Waltillia
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Die Pflanzengattung Waltillia gehört zur Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Die nur zwei Arten kommen nur im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais vor.[1][2][3]
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Waltillia | ||||||||||||
| Leme, G.K.Br. & Barfuss |
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Waltillia-Arten sind immergrüne, ausdauernde, krautige Pflanzen.[2] Sie gedeihen meist terrestrisch oder auch lithophytisch.[2][3] Mit ihrem Blütenstand erreicht Waltillia itambana Wuchshöhen von bis zu 2,2 Metern[3] und Waltillia hatschbachii von 1 bis 1,7 Metern.[2] Die Exemplare brauchen viele Jahre bis zur Bildung ihres Blütenstandes.[2] Nach der Samenbildung stirbt das Exemplar ab, aber zuvor werden Tochterpflanzen (Kindel genannt) gebildet.[2]
Die aufrechten bis leicht gebogenen Laubblätter stehen nur bei Waltillia itambana dicht in Rosetten zusammen und überdecken sich, so dass sich zwischen ihnen sich etwas Wasser speichern kann,[3] aber bei Waltillia hatschbachii sind die 14 bis 20 Laubblätter spiralig in mehr oder weniger deutlichen Reihen angeordnet, in denen sich kein Wasser ansammelt.[2] Die mehr oder weniger ledrigen Laubblätter sind in Blattscheide und -spreite gegliedert. Die bis zu 5,5 Zentimeter breiten Blattscheiden sind auf beiden Seiten mit Saugschuppen bedeckt sowie bei Waltillia hatschbachii dreieckig und bei Waltillia itambana elliptisch.[2] Die einfachen, parallelnervigen, ganzrandigen, auf beiden Seiten grünen, bis zu 2,5 Zentimeter breiten Blattspreiten sind bei Waltillia hatschbachii fast linealisch[2] und bei Waltillia itambana lanzettlich.[3] Die Blattspreite besitzen Saugschuppen.[2][3]
Generative Merkmale
Die aufrechten, etwa 1 Zentimeter dicken Blütenstandsschäfte sind bei Waltillia itambana etwa 174[3] und bei Waltillia hatschbachii 75 bis 110[2] Zentimeter lang. Von den vielen Hochblättern des Blütenschafts sind die unteren laubblattähnlich.[2][3] Die mehr oder weniger aufrechten Blütenstände sind einfachen oder manchmal zusammengesetzt.[2][3] Die bei Waltillia hatschbachii sechs bis neun[2] und bei Waltillia itambana etwa 27[3] Blüten sind zweizeilig an der Blütenstandsachse angeordnet.[2][3]
Die zwittrigen Blüten sind dreizählig mit doppelter Blütenhülle. Die drei Kelchblätter sind frei.[2][3] Die dreien Kronblätter sind frei oder fast frei. An den Kronblättern sind keine Anhängsel vorhanden.[2][3] Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden. Die Staubblätter sind höchstens so lang wie die Kronblätter und können die Blütenkrone überragen.[2] Die gelblich-grünen Staubfäden sind untereinander frei[2][3] und nicht[2] oder nur sehr kurz mit den Kronblättern verwachsen.[3] Die dorsifixen Staubbeutel sind linealisch und an ihrer Basis zweilappig.[2][3] Die sulcaten Pollenkörner besitzen eine netzartige Exine.[2][3] Die drei Fruchtblätter sind zu einem 1/4 bis 1/3 unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Die beschwänzten Samenanlagen befinden sich in total oberständiger Plazentation.[2][3] Die Narbe besteht aus drei ausgebreiteten Narbenlappen, die gedreht und dicht papillös sind.[2][3]
Es werden septizide Kapselfrüchte gebildet.[2]
Systematik und Verbreitung
Botanische Geschichte
