Washington National Cathedral
Kathedrale in Washington , D.C.
From Wikipedia, the free encyclopedia
Die Cathedral Church of Saint Peter and Saint Paul in the City and Diocese of Washington, bekannt als Washington National Cathedral, ist eine episkopale Kathedrale in Washington, D.C., der Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Sie wird als Denkmal im National Register of Historic Places geführt und als das Nationale Haus des Gebets der USA bezeichnet.
| Washington National Cathedral | ||
|---|---|---|
| National Register of Historic Places | ||
Washington National Cathedral in der Abendsonne (August 2009) | ||
|
| ||
| Lage | Washington, D.C. | |
| Koordinaten | 38° 55′ 49,9″ N, 77° 4′ 16,4″ W | |
| Erbaut | 1907–1990 | |
| Architekt | Frederick Bodley | |
| NRHP-Nummer | 74002170 | |
| Ins NRHP aufgenommen | 3. Mai 1974 | |




Die Kathedrale ist der Amtssitz des Leitenden Bischofs (Presiding Bishop) der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten (zurzeit: Sean Rowe) und gleichzeitig des Bischofs der Episkopalen Diözese von Washington (zurzeit: Mariann Edgar Budde). Sie ist die Mutterkirche der Episkopalkirche für den Bezirk von Columbia und die Countys Charles, St. Mary’s, Prince George’s und Montgomery im Staate Maryland. Der juristische Träger der Washington National Cathedral und ihrer Einrichtungen, der National Cathedral School, St. Albans School, Beauvoir School, und Cathedral College ist eine Stiftung, die Protestant Episcopal Cathedral Foundation.
Die Kathedrale befindet sich an der Kreuzung von Massachusetts Avenue und der Wisconsin Avenue im nordwestlichen Quadranten von Washington. Sie ist die sechstgrößte Kathedrale der Welt und die zweitgrößte in den USA.
Die Washington National Cathedral wurde am 6. Januar 1893 durch eine Gründungsurkunde des US-Repräsentantenhauses an die Bundesregierung angegliedert, erhält aber keine bundesstaatlichen, staatlichen oder städtischen Gelder. Den größten Anteil an der Finanzierung der Kathedrale trägt die National Cathedral Association. Der Bau begann 1907 mit der Grundsteinlegung in Gegenwart des US-Präsidenten Theodore Roosevelt und dauerte 83 Jahre; die letzte Kreuzblume wurde 1990 in Gegenwart von George H. W. Bush eingefügt.
Am 26. August 2011 wurde der Kirchenbau bei einem Erdbeben der Magnitude 5,8[1] leicht beschädigt. Mehrere Abschlusssteine auf den Turmspitzen brachen ab oder gerieten aus ihren Verankerungen. Ein herabfallendes Bruchstück durchschlug das Metalldach. An den Apsiden bildeten sich vereinzelt Risse.[2]
Leitende Personen
Obwohl die Kathedrale Sitz zweier Bischöfe ist, unterliegt sie anglikanischem Kirchenrecht entsprechend der Jurisdiktion des Domkapitels, das durch einen Dompropst geleitet wird.
