Waltraut Bleiber

deutsche Mittelalterhistorikerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Waltraut Bleiber (* 21. Mai 1926 in Nehesdorf/Niederlausitz als Waltraut Petrick) ist eine deutsche Mittelalterhistorikerin.[1] Sie lehrte an der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitete vor allem zur Geschichte des frühen Mittelalters, des Frankenreiches und der Merowingerzeit.[1][2]

Leben

Waltraut Bleiber arbeitete nach der Volksschule von 1940 bis 1941 zunächst in der Landwirtschaft und absolvierte von 1941 bis 1944 eine Lehre als Buchhalterin.[1] Nach 1945 besuchte sie zwei Jahre lang die Arbeiter-und-Bauern-Fakultät Berlin und legte dort die Reifeprüfung ab.[1] Von 1950 bis 1954 studierte sie Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin.[1] Im Juli 1962 wurde sie an der Humboldt-Universität mit der Arbeit Untersuchungen zur Lage kirchlichen Grundbesitzes in Ostfranken, Westfranken und Lothringen vom Abschluß des Vertrages von Verdun bis zum Anfang des 11. Jahrhunderts promoviert; Gutachter waren Frithjof Sielaff und Eckhard Müller-Mertens.[1] Seit Februar 1972 war sie Hochschuldozentin für Allgemeine Geschichte des Mittelalters an der Humboldt-Universität.[1] Im November 1976 folgte die Promotion B mit der Arbeit Naturalwirtschaft und Ware-Geld-Beziehungen zwischen Somme und Loire während des 7. Jahrhunderts; Gutachter waren Eckhard Müller-Mertens, Bernhard Töpfer und Johannes Schneider.[1] Die Studie erschien 1981 im Akademie-Verlag in der Reihe Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte.[3] 1986 wurde Bleiber pensioniert.[1] Sie wurde vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR als „Gesellschaftlicher Mitarbeiter Sicherheit“ geführt.[1]

Wirken

Bleibers wissenschaftliches Profil lag in der Allgemeinen Geschichte des frühen Mittelalters, wobei eine Untersuchung zur Berliner Mediävistik der DDR sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Qualifikationen für die allgemeine Geschichte der frühen Feudalepoche aufführt.[2] Sie beschäftigte sich vorrangig mit der Geschichte des Frankenreiches, insbesondere der Merowinger, was für Historiker in der DDR ein eher ungewöhnliches Betätigungsfeld war.[4] Ihre Forschung befasste sich mit Grundherrschaft, Marktbeziehungen und Geldwirtschaft im fränkischen und merowingischen Raums.[3][5] Für ihren Aufsatz Grundherrschaft und Markt zwischen Loire und Rhein während des 9. Jahrhunderts. Untersuchungen zu ihrem wechselseitigen Verhältnis wurde sie mit dem René-Kuczynski-Preis 1982 ausgezeichnet.[6] Zu ihren bedeutendsten Veröffentlichungen gehört die Überblicksdarstellung Das Frankenreich der Merowinger, die 1988 in Berlin im Deutschen Verlag der Wissenschaften und in einer westlichen Ausgabe bei Böhlau erschien.[1][7] Das Buch wurde in internationalen mediävistischen Fachzeitschriften besprochen, unter anderem in der American Historical Review und in Francia.[7][8] Nach der deutschen Vereinigung ist als spätere Veröffentlichung ihr Beitrag Ekkehard I., Markgraf von Meißen (985–1002) in dem Band Deutsche Fürsten des Mittelalters belegt.[9]

Schriften

  • mit Bernhard Töpfer: Lehrbrief zum Studium der Geschichte des Mittelalters bis 1500, Humboldt-Universität, Berlin 1958/59 (mehrfache Auflagen, auch von der Pädagogischen Hochschule Potsdam).
  • Naturalwirtschaft und Ware-Geld-Beziehungen zwischen Somme und Loire während des 7. Jahrhunderts, Akademie, Berlin 1981 (= Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte. Band 27).
  • Das Frankenreich der Merowinger. DVW, Berlin 1988, ISBN 3-326-00329-3 (auch als westdeutsche Lizenzausgabe bei Böhlau).

Literatur

  • Bleiber, Waltraut. In: Collegium Politicum an der Universität Hamburg. Arbeitsgruppe Historiographie (Hrsg.): Geschichtswissenschaftler in Mitteldeutschland. Ferd. Dümmerls Verlag, Bonn, Hannover, Hamburg, München 1965, S. 17.
  • Lothar Mertens: Lexikon der DDR-Historiker. Biographien und Bibliographien zu den Geschichtswissenschaftlern aus der Deutschen Demokratischen Republik. Saur, München 2006, ISBN 3-598-11673-X, S. 142.

Belege

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