Walter Schelenz
deutscher Bildhauer (1903-1987)
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Walter Schelenz (* 21. Mai 1903 in Karlsruhe; † 5. September 1987 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Bildhauer.

Leben
Walter Schelenz wurde am 21. Mai 1903 in Karlsruhe geboren, wo er das Goethe-Gymnasium besuchte. Nach der Schulzeit absolvierte er eine Lehre als Dermoplastiker. 1922/23 begann er in der Landeskunstschule Karlsruhe das Studium der Bildhauerei bei Georg Schreyögg und studierte in der Zeichenklasse von Hermann Gehri. 1919 trat er aus der Kirche aus und wurde 1923 Mitglied der freireligiösen Jugend, sie sich gegen Nationalismus, Militarismus und kirchliche Dogmen wandte. Von 1923 bis 1927 setzte er sein Studium bei Karl Albiker an der Akademie der bildenden Künste Dresden fort, ab Herbst 1926 als Meisterschüler. Als freischaffender Bildhauer lebte Schelenz von 1927 bis 1945 in Berlin und Neubabelsberg. Sein Gartenatelier in Neubabelsberg wurde zu einem regelmäßigen Treffpunkt für aufstrebende junge Künstler wie Hermann Blumenthal, Werner Primm, Hermann Teuber und Werner Haftmann.
1933 wurde er Mitglied der Reichskulturkammer. Dem Nationalsozialismus begegnete er mit einer gewissen „intellektuellen und kulturellen Arroganz“. 1939 meldete er sich zur Ausbildung als technischer Zeichner bei der Luftwaffe. Mit Beginn des Russlandfeldzugs 1941 wurde er eingezogen und war von 1942 bis 1945 in Ostrow stationiert. Er kam jedoch nie an vorderster Front zum Einsatz, sondern nahm technische Aufgaben war, gab Schnitzkurze für Soldaten und porträtierte Offiziere.
Nach Kriegsende zog er zunächst in Menzenschwand, wo seine Familie bereits ab 1941 lebte. Am 14. Juli 1948 wurde er durch die zuständige Spruchkammer in die Gruppe der Nichtbetroffenen eingeordnet. Er lebte in Bonndorf, wo er die Kunsthandwerk-Schule gründete und anfangs leitete. 1954 wurde diese im Zuge der Zusammenlegung von Baden und Württemberg wieder aufgelöst. Von 1955 bis zu seinem Lebensende arbeitete er als freischaffender Bildhauer in Freiburg im Breisgau. Er starb dort am 5. September 1987.
Schelenz war mit ab 1933 mit der Tänzerin Charlotte Lange verheiratet und hatte mit ihr zwei Töchter und einen Sohn. Außerdem hatte er eine weitere Tochter aus einer anderen Beziehung. Seine Tochter Barbara heiratete den Architekten Herbert Dörr. Der Filmproduzent Sebastian Schelenz ist sein Enkel.
Ausstellungen
1929 trat Schelenz in der Modernen Galerie Wertheim in Berlin gemeinsam mit Alfred Kubin in einer Doppelausstellung in Erscheinung. Während der Zeit des Nationalsozialismus beteiligte er sich nie an staatlich gesteuerten Ausstellungen wie der Großen Deutschen Kunstausstellung, sondern zeigte einzelne Werke auf privaten Ausstellungen wie zum Beispiel auf Gruppenausstellungen des Deutschen Künstlerbundes.[1], Ab 1957 nahm er erneut regelmäßig an den DKB-Jahresausstellungen teil.[2] Als Mitglied der Neuen Gruppe stellte Schelenz auf der Großen Kunstausstellung im Münchener Haus der Kunst aus.[3]
Auszeichnungen
- 1959: Kunstpreis Oberrhein
- 1970: Reinhold-Schneider-Preis der Stadt Freiburg.
- 1973: Ehrengast In der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom
- 1977: Verleihung des Professorentitels (h. c.) durch den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg[4]
- 1986: Ehrenmitgliedschaft des Deutschen Künstlerbundes
Werk
Schelenz schuf vor allem baubezogene Groß- und Freiplastiken. Arbeiten von ihm gelangten zudem in Museen sowie in Privatbesitz im In- und Ausland.[5] „Das Frühwerk von Walter Schelenz war im Wesentlichen geprägt von Formproblemen und der Auseinandersetzung mit Raum“, so formulierte es Werner Haftmann in einem Grußwort anlässlich des 80. Geburtstages des Bildhauers. In den Jahren bis 1939 hielt er fest an der figürlichen Tradition, vergleichbar den Bildhauern Hermann Blumenthal, Ludwig Kasper und Gustav Seitz, die in Berlin zu seinem Freundeskreis gehörten.