Der momentane Dompropst (Dean) der Washington National Cathedral ist The Very Revd. Randolph Marshall Hollerith, der sein Amt 2016 antrat.[3]
Die früheren Dompröpste waren:
- Alfred Harding (von 1909 bis 1916)
- George C. F. Bratenahl (von 1916 bis 1936)
- Noble C. Powell (von 1937 bis 1941)
- Zebarney T. Phillips (von 1941 bis 1942)
- John W. Suter (von 1944 bis 1950)
- Francis B. Sayre, Jr. (von 1951 bis 1978)
- John T. Walker (von 1978 bis 1989; gleichzeitig Bischof)
- Nathan D. Baxter (von 1992 bis 2003)
- Samuel T. Lloyd III. (von 2005 bis 2011)[4]
- Gary R. Hall (von 2012 bis 2015)[5]
Gottesdienste
Reguläre Gottesdienste
Im Domkapitel ist der Precentor, zurzeit die Kapitularin Revd. Carol L. Wade, für Gottesdienst und Kirchenmusik verantwortlich. Die Gottesdienste sind wie die Kathedrale selbst in der Lehre und der Praxis der Episkopalkirche verwurzelt und basieren auf der Tradition des Book of Common Prayer. Vier (im Sommer fünf) Gottesdienste werden jeden Werktag abgehalten, inklusive einer täglichen Messe. Von Sonntag bis Donnerstag singt einer der Chöre den Evensong, die anglikanische Form der Abendandacht. Der vierzig Minuten dauernde Gottesdienst wird von etwa 50 bis 75 Menschen besucht (an Sonntagen mehr). An Sonntagen werden fünf Eucharistiefeiern gefeiert, inklusive einer modernen Volksmesse, die in der Kapelle des St. Joseph of Arimathea stattfindet, und einer Eucharistie für Kranke am späten Nachmittag.
Die Kathedrale war außerdem die zeitweise Heimat verschiedener Gemeinden, inklusive einer jüdischen Synagogengemeinde und einer orthodoxen Gemeinde. Ebenso war sie der Ort mehrerer ökumenischer und religionsübergreifender Gottesdienste. Im Oktober 2005 wurde in der Kathedrale Reverend Nancy Wilson gesegnet und in das Amt des Moderators (Leiter der Glaubenslehre) der Metropolitan Community Church durch den vorhergehenden Moderator Troy Perry eingesetzt.
An jedem Weihnachtsfest bietet die Kathedrale besondere Gottesdienste an, die in die ganze Welt übertragen werden. Der Gottesdienst mit Bibellesungen und Weihnachtsliedern (Lessons and Carols) wird vom Public Radio International verbreitet und live gesendet. Christmas at Washington National Cathedral ist eine live übertragene Fernsehsendung der 9-Uhr-Messe am Weihnachtstag. Sie wird produziert von Albritton Communications und kann über bundesweit angeschlossene Fernsehsender in den meisten Städten der USA empfangen werden. Einige angeschlossene Fernsehsender senden den Gottesdienst mittags. Der Weihnachtsgottesdienst in der Kathedrale wird seit 1953 im Fernsehen übertragen.
Bedeutende Gottesdienste
In der Washington National Cathedral fanden viele große Gottesdienste statt, die der Bedeutung der Kathedrale als „nationale Gebetsstätte für alle Menschen“ entsprechen.[6] Zum Beispiel wurden während des Zweiten Weltkriegs monatlich Gottesdienste „im Namen eines vereinten Volks in einer Zeit der Not“ abgehalten. Die Kanzel in der Washington National Cathedral war die letzte, von der Martin Luther King vor seiner Ermordung im Jahr 1968 sprach.
Zu den bedeutenden Gottesdiensten zählen die Staatsbegräbnisse dreier US-Präsidenten: Dwight D. Eisenhower, der in der Kathedrale öffentlich aufgebahrt wurde (1969), Ronald Reagan (2004)[7] und Gerald Ford (2007).[8]
Gedenkgottesdienste fanden statt für die US-Präsidenten Warren G. Harding, William Howard Taft, Calvin Coolidge, Harry S. Truman (1973)[9] und Richard Nixon (1994).
Außerdem fanden Gebetsgottesdienste zur Amtseinführung von US-Präsidenten statt. Dies betraf die Präsidenten Franklin Delano Roosevelt (1937), Ronald Reagan (1985), George H. W. Bush (1989), George W. Bush (2001 und 2005), Barack Obama (2009 und 2013), Donald Trump (2017 und 2025), Joe Biden (2021).
