Waltraud Klasnic
österreichische Politikerin, Landeshauptfrau der Steiermark
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Waltraud Klasnic [] (* 27. Oktober 1945 in Graz, als Waltraud Tschiltsch, später adoptierte Mlinaritsch) ist eine ehemalige österreichische Politikerin (ÖVP). Sie war von 1996 bis 2005 Landeshauptmann[1][2] der Steiermark und damit die erste Frau in Österreich, die das Amt an der Spitze eines Bundeslandes bekleidete. Sie stand den Landesregierungen Klasnic I und Klasnic II vor.

Politische Laufbahn
Klasnic trat 1970 der Österreichischen Frauenbewegung, einer Teilorganisation der ÖVP, bei und engagierte sich hier sowie später auch im Wirtschaftsbund, ebenfalls einer ÖVP-Teilorganisation. Politisch wurde sie ab 1970 als Gemeinderätin in Weinitzen tätig. In Folge war sie von 1977 bis 1981 Mitglied des Bundesrats, wechselte dann in den steirischen Landtag und wurde 1983 3. Landtagspräsidentin. 1988 wurde sie Landesrätin für Wirtschaft, Tourismus und Verkehr in der Landesregierung Josef Krainer junior III und ab 1993 gleichzeitig 2. Landeshauptmannstellvertreterin in der Landesregierung Josef Krainer junior IV.[2] Von 1990 bis 1997 war sie Landesgruppenobfrau des Wirtschaftsbunds, von März 1996 bis März 2006 Landesparteiobfrau der Steirischen Volkspartei.
„Frau Landeshauptmann“

Da bei der Landtagswahl 1995 die ÖVP nur noch knapp den ersten Platz halten konnte, trat Josef Krainer junior zurück und schlug Landesrat Gerhard Hirschmann zum Nachfolger vor, dieser verzichtete aber zugunsten Klasnics. Diese wurde am 23. Jänner 1996 zur Landeshauptfrau der Steiermark gewählt und war damit die erste Landeschefin seit Bestehen der Republik Österreich. Anders als Gabi Burgstaller (SPÖ) in Salzburg, die acht Jahre nach Klasnics Amtsantritt die Bezeichnung „Landeshauptfrau“ wählte, legte Klasnic darauf Wert von den Behörden als „Landeshauptmann“ bezeichnet und mit „Frau Landeshauptmann“ angesprochen zu werden.[2] (Siehe hierzu: Bezeichnung weiblicher Landeshauptleute)
Klasnics Reaktion auf das Grubenunglück von Lassing 1998 und ihr Umgang mit Betroffenen fand ein breites positives Echo.[3] Es folgte die Gründung des Kriseninterventionsteams Land Steiermark sowie die Verankerung der psychosozialen Akutbetreuung im steirischen Katastrophenschutzgesetz.
Bei den Landtagswahlen 2000 legte die ÖVP um mehr als 11 Prozent zu, sie verpasste im Landtag um nur ein Mandat die absolute Mehrheit, die sie jedoch in der nach Proporz besetzten Landesregierung erhielt. In Klasnics Zeit als Landeshauptmann fiel der Aufbau des Autoclusters Steiermark, in dem rund um den Leitbetrieb Magna Steyr speziell kleine und mittlere Zulieferfirmen gefördert wurden. Ebenso förderte Klasnic die steirische Infrastruktur und setzte sich für den Semmering-Basistunnel und die Koralmbahn ein. Ein weiteres Anliegen war ihr die Einführung einer Babyklappe im LKH Graz.[2]
Nach einem Skandal beim Landesenergieversorger Energie Steiermark, dem Scheitern eines Motorsportprojektes am A1-Ring in Spielberg, nach dem Rechnungshofbericht zum Tierpark Herberstein August 2005 im Zuge der Causa Herberstein und nachdem ihr ehemaliger Parteikollege Hirschmann bei der folgenden Landtagswahl mit einer eigenen Liste antrat, geriet sie immer stärker unter Druck. Bei der Landtagswahl am 2. Oktober 2005 verlor die steirische Volkspartei über acht Prozent der Stimmen und die Mehrheit in der Landesregierung, worauf Klasnic noch am Abend des Wahltages ankündigte, der zukünftigen Landesregierung und auch dem Landtag nicht mehr anzugehören. In der Landesregierung folgte ihr Hermann Schützenhöfer als führender Vertreter der ÖVP nach, der stellvertretender Landeshauptmann wurde. Ihr Nachfolger als Landeshauptmann wurde am 25. Oktober 2005 Franz Voves (SPÖ).