Am 21. Januar 1972 wurde das erste Exemplar in der Nähe von Gouveia im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais an einem felsigen Hang gefunden und durch Georg Hatschbach mit der Sammelnummer 29085 hinterlegt.[1] Die Erstbeschreibung der ersten Art erfolgte 1975 unter dem Namen Vriesea hatschbachii L.B.Sm. & R.W.Read durch Lyman Bradford Smith und Robert William Read in Phytologia, Volume 30, Issue 5, S. 292, Tafel 5.[1] 1995 erfolgte durch Elton J. C. Leme in Bromélia; revista da Sociedade Brasileira de Bromélias, Volume 2, Issue 3, S. 22–23 eine Neukombination dieser Art zu Alcantarea hatschbachii (L.B.Sm. & R.W.Read) Leme. Diese Art wurde also zuerst der Gattung Vriesea und dann der Gattung Alcantarea zugeordnet. Man hatte nur einen fragmentierten Herbarbeleg ohne Kron- und Staubblätter, denn es wurden keine weiteren Exemplare gefunden. Man vermutete, dass diese Art ausgestorben sei. Aber 2016 wurde sie am Typusstandort wiederentdeckt. Mit diesem neuen Beleg erkannte man, dass diese Art weder zur einen noch zur anderen Gattung gehört. Es wurde eine neue Gattung für diese Art aufgestellt. Die Gattung Waltillia war zuerst monotypisch. Aber 2021 wurde eine zweite Art erstbeschrieben. Diese zweite Art wurde am 12. Juni 2018 in Santo Antônio do Itambé im Parque Estadual Pico do Itambé in einer Höhenlage von 1588 Metern im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais gefunden.
Taxonomie
Die Gattung Waltillia wurde 2017 durch Elton J. C. Leme, Heidemarie Halbritter, Michael H. J. Barfuss: Waltillia, a new monotypic genus in Tillandsioideae (Bromeliaceae) arises from a rediscovered, allegedly extinct species from Brazil. In: Phytotaxa, Volume 299, Issue 1, 2017, S. 29 mit nur einer Art aufgestellt.[2] Die Typusart ist Vriesea hatschbachii L.B.Sm. & R.W.Read mit dem neuen Namen Waltillia hatschbachii (L.B.Sm. & R.W.Read) Leme, Barfuss & Halbritter.[2][4] Der Gattungsname Waltillia ehrt den österreichischen Botaniker Walter Till, der 2016 an der Revision der Unterfamilie Tillandsioideae beteiligt war.[5]
Äußere Systematik
Die Systematik der Unterfamilie Tillandsioideae ist wegen der Abgrenzungsproblematik der Gattungen und neuerer phylogenetischer Untersuchungen, nach denen die ursprüngliche Gattung Vriesea in drei Gattungen (Vriesea, Alcantarea und Werauhia) aufgeteilt wurde, steten Veränderungen unterworfen. Auf Grund molekulargenetischer Untersuchungen und Neubewertung der morphologischen Merkmale wurde die Tribus Vrieseeae W.Till & Barfuss 2016 in zwei Subtribus gegliedert.[2][1]
Die Gattung Waltillia Leme, Barfuss & Halbritter gehört seit 2016 zur Subtribus Vrieseinae W.Till & Barfuss der Tribus Vrieseeae W.Till & Barfuss in der Unterfamilie Tillandsioideae innerhalb der Familie der Bromeliaceae.[2][1]
Arten und ihre Verbreitung
Die Waltillia-Arten gedeihen nur im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.[3]
Die Gattung Waltillia enthält 2026 nur zwei Arten:[1]
- Waltillia hatschbachii (L.B.Sm. & R.W.Read) Leme, Barfuss & Halbritter (Syn.: Vriesea hatschbachii L.B.Sm. & R.W.Read, Alcantarea hatschbachii (L.B.Sm. & R.W.Read) Leme):[2] Sie gedeiht terrestrisch an Fließgewässern entlang enger Täler in Höhenlagen von 1180 bis 1250 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.[1]
- Waltillia itambana T.Machado & Versieux: Die Erstbeschreibung erfolgte 2021. Sie gedeiht terrestrisch in Höhenlagen von etwa 1590 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.[1] Sie wurde bisher nur im Pico do Itambé State Park auf dem Diamantina Plateau in der Espinhaço Bergkette gefunden.[3]