Walter Gröbli

Mathematiker, Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Walter Gröbli (* 23. September 1852 in Oberuzwil; † 26. Juni 1903 am Piz Blas) war ein Schweizer Mathematiker, der sich unter anderem mit Hydrodynamik befasste.

Walter Gröbli (ca. 1886)

Leben

Gröblis Vater Isaak Jacquard-Weber entwickelte eine eigene Webmaschine. Walter Gröbli besuchte die Schule in Oberuzwil, die Industrieschule in Töss und die Kantonsschule am Burggraben in St. Gallen. 1871 bis 1875 studierte er am Polytechnikum Zürich bei dem Physiker Heinrich Friedrich Weber und dem Mathematiker Hermann Amandus Schwarz. Weber bezeichnete ihn als den besten Studenten, den er je hatte, und weckte Gröblis Interesse für hydrodynamische Probleme.

1875 setzte Gröbli sein Studium in Berlin fort und löste ein von Gustav Robert Kirchhoff gestelltes Preisproblem über Wirbeltheorie. Ausser bei Kirchhoff hörte er bei Hermann von Helmholtz, Ernst Eduard Kummer und Karl Weierstraß. 1876 wurde er an der Universität Göttingen bei Schwarz promoviert (Spezielle Probleme über die Bewegung gradliniger, paralleler Wirbelfäden)[1], und 1877 habilitierte er sich in Zürich (Mathematik und mathematische Physik).

Er Assistenzprofessor am Polytechnikum und half während 13 Semestern als Assistent von Ferdinand Georg Frobenius.[2.1] Gröbli lehrte bis 1894 als Privatdozent vor allem Hydrodynamik am Polytechnikum. Ab 1893 war er hauptberuflich jedoch Professor für Mathematik am Gymnasium in Zürich, wo er seine Schüler als hervorragender Kopfrechner beeindruckte. Seine Forschungstätigkeit stellte er zugunsten der Lehrtätigkeit ein, und seine Dissertation blieb seine einzige Veröffentlichung auf seinem Fachgebiet. Sie behandelte in exakter Weise (einer Fragestellung von Helmholtz folgend) die Bewegung von drei Wirbeln, von vier Wirbeln mit einer Symmetrieachse und allgemein von 2-n-Wirbeln mit n Symmetrieachsen.[3]

1896 war er Mitglied des Organisationskomitees des ersten Internationalen Mathematikerkongresses, der 1897 in Zürich stattfand.

Gröbli war ein fleissiger Berggänger und Mitglied der Sektion Uto des Schweizer Alpen-Clubs. Zu seinen vielen Erstbegehungen gehört eine Besteigung des Ringelspitzes in Winter 1888/89.[4][5]

Gedenkstein für die Opfer des Lawinenunglücks am Piz Blas in Zürich bei der Rechtswissenschaftlichen Fakultät gegenüber der Alten Kantonsschule

Auf einer Schulreise 1903 im Bündner Oberland (von Sedrun auf den Piz Blas) wurde die von Gröbli geleitete Klasse nach Überschreitung des Pass Nalps von einer Lawine verschüttet. Gröbli und drei Schüler fanden den Tod, weitere wurden teilweise schwer verletzt.[2.2][6]

«[…] in Begleitung des Mathematikprofessors Dr. Gröbli, eines Mannes etwa in den Fünfziger Jahren, eines der bekanntesten und sorgfältigsten Hochgebirgstouristen, Mitglied des Alpenclubs und hervorragender Kenner unserer Alpenverhältnisse»

Neue Zürcher Zeitung (27. Juni 2903, Abendblatt, N° 176)

Im Mai 1904 wurde auf dem Friedhof Enzenbühl ein Gedenkstein gesetzt, der Gröbli und zwei der Opfern[Anmerkung 1] gedachte.[7] Der Gedenkstein steht heute bei der Rechtswissenschaftlichen Fakultät gegenüber der Alten Kantonsschule.

Anmerkung

  1. Der dritte Schüler, Richard Liebmann, war ein paar Tage später im Kantonsspital seinen Verletzungen erlegen (Neue Zürcher Zeitung, 30. Juni 1903, Morgenblatt Nr. 179). Er wurde auf dem jüdischen Friedhof Friesenberg beigesetzt, weshalb er nicht auf dem Gedenkstein im Friedhof Enzenbühl erwähnt worden ist. (Neue Zürcher Zeitung, 26. Juni 1928, Abendausgabe Nr. 1174, Digitalisat).

Einzelnachweise

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