Weitere bedeutende Gottesdienste (Auswahl):
- Begräbnisfeier für die ehemalige First Lady Edith Wilson (1961)
- Gedenkgottesdienst für die ehemalige First Lady Eleanor Roosevelt (1962)
- Gedenkgottesdienst für die Opfer des Vietnamkriegs am 14. November 1982
- Begräbnisfeier für Handelsminister Ron Brown (1996)
- Begräbnisfeier für Botschafterin Pamela Harriman (1997)
- Begräbnisfeier für die Zeitungsverlegerin Katharine Graham (2001)
- Gedenkgottesdienst für die Opfer der Terroranschläge am 11. September 2001, bei dem Präsident George W. Bush eine Ansprache hielt[10]
- Evensong für die Opfer des Amoklaufs an der Virginia Tech (2007)
- Begräbnisfeier für die Bürgerrechtlerin Dorothy Height (2010)
- Gedenkgottesdienst für den Astronauten Neil Armstrong (2012)
- Gedenkgottesdienst für Nelson Mandela (2014)
- Gedenkgottesdienst für Senator John McCain (2018), bei der Barack Obama eine Ansprache hielt.
- Begräbnisfeier für Präsident George H. W. Bush (2018)
- Begräbnisfeier für die ehemalige Außenministerin Madeleine Albright, in Anwesenheit des amtierenden Präsidenten Joe Biden und der ehem. Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton (2022)
- Begräbnisfeier für Präsident Jimmy Carter (2025)
Viele wichtige Gottesdienste waren religionsübergreifende Gottesdienste, zum Beispiel der Gedenkgottesdienst für die Opfer der Terroranschläge am 11. September 2001.
Mohammad Chātami, ehemaliger iranischer Staatspräsident, hielt am 7. September 2006 im Rahmen einer Konferenz mit dem Thema „Verständigung zwischen Zivilisationen und Kulturen“ eine Rede in der Kathedrale.
Baugeschichte
1792 sah Pierre L’Enfants „Plan für eine Bundesstadt“ Land für eine „große Kirche für nationale Zwecke“ vor. Auf diesem Platz befindet sich heute die National Portrait Gallery. 1891 wurde eine Versammlung abgehalten, um die Pläne für eine nationale Kathedrale zu erneuern. 1893 erlaubte das US-Repräsentantenhaus der Protestant Episcopal Cathedral Foundation des Bezirks von Columbia, eine Kathedrale zu errichten. Die beeindruckende Stelle am Mount Saint Alban wurde ausgewählt. Henry Yates Satterlee, erster Episkopal-Bischof der Diözese von Washington, ernannte Frederick Bodley, Englands führenden anglikanischen Kirchenarchitekten, zum obersten Architekten. Henry Vaughan wurde zum aufsichtsführenden Architekten ernannt.
Am 29. September 1907, am Michaelistag, begann der Bau mit einer feierlichen Rede des US-Präsidenten Theodore Roosevelt und der Grundsteinlegung. 1912 wurde die Bethlehem-Kapelle in der Krypta der unvollendeten Kathedrale für Gottesdienste geöffnet, die seitdem täglich stattfinden. Nachdem der Bau der Kathedrale nach einer kurzen Unterbrechung im Ersten Weltkrieg wieder aufgenommen wurde, starben Bodley und Vaughan. Nach dem Ersten Weltkrieg führte General John J. Pershing die Bemühungen an, Gelder für die Kirche zu beschaffen. Der amerikanische Architekt Philip Hubert Frohman übernahm die Planung der Kathedrale und wurde zum leitenden Architekten ernannt. Die finanziellen Mittel für die nationale Kathedrale kamen vollständig aus privaten Quellen. Instandhaltung und Pflege sind weiter vollständig auf private Unterstützung angewiesen. Seit dem 3. Mai 1974 wird die Washington National Cathedral als Denkmal im National Register of Historic Places geführt.[11]
Der Bauplan der Kathedrale wurde von George Bodley entworfen, einem hervorragenden britischen Neugotik-Architekten seiner Zeit, während Frederick Law Olmsted, Jr. ihn bis zum Abschluss umsetzte. Nachdem Bodley 1907 starb, überarbeitete sein Schüler Henry Vaughan den Originalentwurf, der das Stift als zu kraftlos ansah. Nach seinem Tod und der Einstellung der Arbeiten während des Ersten Weltkriegs stellte das Stift Philip Frohman mit Partnern ein, um das Gebäude vollenden zu lassen. Man verpflichtete Frohmann, eine vollendete Version des Bodley-Plans fertigzustellen: Darin waren die Ergänzung der Glockenspielsektion des Hauptturms, die Verbreiterung der Westfassade sowie viele kleinere Änderungen enthalten. Seit Frohmanns Tod im Jahre 1971 wurden keine größeren Änderungen vorgenommen. Ralph Adams Cram wurde wegen seiner Erfahrung mit der Cathedral of Saint John the Divine in New York City eingestellt, um Frohmann zu beaufsichtigen. Aber er bestand auf so vielen größeren Änderungen am Originalentwurf, dass Frohmann das Domstift davon überzeugte, ihn zu entlassen.
