Walter Leubuscher
österreichischer politischer Aktivist
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Walter Julius Leubuscher, auch Walter von Leubuscher[1] (* 9. Jänner 1909[Anm. 1] in Marburg an der Drau, Untersteiermark;[2] † 1947), war ein österreichischer politischer Aktivist. Er engagierte sich zunächst in der österreichischen Schutzstaffel (SS) um sich später publizistisch gegen diese zu stellen.
Leben und Tätigkeit
Leubuscher war in den 1920er Jahren ins österreichische Bundesheer eingetreten und hatte dort eine Pilotenausbildung absolviert.
Zum 9. Oktober 1930 trat Leubuscher der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 300.255).[3]
Unter anderem aufgrund seines Engagements in der NS-Bewegung wurde Leubuscher die von ihm angestrebte Übernahme in die Offizierslaufbahn im Bundesheer der österreichischen Republik verwehrt. Nach seinem bald darauf erfolgten Ausscheiden aus dem Heer begann Leubuscher sich in der österreichischen Sektion der SS zu organisieren: Im Frühjahr 1933 wurde er Oberscharführer im Stab der 11. Standarte in Wien. Er versuchte in dieser Stellung in der Folgezeit, zusammen mit dem Wiener SS-Führer Josef Fitzthum eine systematische Militärausbildung der SS zu organisieren. Er hatte indessen Probleme damit, die Exerzierreglements der kaiserlichen österreichischen Armee, die ihm beim Militär vermittelt worden waren, auf die Sturmabteilung (SA) und SS zu übertragen, die nicht einheitlich geregelt waren.[4]
Leubuscher wurde am 13. Juni 1933 im Zuge der Schließung des Braunen Hauses in Salzburg durch die Salzburger Polizei in diesem verhaftet. Anlass für seine Festnahme war, dass die Polizei, als sie ihn während der Besetzung des Hauses überprüfte, bei ihm drei Pistolen und 62 Stück Munition, einen Dolch und ein Stilettmesser fand.[5]
Im September 1933 stand Leubuscher zusammen mit Hans Muschik als Angeklagter vor dem Landesgericht für Strafsachen Wien I. Den beiden wurde zur Last gelegt, dass sie Max Grillmayr zur Flucht nach Deutschland verholfen zu haben. Grillmayr war aufgrund seiner maßgeblichen Beteiligung an der Planung und Organisation der Bombenanschläge, die die Wiener SS am 12. und 13. Juni 1933 auf das Café Produktenbörse, das Kaufhaus HAK und das Juweliergeschäft Futterweit (bei diesem Anschlag waren der Juwelier Norbert Futterweit und ein Passant getötet worden), verübt hatte, in der zweiten Jahreshälfte 1933 einer der meistgesuchten SS-Leute in Österreich. Leubuscher gestand schließlich, sich als Fluchthelfer betätigt zu haben und machte umfangreiche Geständnisse zu den von der SS in den vorangegangenen Monaten begangenen Terroranschlägen. Der vorsitzender Richter Powalatz verurteilte Leubuscher schließlich am 20. September 1933 zu fünf Monaten einfachen Kerker, während er Muschik aus Mangel an Beweisen freisprach.[6]
Nach seiner Freilassung Anfang 1934 ging Leubuscher nach Deutschland, wo er der fortan der Österreichischen Legion angehörte, die in Auffanglagern im Raum Dachau stationiert war.
Um 1935 distanzierte Leubuscher sich innerlich sehr stark vom nationalsozialistischen Gedankengut. Er kehrte daraufhin nach Österreich zurück.
1937 veröffentlichter Leubuscher das in Wien erschienene Buch Der große Irrtum. In diesem Werk, das aus der Perspektive des zur Besinnung gekommenen ehemaligen Fanatikers für eine Sache, die er nachträglich als falsch und verdorben erkannt hat, geschrieben ist, machte er seine Erlebnisse bei der SS und der Österreichischen Legion während der Jahre bis 1935 öffentlich. Er griff die NS-Bewegung als Ganzes und zumal die SS dabei scharf als in ihrer Ideologie, ihrer Zielsetzung und in den von ihnen erreichten Wirkungen überaus schädliche Kräfte an und warnte seine (größtenteils österreichischen) Leser, dass es für Österreich überaus fatal sein würde, wenn es sich dem Deutschen Reich angliedern oder sonst wie in den deutschen Machtbereich absorbiert werden würde, so lange wie die NS-Bewegung dort an der Macht sein würde. Der Historiker Hans Schafranek nimmt an, dass Leubuscher das Buch im Auftrag oder zumindest mit Billigung der österreichischen Behörden verfasste.[7]
Im Deutschen Reich wurde die Verbreitung von Leubuschers Buch durch Reichsführer SS Heinrich Himmler in seiner Eigenschaft als Chef der Polizei im Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern im Einvernehmen mit dem Propagandaministerium auf Grund von § 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat mit Wirkung zum 21. August 1937 verboten.[8]
Leubuschers Schicksal nach dem Anschluss Österreichs durch das Deutsche Reich liegt im Dunkeln. Sehr wahrscheinlich floh er aber ins Ausland. Die Überwachungsorgane des NS-Staates vermuteten, dass er sich nach Großbritannien abgesetzt hatte: Anfang 1940 wurde er in die damals im Reichssicherheitshauptamt in Berlin zusammengestellte Sonderfahndungsliste G.B. eingetragen, ein Verzeichnis von Personen, die im Falle einer erfolgreichen Invasion der britischen Inseln durch die deutsche Wehrmacht von den Invasionstruppen folgenden Sonderkommandos der SS mit besonderer Dringlichkeit aufgespürt und in Haft genommen werden sollten.
Am 13. August 1942 wurde Leubuschers Ausbürgerung aufgrund des Gesetzes über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit im Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staatsanzeiger verlautbart.[9]
Schriften
- Der große Irrtum. Ein Beitrag zur Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung in Österreich, Tilly-Verlag, Wien, 1937. Online (Frakturschrift)
Anmerkungen
- Laut den (nicht überprüften) Angaben in der Fahndungsliste der SS (Sonderfahndungsliste G.B., 1940, S. 119). In der Ausbürgerungsliste des Deutschen Reichs Nr. 275 vom 13. August 1942 wird Leubuschers Geburtsjahr dahingegen mit 1901 angegeben.