Walther Rehm

deutscher Literaturwissenschaftler From Wikipedia, the free encyclopedia

Walther Gustav Theodor Wilhelm Rehm (* 13. November 1901 in Erlangen; † 6. Dezember 1963 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Literaturwissenschaftler.

Leben und Familie

Deckblatt der Münchner Dissertation von 1923

Walther Rehm entstammt einer alten, mittelfränkischen Familie. Er wurde als drittes Kind des Professors für Staatsrechtslehre Hermann Rehm (1862–1917) und dessen Frau Lina, geb. Birkner (1874–1908), in Erlangen geboren.[1] Er verbrachte seine frühe Kindheit in Erlangen, ehe die Familie 1903 nach Straßburg im Elsass zog, wo Rehm einen Großteil seiner Schulzeit am Protestantinschen Gymnasium des Thomasstiftes verbrachte. Kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs zog die Familie nach München, wo Rehm 1919 am Maximiliansgymnasium sein Abitur ablegte. Danach studierte er Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Greifswald.

Im November 1923 wurde Rehm in München bei Hans Heinrich Borcherdt mit einer Arbeit über Das Werden des Renaissancebildes in der deutschen Dichtung vom Rationalismus bis zum Realismus promoviert. Anschließend arbeitete Rehm bei Franz Muncker in München an seiner Habilitationsschrift Der Todesgedanke in der deutschen Dichtung vom Mittelalter bis zur Romantik. Probevortrag und Kolloquium im Juni 1926 scheiterten; der für November 1926 veranschlagte Wiederholungstermin wurde wegen des Todes Munckers zurückgestellt und fand erst im Juli 1928 unter Befürwortung von Walther Brecht statt.

Seit 1929 war Rehm Privatdozent für Neuere Deutsche Literaturgeschichte in München. Nach einer Lehrstuhlvertretung erhielt er 1938 eine Ruf als ordentlicher Professor für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an die Universität Gießen. Von 1943 bis zu seinem Tode lehrte er an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Am 3. November 1940 hatte Rehm die Aufnahme in die NSDAP beantragt und wurde zum 1. Januar 1941 aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.397.583).[2] Er war auch Mitglied im NS-Lehrerbund und der NSV.

Er war seit 1926 mit Else Rehm, geb. von Eck, verheiratet, einer Tochter des Wiesbadener Justizrats Adolf von Eck (1860–1923) und dessen Frau Franziska Catharine (Fanny), geb. Scholz.[3] Sein Sohn war der Musikwissenschaftler Wolfgang Rehm.[1]

Werk

Zur Zeit des Nationalsozialismus vermochte sich Rehm in seinen wissenschaftlichen Arbeiten vom völkischen Zeitgeist zu lösen, indem er sich gezielt dem Unheroischen etwa in den Werken Dostojewskis, Kierkegaards und Jean Pauls zuwendete. Besonders einflussreich blieben seine Studien zum Nachleben der Antike (Griechentum und Goethezeit) sowie zum Totenkult bei Novalis, Hölderlin und Rilke (Orpheus. Die Dichter und die Toten). Schließlich war er auch historisch-kritischer Editor tätig. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Edition der Briefe von und an Johann Joachim Winckelmann.

Mitgliedschaft in Gesellschaften und Akademien

Ehrungen

  • 1960 Winckelmann-Plakette der Stadt Stendal

Schriften (Auswahl)

  • Das Werden des Renaissancebildes in der deutschen Dichtung vom Rationalismus bis zum Realismus. C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck, München 1924 (Zugl.: München, Univ., Diss., 1923).
  • Geschichte des deutschen Romans I. Vom Mittelalter bis zum Realismus. (Slg. Göschen Bd. 229) De Gruyter, Berlin/Leipzig 1927
  • Geschichte des deutschen Romans II. Vom Naturalismus bis zur Gegenwart. (Slg. Göschen Bd. 956) De Gruyter, Berlin/Leipzig 1927
  • Der Todesgedanke in der deutschen Dichtung vom Mittelalter bis zur Romantik. Niemeyer, Halle an der Saale 1928 (Zugl.: München, Univ., Habil.-Schr., 1928).
  • Der Renaissancekult um 1900 und seine Überwindung. (1929)[5]
  • Jacob Burckhardt. ( Biographie ) von Walter Rehm . Verlag Huber Frauenfeld u. Leipzig 1930
  • Der Untergang Roms im abendländischen Denken. (1930 / 2. Aufl. 1966)
  • Griechentum und Goethezeit. (1936 / 4. Aufl. 1969)
  • Europäische Romdichtung. (1939 / 2. Aufl. 1969)
  • Experimentum Medietatis. (1947) Neu herausgegeben in 2 Bänden unter den Titeln:
    • Jean Paul und Dostojewski. Zur dichterischen Gestaltung des Unglaubens. (Kleine Vandenhoeck-Reihe) Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen 1962
    • Gontscharow und Jacobsen oder Langeweile und Schwermut. (Kleine Vandenhoeck-Reihe) Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen 1963
  • Kierkegaard und der Verführer (1949)
  • Orpheus. Die Dichter und die Toten (1950)
  • Nachsommer. Zur Deutung von Stifters Dichtung. (1951)
  • Götterstille und Göttertrauer (1951). Aufsatzsammlung
  • Begegnungen und Probleme. (1957)
  • Späte Studien. (1964)
  • Der Dichter und die neue Einsamkeit. Aufsätze zur Literatur um 1900. (1969)

Literatur

Einzelnachweise

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