Wartezeichen

Halt gebietendes Eisenbahnsignal für Rangierfahrten From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Wartezeichen ist in Deutschland ein Eisenbahnsignal aus der Gruppe der Signale für den Rangierdienst. Das ortsfeste Formsignal in Form eines „W“ gilt nur für Rangierfahrten und bedeutet „Auftrag des Wärters zur Rangierfahrt abwarten“.

Ra11a in Langeneichstädt (Sachsen-Anhalt)

Bezeichnung

Bei der Verwendung und Bezeichnung der Signale wird nach dem Einsatzort im Geltungsbereich der ehemaligen Deutschen Bundesbahn (DS301) und der ehemaligen Deutschen Reichsbahn (DV301) unterschieden. Das Signal Ra11 im Geltungsbereich der ehemaligen Deutschen Bundesbahn kann durch ein Lichtsignal Sh1 ergänzt sein; im Geltungsbereich der ehemaligen Deutschen Reichsbahn ist das Signal Ra11a stets mit dem Rangierfahrtsignal Ra12 kombiniert, das Signal Ra11b steht dagegen immer allein.

Innerhalb der Gruppe der Signale für den Rangierdienst (Ra) sind die Wartezeichen der Untergruppe der sonstigen Signale für den Rangierdienst zugeordnet. Bei der Deutschen Reichsbahn sowie auch nach Gründung der Deutschen Bahn AG in deren ehemaligem Geltungsbereich wurde es bis in die 2000er Jahre als Rangierhaltsignal mit der Bedeutung „Halt für Rangierabteilungen!“ als Gegenstück zum Rangierfahrtsignal Ra12 geführt.[1]

Bedeutung

Rangierfahrten haben vor dem Signal zu halten und dürfen erst nach Zustimmung des Weichenwärters weiterfahren. Dieser gibt seine Zustimmung im Bereich der ehemaligen Deutschen Bundesbahn durch das Signal Sh1 (Lichtsignal), mündlich oder durch Heben eines Armes oder einer weiß leuchtenden Handleuchte; im Bereich der ehemaligen Deutschen Reichsbahn durch Rangierfahrtsignal Ra12, im Störungsfall mündlich. Bei Signal Ra11b erfolgt die Zustimmung ebenfalls mündlich oder durch Heben eines Armes oder einer weiß leuchtenden Handleuchte.

Das heute aus zwei nach rechts steigenden und mittig an der unteren sowie an der rechten oberen Kante des gelben „W“ angebrachten weißen Lichtern bestehende Signal Sh1 bzw. Ra12 als Auftrag zur Weiterfahrt bestand in der Anfangszeit aus drei Lichtern in Form eines „V“, bei denen sich der dritte, weggefallene Lichtpunkt an der linken oberen Kante befand. Das Signal wurde als Vorrücksignal, Ve6, bezeichnet.

Aussehen

Die Signale Ra11 (DS301) und Ra11a (DV301) bestehen aus einem gelben „W“ mit schwarzem Rand, das Signal Ra11b (DV301) aus einem weißen „W“ mit schwarzem Rand.[2] Die Kontur des „W“ kann freistehend oder auf schwarzem Grund sein. Die Signale können bei Dunkelheit beleuchtet sein, in der Regel durch eine oberhalb angebrachte Anstrahlleuchte; bei der niedrigen Ausführung des Signales Ra11a vom Werk für Signal- und Sicherungstechnik Berlin ist das „W“ von innen beleuchtet.

Aufstellung

Wartezeichen werden an Nebengleisen, innerhalb von Bahnhöfen jedoch auch an Hauptgleisen aufgestellt. Im Geltungsbereich der ehemaligen Deutschen Reichsbahn bilden sie die Grundausstattung an Rangiersignalen, insbesondere in mit dem Hl-Signalsystem ausgestatteten Bahnhöfen, aber auch in Bahnhöfen mit mechanischen Stellwerken. Im Geltungsbereich der ehemaligen Deutschen Bundesbahn wurden oftmals stattdessen Lichtsperrsignale verwendet. Mit der Umstellung von Betriebsstellen auf das Ks-Signalsystem finden Wartezeichen kaum noch Anwendung und werden in der Regel gänzlich durch Lichtsperrsignale ersetzt. Lediglich das Signal Ra11b wird im Geltungsbereich der ehemaligen Deutschen Reichsbahn noch beispielsweise bei Neubauten von Abstellanlagen neu aufgestellt.

Die nicht stellbaren Signale Ra11b und Ra11 ohne Sh1 werden oft an Gleisen mit vereinfachten Verhältnissen oder wenigen Rangierbewegungen aufgestellt. Das Signal Ra11b wird auch an Drehscheiben und Schiebebühnen angewendet und zeigt die verriegelte Stellung an. Es ersetzt an diesen Stellen den vorher verwendeten Signalbegriff Sh1 bzw. Gsp1, der als Fahrauftrag missverstanden werden kann und zeigt, dass die Drehscheibe oder Schiebebühne nur mit Auftrag des zuständigen Wärters befahren werden darf. Die entriegelte Stellung wird in der Regel mit dem Formsperrsignal­begriff Sh0 (oder Gsp0, nach dem Signalbuch von 1935 Ve3) signalisiert.

Ausblick

Ein neues Signalbild für das Wartezeichen mit einem blauen Licht wird erwogen. Damit könnten auch viele an Blockkennzeichen notwendige Sperrsignale perspektivisch entfallen, da die bei der Verwendung von Lichtsperrsignalen drohende Signalverwechselung damit entfällt.[3][4]

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

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