- Bau der Washington National Cathedral (1932)
Architektur


Die Washington National Cathedral wurde nach fast einem Jahrhundert der Planung und 83 Jahren Bauzeit am 29. September 1990 mit dem Sezten des Schlusssteins auf dem südlichen der beiden Westtürme fertiggestellt. Ihr endgültiges Design zeigt eine Mischung von Einflüssen verschiedener gotischer Architekturstile des Mittelalters, erkennbar durch Spitzbögen, Schwibbögen, Deckengewölbe, Glasmalerei, in Stein gehauene Verzierungen und durch drei ähnliche Türme; zwei an der Westfront und ein Vierungsturm. Die Westfassade erinnert an die Bristol Cathedral.
Die Washington National Cathedral besteht aus einem langen, schmalen rechteckigen Kirchenschiff, das aus einem achtjochigen Hauptschiff und breiten Seitenschiffen gebildet wird, sowie einem fünfjochigen Altarraum, der sich mit einem sechsjochigen Querschiff kreuzt. Über dieser Vierung erhebt sich mit einer Höhe von 91 m (301 ft) der Gloria in Excelsis Tower. Seine Spitze liegt 206 m (676 ft) über dem Meeresspiegel und ist der höchste Punkt im Bezirk von Columbia; die Pilgrim Observation Gallery an seiner Spitze ermöglicht einen weiten Blick über die Stadt. Insgesamt liegt die Kathedrale 115 m (375 ft) über dem Meeresspiegel. Einmalig ist, dass der Turm zwei komplette Glockensätze besitzt: Einen Satz für Glockenspiele, der aus 53 Glocken besteht, und einen Satz für Wechselläuten, der aus 10 Glocken besteht. Die Kathedrale befindet sich in einem 57 acre (230,000 m²) großen, gärtnerisch gestalteten Grundstück auf dem Mount Saint Alban.
Den Osterleuchter schuf Ulrich Henn, wie auch das Petrusportal (1987) und das Mittelportal (1979) an der Westfassade. Der im ersten Stock liegende Vorbau, der am südlichen Seitenschiff vorsteht, besitzt ein großes Portal mit einem herausgearbeiteten Tympanon. Dieses Portal kann durch die sogenannten Pilgrim Steps erreicht werden, eine 12 m (40 ft) breite Treppe.
Der größte Teil des Gebäudes wurde aus grauem Kalkstein erbaut, der in Indiana abgebaut wird. Moderne Materialien werden nur genutzt, um Balken und Sparren zu ersetzen, die man aus Holz gefertigt hatte: im Dachbereich durch Stahl oder durch Beton in den Stützstrukturen der Glocken und Ebenen in den Westtürmen.
Die Kanzel wurde aus Steinen der Canterbury Cathedral erbaut. Glastonbury Abbey lieferte Steine für die Kathedra, den Thron des Bischofs. In den Hochaltar wurde ein Felsstück des Gartengrabes in Jerusalem eingearbeitet.