Da Schelenz während der Zeit des Nationalsozialismus noch kein arrivierter Künstler mit regelmäßigem Einkommen war, beteiligte er sich in den Folgejahren mit Entwürfen an verschiedenen öffentlichen Wettbewerben um staatliche Aufträge. Ein wichtiger Bezugspunkt war für ihn zu dieser Zeit die Ateliergemeinschaft Klosterstraße. Einerseits bemühte er sich insbesondere mit privaten Porträtaufträgen um ein gesichertes Einkommen, andererseits nahm auch öffentliche Aufträge an, bei denen er den ideologisch begründeten realistisch-volkstümelnden Ausdruck des NS-Regimes adaptierte.
Im Jahre 1954 entstand der Fechter. Für Schelenz eine Zeit des Übergangs, des Entschlusses zurück zur freischaffenden Bildhauerei – auch eine Zeit des Sich-Frei-Schaffens. Der Fechter markiert den Abschluss seiner figürlichen Phase, steht aber gleichzeitig für wegweisende Neuorientierung. In seinem Volumen weitgehend reduziert, manifestiert sich in dieser Arbeit wieder eine lebhafte Beziehung von Form und Raum.
Ab 1957, nun in Freiburg lebend, gelangte Schelenz endgültig zur gegenstandslosen Gestaltung, für kurze Zeit streifte er das Informel, um dann Ende der sechziger Jahre langsam, fast unmerklich wieder naturbezogene, vegetative Formen in seine Arbeiten einzubeziehen, ohne jedoch die Ebene eines hohen Grades an gewonnener Abstraktion und das Formempfinden der vergangenen Jahre aufzugeben.
Großplastiken im öffentlichen Raum befinden sich von Walter Schelenz vorwiegend in Südwestdeutschland, insbesondere in Freiburg im Breisgau. 1988 schuf er den Blasiusbrunnen vor dem Dom St. Blasien.
In seinen späten Lebensjahren (ca. 1967–1987) hat er in der Kleinplastik mit seinen freien Arbeiten und deutlich poetischen Themen zu einem unverwechselbaren Personalstil gefunden. Arbeiten von Walter Schelenz befinden sich im Staatsbesitz des Landes Baden-Württemberg, im Museum für Neue Kunst Freiburg, in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und im Privatbesitz.
Kunst im öffentlichen Raum
- Großplastik Formentfaltung, 1957, Bronze, 240 × 310 × 200 cm, Freiburg, Mozartstraße
- Große Terrakotta-Gruppe, 1964/65, Terrakotta, 320 × 500 × 300 cm, Innenhof Landgericht Freiburg
- Mahnmal für die Opfer des Naziregimes, 1975, Bronze, 370 × 160 × 135 cm, Freiburg, Rotteckring
- Gestaute Welle, 1978, Tombak MS 85, 250 × 475 × 215 cm, Iffezheim, Staustufe
Freie Arbeiten
- Der Fechter, Gips (es existiert auch ein Bronzeguss), 1954
- Gruppe im Gegenwind, Bronze, 1981
- Tauchen wieder auf, Bronze, 1986
Literatur
- Schelenz, Walter. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 4: Q–U. E. A. Seemann, Leipzig 1958, S. 180 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
- Walter Schelenz. Ein Werkverzeichnis, Kunstverein Freiburg, Freiburg 1983.
- Sabine Fischer: Zwischen Tradition und Moderne: Der Bildhauer Walter Schelenz (1903-1987). Eine monographische Studie mit Werkkatalog. Scaneg, München 1991, ISBN 978-3-89235-041-5 (Verlagsanzeige).
- Michael Klant (Hrsg.): Skulptur in Freiburg, Band 1 Kunst des 20. Jahrhunderts im öffentlichen Raum. modo Verlag, Freiburg i. Breisgau 1998, ISBN 978-3-922675-76-1, S. 67–70.
- Walter Schelenz, Blick aus dem Fenster, Städtische Museen Freiburg, Museum für neue Kunst, modo Verlag, Freiburg i. Breisgau 2003 (Verlagsanzeige).
- Leonie Beiersdorf und Frank Engehausen: Forschungsprojekt: NS-Vergangenheit südwestdeutscher Landtagsabgeordneter nach 1945. Teilprojekt: NS-Bezüge der im Landtag von Baden-Württemberg ausgestellten Kunstwerke, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, S. 26–32 (online).