Aktivitäten seit 2006
Seit ihrem Ausscheiden aus der Berufspolitik engagiert sich Klasnic ehrenamtlich unter anderem als Vorsitzende des Kuratoriums des Zukunftsfonds der Republik Österreich (2006 bis Jänner 2011) und als Präsidentin des Dachverbandes Hospiz Österreich von 2008 bis 2021, seither ist sie Ehrenpräsidentin. In den Jahren 2006 bis 2016 war sie Mitglied im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss. Sie war auch Beraterin für sozio-ökonomische Fragen im Magna-Konzern von Frank Stronach und gründete 2007 mit ihrem langjährigen Mitarbeiter Herwig Hösele eine Beratungsfirma.
Von März 2010 bis Ende 2025 war Klasnic Opferbeauftragte der österreichischen römisch-katholischen Kirche. In dieser Position leitete sie eine Kommission, die die Unabhängigkeit der Aufklärung von Missbrauchsfällen an Kindern durch Angehörige der römisch-katholischen Kirche in Österreich gewährleisten sollte. Vertreter der Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt[4] standen dieser Entscheidung skeptisch gegenüber und hinterfragten die Unabhängigkeit der angekündigten Stelle.[5][6]
Im Juni 2012 wurde Klasnic vom Senat der Montanuniversität Leoben zum Mitglied des Universitätsrats bestellt und war von 2013 bis 2023 dessen Vorsitzende. Seit 2014 ist sie Vorsitzende des Aufsichtsrates der Elisabethinen Graz GmbH. Im Jahr 2017 zog der Österreichische Skiverband (ÖSV) Klasnic als Opferschutzbeauftragte bei, nachdem die ehemalige Schifahrerin Nicola Werdenigg über mehrere sexuelle Übergriffe im Umfeld des ÖSV in den siebziger Jahren berichtet hatte.[7] Von 2021 bis 2023 leitete sie die ICC (Independent Childprotection Commission) im Auftrag von SOS-Kinderdorf Österreich. Von 2008 bis 2022 war sie Präsidentin von HOSPIZ ÖSTERREICH, dem Dachverband der österreichischen Palliativ- und Hospizeinrichtungen und folgte in dieser Funktion Sr. Hildegard Teuschl nach.
Privates
Auszeichnungen (Auszug)
- Großes Silbernes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich[9] (2001)
- Großkreuz des Päpstlichen Ritterordens des heiligen Gregors des Großen[10] (2002)
- Ehrensenator der Universität Graz (2003)
- Marietta und Friedrich Torberg-Medaille (2005)
- Ehrenbürger von Mariazell (2005)
- Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich[9] (2006)
- Grosskreuz des Fürstlich Liechtensteinischen Verdienstordens (2006)[11]
- Slowenischer Verdienstorden (2006)
- Großer Verdienstorden des Landes Südtirol (2013)
- Leopold-Kunschak-Preis (2013)[12]
- Ehrenbürgerin von Graz (2015)
- Ehrenring des Landes Steiermark (2020)[13]
- Großer Tiroler Adler-Orden (Beschluss 2019, Verleihung 2023)[14]
Literatur
- Hans Rauscher: Waltraud Klasnic. Eine Frau neuen Stils an der Spitze der Steiermark. Molden, Wien 2000, ISBN 3-85485-043-3.
- Herwig Hösele: Landesfürst & Landesmutter. Zwei Charaktere – ein Ziel. Styria-Verlag, Wien u. a. 2007, ISBN 978-3-222-13231-5.
- Herwig Hösele: Österreich-Steiermark-Waltraud Klasnic. Eine Erfolgsgeschichte von 1945 bis 2025 . Dreischritt-Verlag 2025. ISBN 978-3-200-10787-8
Weblinks
- Persönliche Website
- Waltraud Klasnic auf der Website des österreichischen Parlaments
- O-Töne von Waltraud Klasnic im Online-Archiv der Österreichischen Mediathek (Radiobeiträge)