Es gibt weitere künstlerische Arbeiten, so etwa die über zweihundert bunten Kirchenfenster, deren Bekanntestes das Space Window ist, zu Ehren des ersten Menschen, der den Mond betreten hat, und in dessen Zentrum ein Mondgesteinfragment eingelassen ist. Die meisten der dekorativen Elemente haben eine christliche Symbolik, die ein Hinweis auf die episkopalen Wurzeln der Kirche sind, aber die Kirche ist auch mit Denkmälern angefüllt, die an Personen und Ereignisse nationaler Bedeutung erinnern: Statuen von George Washington und Abraham Lincoln, in den Boden des Narthex eingebettete Staatssiegel, entlang des Kirchenschiffs aufgehängte Flaggen der US-amerikanischen Bundesstaaten und bunte Kirchenglasfenster, die an Ereignisse wie die Expedition von Lewis und Clark erinnern.
Die Kathedrale wurde absichtlich mit vielen asymmetrischen Rissen gebaut, im Einklang mit einer apokryphen mittelalterlichen Sitte, die zeigen soll, dass nur Gott perfekt sein kann. Die Architekten entwarfen die Kapellen der Krypta im romanischen Stil und datierten so die Gotik vor, so als ob die Kathedrale als Nachfolger früherer Kirchen errichtet worden sei, was für europäische Kathedralen häufiger vorkommt.
An der Außenseite der Kathedrale befinden sich über 200 figurative Wasserspeier. Eine davon zeigt Darth Vader.[12] Während die Westtürme der Kathedrale gebaut wurden, veranstalteten die Bauherren einen Wettbewerb für Kinder, um dekorative Skulpturen für die Kathedrale zu entwerfen. Die Abbildung des niederträchtigen Vader, geformt von Jay Hall Carpenter und modelliert von Patrick J. Plunkett, wurde hoch auf dem nordwestlichen Turm der Kathedrale platziert, die dort die Rolle einer traditionellen Groteske erfüllt.[13][14]
Musik
Geschichte der Chorarbeit an der Kathedrale
Der erste für den Dienst an der Kathedrale berufene Kirchenmusiker, Edgar Priest, hatte die Aufgabe, nach englischem Vorbild einen Knabenchor für die Mitwirkung in der Liturgie aufzubauen. Die Grundlage dafür hatte ein Vermächtnis der Mäzenin Harriet Lane (1830–1903) gelegt, das nicht nur die Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Kathedralgelände, sondern auch die Unterbringung, Verköstigung und Ausbildung von Chorknaben vorsah.[15] 1909 wurde die National Cathedral School for Boys eröffnet, die 1914 in St Albans School umbenannt wurde.[16] Der Chor nahm unter Priests Leitung mit 15 Chorknaben seine Arbeit auf, als noch gar kein Gottesdienstraum auf dem Gelände der Kathedrale existierte.[17] So sang er in der benachbarten Pfarrkirche St. Alban jeden Sonntag im Nachmittagsgottesdienst.[18] Die Vorgabe des damaligen Bischofs Alfred Harding lautete, nach Eröffnung der ersten Teilbauten der Kathedrale Gottesdienste mit Chorgesang an fünf Tagen pro Woche anbieten zu können. Mit der Eröffnung der Bethlehem Chapel im Jahre 1912 wurde dieser Vorsatz in die Tat umgesetzt.[19]1940 war der Chorraum der Kathedrale soweit fertiggestellt, dass das Chorgestühl endgültig aufgestellt werden konnte.[20]

Ein etwa 30 bis 40 Knaben zählender Vorchor und der etwa 20 Knaben umfassende Hauptchor bauten aufeinander auf.[21] Im Verlauf der 1940er Jahre bildete sich die Praxis heraus, dass der Vorchor den sonntäglichen Hauptgottesdienst um 9.30 Uhr sowie die Evensongs am Montag und Freitag übernahm. Der Hauptchor hingegen sang sonntags den Hauptgottesdienst um 11 Uhr und den Evensong, sowie dienstags, mittwochs und donnerstags den Evensong.[22] Die Gruppe erwachsener Männer, die in der Regel die Alt-, Tenor- und Basspartien übernahm, stand während des Schuljahres nur an Sonntagen zur Verfügung, in den Sommerferien hingegen bestritt sie den kompletten Chordienst.[23] 1997 wurde eine Mädchenchorgruppe ins Leben gerufen, die unter der Leitung von Bruce Neswick stand. Die Sängerinnen wurden aus den Klassenstufen 7 bis 12 der National Cathedral School rekrutiert.[24] Damit wurde die Grundlage zum heutigen „Cathedral Chorister Program“ gelegt, vierstimmige Werke konnten fortan entweder vom „Cathedral Choir of Girls and Men“ oder vom „Cathedral Choir of Boys and Men“ aufgeführt werden.
