammen. Ab September 2000 führte die Sport- und Kulturzentrum Ittertal gGmbH im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme mit fünf Teilnehmern im Auftrag des Freundeskreises ein einjähriges Sanierungsprojekt durch.[6][7] Die Bezirksvertretung Wald unterstützte die Arbeiten mit 3.000 DM für die Fenstersanierung.[8] Mieter des Kottens wurden der in der Lokalpolitik aktive Dr. Hans-Joachim Müller–Stöver[9] und Alida Immer, Trägerin des Ehrenrings der Stadt Solingen.[10][6] In dem renovierten Packraum sollte ein Walder Heimatmuseum entstehen.[2] 2001 wurde das LVR-Industriemuseum Solingen angefragt, um in einer Kooperation den Walder Kotten eine Nebenstelle des Industriemuseums werden zu lassen.[11]

Ende 2002 verstarb Alida Immer und Dr. Müller–Stöver rückte in den Stadtrat Solingen nach.[12] Anfang 2003 gelang es Dr. Müller–Stöver das Laurel & Hardy Museum in das Walder Kotten zu holen.[2] Das Ehepaar Günther zeigte seine Sammlung zum Komiker-Duo Stan Laurel und Oliver Hardy davor in privaten Räumen in der Bismarckstraße in Solingen-Mitte. Am 29. März 2003 wurde das Museum auf etwa 70 m² im Walder Kotten wieder eröffnet.[13][14]

Die Schützen- und Bürgergilde Wald mietete seit 2006 einen Teil des Ensembles und trieb mit Unterstützung örtlicher Handwerksbetriebe und der Stadt Solingen die Sanierung voran. 2010 kam es zum Konflikt zwischen dem Mieter und den Denkmalschützern über den Erhalt des alten, unregelmäßigen Holzboden mit seinen starken Gebrauchsspuren.[15] Im Sommer 2010 konnte eine Einigung erzielt werden, so dass ein neuer Ofen auf einer Betonplatte platziert werden sollte.[16] Für den Werkstattofen hatte die Bezirksvertretung Wald bereits im April 2010 einen Betrag von bis zu 1.000 Euro bewilligt.[17] Der Plan für den weiteren Umbau der 200 m² sah im Herbst 2010 vor, eine WC-Anlage im tiefer liegenden Nebenraum unterzubringen. Die noch vorhandenen alten Maschinen waren für Schauzwecke vorzubereiten. Zur Information über die Geschichte des Kottens war eine Vitrine vorgesehen.[18] Für eine neue Beleuchtung mit Lampen, die der Epoche des Gebäudes entsprechen, gab es eine 2.000 Euro Spende der Stadt-Sparkasse Solingen.[2]

Kurz vor Weihnachten 2013 sperrte die Stadt die vom Laurel & Hardy Museum und der Bürgergilde genutzten Gebäude, da bei einer Untersuchung mögliche Schäden an der Dachkonstruktion festgestellt wurden.[19] Nach einer ersten Begehung der Gebäude konnte das Laurel & Hardy Museum schon drei Wochen später wieder geöffnet werden.[20] Im September 2014 wurde das Gebäude wegen Einsturzgefahr gesperrt.[21] Im Juli 2015 fusionierten die Schützen- und Bürgergilde Wald 1861 und der Bürgerverein Wald zum Walder Bürgerverein 1861. Der Walder Bürgerverein nutzt das Gebäude seither für kulturelle Zwecke.[22]

Heutige Nutzung

  • In dem Fachwerkhaus ist seit 1991 der Kindergarten Knusperhaus untergebracht, dieser nutzt auch einen Teil der Außenanlagen.
  • In dem Fabrikgebäude ist seit 2003 unter anderem das Laurel & Hardy Museum untergebracht
  • In den Räumen, die der Walder Bürgerverein 1861 gemietet hat, finden Veranstaltungen des Vereins und andere kulturelle Events wie Lesungen, Ausstellungen und Konzerte statt.[22]

Von dem ursprünglichen Inventar der Fabrik sind noch eine Schmiede mit Esse und Amboss, Fräs-, Hobel- und Drehbänke, Niet- und Bohrmaschinen, ein Härteofen, Pressen, andere Werkzeugmaschinen und Kleinwerkzeuge vorhanden oder wurden nachgekauft. Diese könnten künftig in einem Walder Heimatmuseum ausgestellt werden.[22]

Commons: Walder Kotten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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