Walter Fried

deutsch-amerikanischer Jurist From Wikipedia, the free encyclopedia

Walter J. Fried (* 1904 in Lawrence bei New York City; † 2003 in Manhattan, New York City)[1] war während des Zweiten Weltkriegs ein USamerikanischer Offizier der United States Army.

In der Zeit von März bis November 1944 war er im Rang eines Captains Verbindungsoffizier der USArmee im englischen Bletchley Park (B.P.),[2] der zentralen militärische Dienststelle des Vereinigten Königreichs, die sich erfolgreich mit der Entzifferung des verschlüsselten deutschen Nachrichtenverkehrs befasste. Er schrieb eine Reihe von damals hochgeheimen Berichten, offiziell Liaison Officer Reports genannt, inoffiziell als die Fried Reports bezeichnet, die heute insbesondere für kryptologisch interessierte Historiker eine wertvolle Primärquelle darstellen.

Leben

Geboren auf Long Island, studierte er in Harvard und schloss das Studium dort im Jahr 1924 mit Auszeichnung ab (magna cum laude). Dem folgte im Jahr 1928 ein Abschluss in Rechtswissenschaften an der Columbia Law School. Ab 1929 arbeitete er als Rechtsanwalt in der Anwaltskanzlei seines Vaters.

Während des Zweiten Weltkriegs ging er nach Arlington Hall, dem amerikanischen Pendant von B.P. mit Sitz in Virginia. Er war mit William Friedman (1891–1969), dem Godfather der amerikanischen Kryptologie, nicht nur bekannt, sondern gut befreundet. Im März 1944 wurde ihm das Amt des Verbindungsoffiziers der USArmee in B.P. übertragen, genauer als Vertreter der Signal Security Agency (SSA) bei der dortigen Government Code & Cypher School (GCCS). Dies geschah in Nachfolge von Lieutenant John Norman Seaman (1914–2002), der von August 1943 bis März 1944 dort der Verbindungsoffizier gewesen war.[3] Der vorgesetzte Offizier in Arlington Hall war Lieutenant Colonel Telford Taylor, während Colonel Bicher die technische und administrative Aufsicht über die Arbeiten hatte.[4]

Während des Jahres 1944 verfasste Fried eine Vielzahl von qualitativ hochwertigen Berichten, die zumeist an Frank Rowlett (1908–1998) gerichtet waren. Außerdem erfolgte ein routinemäßiger Austausch von gebrochenen deutschen Schlüsseln und anderen Erkenntnissen per Seekabel zwischen B.P. und Arlington Hall.[5]

Im November 1944 wurde er nach Frankreich versetzt. Sein Nachfolger wurde Albert W. Small (1910–1966), der bis zum Kriegsende im Mai 1945 (VEDay) der Verbindungsoffizier war. Dieser traf bereits im Oktober 1944 ein, so dass beide eine kurze Zeit zusammen arbeiteten. Während seiner Zeit in Europa blieb er mit William Friedman in schriftlichem Austausch. Im Jahr 1946 schied er als Oberstleutnant (Lieutenant Colonel) aus dem Armeedienst aus und kehrte in seinen zivilen Beruf als Anwalt zurück. Im Jahr 1979, mit 75 Jahren, ging er in den Ruhestand. Walter J. Fried starb im Alter von 99 Jahren im Lenox Hill Hospital in Manhattan.

Fried-Reporte

Captain Walter J. Fried war ein produktiver Berichterstatter. Seine Fried reports genannten Berichte zeichnen sich durch Detailreichtum und Präzision aus. Zuweilen wurden sie auch als Fish reports bezeichnet,[6] obwohl sich die meisten davon mit anderen Themen als Fish befassten, was der alliierte Deckname für verschlüsselte Fernschreibverbindungen der deutschen Wehrmacht war. Behandelt wird die komplette Palette des verschlüsselten deutschen Nachrichtenverkehrs bis hin zu Spezialproblemen wie der EnigmaM4.

Insbesondere auch aus heutiger Sicht stellen diese für an der Kryptologiegeschichte interessierte Menschen einen wertvollen Schatz dar. Seine Berichte erlauben einen breit gefächerten, einzigartigen und authentischen Einblick in die damaligen Probleme, Überlegungen, Entdeckungen, kryptanalytische Methoden, Ergebnisse und Erfolge der Codebreaker von Bletchley Park.[7]

Sein erster Bericht, F1 (IL 3331/A) vom 11. März 1944 betrifft den niederländischen Einsatz der Hagelin-Maschine (Deckname: NEA). Zu diesem Zeitpunkt arbeitete er noch mit seinem Vorgänger John Seaman zusammen, um sich mit seinen neuen Aufgaben vertraut zu machen. Sein letzter Bericht, F123 (IR4070) stammt vom 29. November 1944 und behandelt diverse Themen. Er geht davon aus, dass dies sein letzter formeller Bericht sein wird, womit er recht behielt. Zwei nachfolgende „Fried-Berichte“, F114 vom 13. November und F115 vom 17. November 1944 wurden beide von Albert Small verfasst, während Fried bereits in Paris war.[8]

Schriften (Auswahl)

  • mit John S. Seaman und Albert W. Small: Liaison Officer Reports from GCCS to Commanding Officer, Arlington Hall Station.

Literatur

  • Louis Benson: A History of U.S. Communications Intelligence during World War II – Policy and Administration. In: National Security Agency (Hrsg.): United States Cryptologic History. Band IV, Nr. 8, 1997, S. 114 (englisch, govinfo.gov [PDF; 28,4 MB]).

Einzelnachweise

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