1941 gründete Paul Callaway die Cathedral Choral Society, einen gemischten Laienchor, mit dem Ziel, großbesetzte oratorische Werke religösen Zuschnitts in der Kathedrale aufführen zu können.[25]Als erstes Werk wurde im May 1942 Giuseppe Verdis Messa da requiem aufgeführt, der Chor wurde vom National Symphony Orchestra begleitet.[26] In der Folge sorgte der Chor für eine Reihe von Washingtoner Erstaufführungen wichtiger oratorischer Werke, darunter Gustav Holsts Hymn of Jesus (1946), Igor Strawinskys Symphonie des psaumes (1947), Edward Elgars The Dream of Gerontius (1950), William Waltons Belshazzar’s Feast (1951), Benjamin Brittens War Requiem (1964), Herbert Howells‘ Hymnus Paradisi (1975) und Leoš Janáčeks Glagolitische Messe (1986). Darüber hinaus brachte der Chor eine Reihe von Werken zur Uraufführung, darunter Ned Rorems The Long Home (1946), Lee Hoibys A Hymn of the Nativity (1961), Ronald Pereras Mass (1973), Nicolas Flagellos Passion of Martin Luther King (1974), John La Montaines The Whittier Service (1979), James Stuart Grants Hodie! (1982), Daniel Edward Gawthrops Four Seasonal Metaphors (1990) und Charlene Moore Coopers Refuge (1991).[27]
Das gegenwärtige „Cathedral Chorister Program“

Das Programm ist einer bzw. einem “Program Manager” (derzeit Julie DeBoer) unterstellt, die bzw. der zugleich den Rang eines „Associate Director of Music“ innehat.[28] Die Mitgliedschaft in der Knabengruppe setzt einen Schulbesuch in der St. Albans School voraus, die Knaben sind in der Regel acht bis 14 Jahre alt. Die Mitgliedschaft in der Mädchengruppe setzt einen Schulbesuch in der National Cathedral School, die Mädchen sind in der Regel 11 bis 18 Jahre alt.[29] Die Knabengruppe singt während des Schuljahrs werktags den Evensong am Donnerstag, außerdem an jeweils einem Sonntag im Hauptgottesdienst und an zwei Sonntagen pro Monat den Evensong. Die Mädchengruppe singt während des Schuljahrs werktags den Evensong am Montag und Mittwoch, außerdem an jeweils einem Sonntag im Hauptgottesdienst und an zwei Sonntagen pro Monat den Evensong.[30] Das „Chorister Program“ ist vollständig in die Curricula der St. Albans School und der National Cathedral School integriert. Nach dem Stimmbruch können ehemalige Chorknaben als „Choral Apprentices“ zu vergünstigtem Tarif Gesangsunterricht erhalten, an der sonntäglichen Chorprobe teilnehmen und an der jährlichen Chorfreizeit im Sommer teilnehmen. In den Klassenstufen 11 und 12 besteht zudem die Möglichkeit, als „Choral Scholar“ an Evensongs und Oratorienkonzerten mitzuwirken, kostenlosen Gesangsunterricht zu erhalten und an der jährlichen Chorfreizeit im Sommer teilzunehmen.[31]
Musikalische Leitung
Die heutige Organisationsstruktur umfasst einen Direktionsposten, drei hierarchisch gestufte Stellen für Organist:innen (Cathedral Organist, Assistant Organist, Orgen Scholar), eine Position für das Management des „Choral Scholar“, eine Position in der Verantwortung für „Choral Scholar“ sowie eine Person, die das Carillon spielt. Diese Struktur hat sich im Laufe der Geschichte verändert und ausdifferenziert. Die Zeit bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts war von der Personalunion von Organist und Chorleiter geprägt.
