Wappenbuch von den Ersten

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Das Wappenbuch von den Ersten (Originalschreibweise: Wapenbouch van den Erssten), irrtümlicherweise auch als Codex Seffken bekannt, ist eine der bedeutendsten heraldischen Handschriften.[1] Sie stammt vom Ende des 14. Jahrhunderts und war zum Zeitpunkt des Jahres 1895 nach der Züricher Wappenrolle das zweitälteste aller bekannten heraldischen Manuskripte.[2]

Beschreibung

Das Wappenbuch ist in Hochfolio gebunden, die meisten Blätter beidseitig bedruckt mit jeweils sechs Wappenabbildungen. Im Originalband waren zahlreiche Wappen nicht ausgeführt, einigen hingegen fehlt die Bezeichnung. Seyler vervollständigte diese Lücken der Bezeichnungen, sofern er sie mit Sicherheit schließen konnte. Er erhoffte sich mögliche Ergänzungshinweise von der Leserschaft.[3]

Suche des originalen Exemplars

Graf Stillfried Alcantara schrieb im Jahr 1871 im seinerzeit Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit genannten Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums, dass er vor seiner geplanten Wiederherausgabe des Grünenberg’schen Codex das Wappenbuch von den Ersten wiederfinden wolle. Es sei ihm 16 Jahre zuvor (demnach im Jahr 1855) von einem Antiquar zum Kauf angeboten worden, aber dann vor ihm von einem ihm nicht bekannten und später auch nicht ausfindig zu machenden Käufer erworben worden. Bei der schließlichen Herausgabe des Grünenberg’schen Codex wiederholte er seinen Aufruf ohne Erfolg.[1]

Er hatte das Werk teilweise kopiert und eine kopierte Seite in der Suchanfrage beigefügt.[1]

Erwerb des originalen Exemplars

Im November 1891 hatte Seyler das Werk zu seiner Überraschung „von einem bekannten süddeutschen Antiquar“ zur Ansicht erhalten. Er verglich es mit der 20 Jahre zuvor gestellten Anfrage des Grafen Stillfried Alcantara und stellte insbesondere anhand der beigegebenen Kopie eine genaue Übereinstimmung fest.[1]

Kurze Zeit später legte Seyler das Werk in der Vorstandssitzung im Verein Herold vor und beantragte, dieses für die Vereinsbibliothek zu erwerben. In der kommenden Plenarversammlung wurde Seylers Antrag angenommen und die Herausgabe des Werks beschlossen.[1]

Buchtitel

Graf Stillfried Alcantara nannte das Buch anlässlich des von ihm so gelesenen Titels an der Seitendrucktafel: Dit ist dat Wappenbouch von den Sefken wobei er die Buchstabenfolge Erssten als Seffken fehlinterpretierte.[1]

Demgegenüber ist aber zu erwähnen, dass Gustav Adelbert Seyler in der Neuerausgabe in einer Fußnote anmerkte, dass „im Texte [...] dagegen thatsächlich ‚Sefken‘“ steht.[1]

Im Jahr 1892 schrieb Carl Teske an Seyler bezüglich der vermeintlichen Lesung des Titels als Seffken, dass er das ‚S‘ klar als ein ‚E‘ und die zwei ‚f‘ eindeutig als ‚ss‘ erkennen könne. Bei dem Buchstaben ‚k‘ vermutete er, dass „im Zuge des t [...] der Kiel nachgegeben zu haben“ scheint. Auch der Bibliothekar Antonius van der Linde laß nach anfänglichen Zweifeln bezüglich des Doppel-‚s‘ eindeutig ‚Erssten‘ bzw. ‚Ersten‘. Der Inhalt des Buches, der aus den ersten, vordersten Geschlechtern bestehen sollte, bestätige diese Leseart.[4]

Gutachten und Titelzusätze

Neben dem Werk selbst erwarb der Verein Herold zwei in den Jahren 1857 und 1859 in Gravenhage angefertigte Gutachten über das Werk. Demnach schloss Seyler, dass der dem Grafen Stillfried Alcantara unbekannte Käufer ein Niederländer gewesen zu sein scheint und wahrscheinlich aufgrund der Sprachbarriere die Suchanfrage des Grafen Stillfried Alcantara erfolglos geblieben war.[4]

Das Gutachten vom 10. Januar 1857 wurde mit J. Adz. unterzeichnet. Es sagt aus, dass die drei am Wappenbuch gefundenen Wasserzeichen (P, Lilie und Ochsenkopf) nur innerhalb der Jahre 1380 und 1399 nachgewiesen sind, wonach auch diese in jenem Zeitraum angefertigt worden sein müssten.[5]

Das Gutachten vom 16. Januar 1859 wurde dagegen mit Cll unterzeichnet. Die Schrift erkannte der Bibliothekar Van der Linde eindeutig als die Handschrift von M. F. A. G. Campbell, im Jahr 1859 2. Bibliothekar der königlichen Bibliothek in Den Haag. Campbell erkannte, dass das Wappen van Hornes auf Tafel 27 als das des Bischofs von Lüttich abgebildet ist. Arnold van Hornes war Fürstbischof in der Zeit von 1379 bis 1389, wonach das Wappenbuch innerhalb dieser Zeit erstellt worden sein müsse.[5]

An der Seitendrucktafel des originalen Exemplars ist unter anderem der Name des vermeintlich früheren Besitzers Arnold van Hoorn („Arnoldus Horneus“) mit der Jahreszahl 1379 zu lesen,[1] was aber angesichts der abweichenden Schriftart erst später im Zusammenhang mit einer missverstanden Formulierung auf dem Titelblatt ergänzt wurde.[4]

Unter dem Titel befinden sich zwei später ergänzte Zusätze zweier weiterer Handschriften früherer Eigentümer. Sie sollten offenbar durch die Hervorhebung zeitlich eingrenzbarer Wappen auf den Entstehungszeitpunkt des Wappenbuchs um das Jahr 1380 hinweisen.[6]

„Arnoldus Horneus filius domini ab Horne fuit Episcopis Leodiensis. Anno christianorum M. CCC. L. XX.IX“

Erster Titelzusatz[6]

Philippius audax dux burgundie, filius Johannis regis franciae, Anno M. CCC. LXXX.
Ludovicus dictus bonus dux borboniae Anno M. CCC. LXXX
Robertus dominus d’Arckel Anno M. CCC. LXXX“

Zweiter Titelzusatz[6]

Ausgabe

  • Adolf Matthias Hildebrandt (Hrsg.): Wappenbuch von den Ersten, genannt „Codex Seffken.“ Urschrift aus dem Ende des 14. Jahrhunderts getreu nachgebildet. Mit einem Vorworte und Bemerkungen von Gustav A. Seyler, Berlin 1893. Auftragsweise verlegt von J. A. Stargardt. (Volltext)

Literatur

Einzelnachweise

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