Als "Director of Music" wurden bisher an die Kathedrale berufen:
- Edgar Priest (1910–1935)[32]
- Robert George Barrow (1935–1939)[33]
- Paul Callaway (1939–1977)[34]
- Richard Wayne Dirksen (1977–1988)[35]
- Douglas Major (1988–2002)[36]
- Michael McCarthy (2003–2024)[37]
- Jared Johnson (2026-)[38]
Als Kathedralorganisten wurden bisher berufen:
Orgeln

Übersicht
Da Gottesdienste nicht nur im Langhaus und im Chorraum, sondern auch in den Kapellen im Untergeschoss abgehalten werden, wurden Orgeln verschiedener Größe im Gebäude aufgestellt. Das größte und klangstärkste Instrument ist die große Orgel im Hochchor, die 1938 von der Ernest M. Skinner Organ Company eingebaut wurde. Dieses Instrument wird seit 2024 durch die Firma Foley-Baker Inc. aus Tolland im US-Bundesstaat Connecticut restauriert und soll 2029 wieder in Betrieb genommen werden.[42] Bis dahin kommt eine Digitalorgel der Firma Walker Technical Company aus Zionsville im US-Bundesstaat Pennsylvania zum Einsatz.
Bevor die Hauptorgel 1938 in Betrieb genommen wurde, war ein 1932 von der Firma Aeolian-Skinner erbautes, zweimanualiges Instrument mit der Opusnummer 883 genutzt worden. Dieses Instrument wurde später im Lasell Junior College in Newton im US-Bundesstaat Massachusetts aufgestellt, ist aber nicht mehr erhalten.[43]
In der Bethlehem Chapel im Untergeschoss, wo ab 1912 Gottesdienste abgehalten wurden, stand anfangs ein Instrument mit 4 Manualen und 27 ranks aus der Werkstatt Ernest M. Skinner & Company zur Verfügung. Dieses wurde Anfang der 1950er Jahre an die Unitarian-Universalist Church in Portsmouth im US-Bundesstaat New Hampshire abgegeben und 1953 durch ein zweimanualiges Werk mit 17 ranks ersetzt, erbaut durch die Nachfolgefirma Aeolian-Skinner Organ Company, Inc. Dieses Instrument wurde in den Jahren 1991 und 1992 einer Generalüberholung unterzogen.[44]

In der Resurrection Chapel steht seit 2020 ein einmaliges Instrument mit drei ranks, das ursprünglich von der Firma Ernest M. Skinner & Company 1929 erbaut und in der Saint Augustine’s Chapel im benachbarten Predigerseminar (heute Virginia Mae Center) aufgestellt worden war. 1990 wurde es durch die Firma DiGennaro-Hart auf vier ranks erweitert und 2020 von der Firma Foley-Baker, Inc. in die Resurrection Chapel umgesetzt.[45]

Hauptorgel
Die Hauptorgel wurde in den Jahren 1937 und 1938 eingebaut, als nur der Chorraum, die nördlich davon gelegene St Mary's Chapel und die südlich davon gelegene St John's Chapel fertiggstellt waren. Ernest M. Skinner war 1933 aus der Firmenleitung der Aeolian-Skinner Organ Company, Inc. gedrängt worden und realisierte den Neubau daher unter dem Firmennamen E.M. Skinner & Sons. Die feierliche Orgelsegnung fand am 10. November 1938 im Beisein von Bischof James Freeman statt.[46]
1958 wurde durch die Aeolian-Skinner Organ Company, Inc. an der Südseite des Chorraumes ein neuer, viermanualiger Spieltisch eingebaut.[47] 1963 ergänzte dieselbe Firma des Pfeifenwerk um ein Brustwerk and Positiv mit entsprechenden Pedalregistern, die ohne Gehäuse auf den Galerien oberhalb des Chorgestühls und unterhalb des Triforiums aufgestellt wurden. 1965 wurde im Triforium oberhalb des Hochaltars eine Trompette en chamade installiert.[48]
Ein umfangreiches Umbauprojekt, geprägt von den Klangvorstellungen der Orgelbewegung, wurde in den 1970er-Jahren lanciert. In einem ersten Schritt wurde im Jahre 1973 die Great Division neu intoniert und teilweise umgesetzt. In einem zweiten Schritt wurde 1974 im südlichen Triforium eine neue Swell Division gebaut, die nach dem Kirchenmusiker Leo Sowerby benannt wurde. Außerdem wurde die alte Swell Division überarbeitet, ebenso wie die Choir Division und die Solo Division. Die Segnung der neuen Swell Division, sowie die Feier des Umbau-Abschlusses fanden am 20. Juni 1976 statt.[49]Im Herbst 1986 wurden durch die R. E. Daffer Organ Company in Zusammenarbeit mit der Wicks Organ Company die Bälge erneuert und elektromagnetisch gesteuerte Ventile eingebaut. Im Frühjahr 1989 wurde eine neue, computergestützte Setzeranlage eingebaut.[50]
Nach Fertigstellung des Umbaus im Jahre 2029 soll das Instrument über 153 ranks verfügen. Das Pfeifenwerk wird sich aus Teilen des Skinner-Instruments von 1938, der Ergänzungen aus den 1960er- und 1970er-Jahren von sowie neuen Pfeifen zusammensetzen. Zudem wird ein zweiter, beweglicher Spieltisch bereitgestellt.[51]
|
|
|
|
|
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
National Cathedral Association (NCA)
Die National Cathedral Association ist der Freundeskreis der Kathedrale für Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit. Sie besteht landesweit aus über 14.000 Mitgliedern und ist in Ausschüsse unterteilt, die nach Bundesstaaten geordnet sind. Mehr als 88 Prozent ihrer Mitglieder leben außerhalb des Gebietes von Washington. Jedes Jahr hat ein Bundesstaat einen Staatstag in der Kathedrale, wobei sein Name in den Gebeten besonders erwähnt wird. Alle vier Jahre hat ein Bundesstaat einen Major State Day. An diesem Tag werden seine Bewohner dazu ermuntert, eine Pilgerreise zur Kathedrale zu machen, und Offizielle des Bundesstaates werden eingeladen, eine Rede zu halten. Die Flaggen aller amerikanischen Bundesstaaten hängen stets vom Obergaden des Hauptschiffs herab.
Grabstätten
Die Washington National Cathedral, ihr Mausoleum und das Kolumbarium sind die letzten Ruhestätten namhafter amerikanischer Bürger:
- Larz Anderson († 1937), Kunstsammler und Mäzen
- Joseph E. Davies († 1958), Diplomat
- George Dewey († 1917), einziger Träger des Ranges Admiral of the Navy
- Philip Frohman († 1972), Architekt der Kathedrale
- Cordell Hull († 1955), Außenminister der USA, Friedensnobelpreisträger
- Helen Keller († 1968), taub-blinde Schriftstellerin
- Frank B. Kellogg († 1937), Außenminister der USA, Friedensnobelpreisträger
- John Raleigh Mott († 1955), Präsident des CVJM, Friedensnobelpreisträger
- Matthew Shepard († 1998), Student und Mordopfer
- Leo Sowerby († 1968), Gründungsdirektor des „College of Church Musicians“
- Anne Sullivan († 1936), Lehrerin und Freundin von Helen Keller. Die erste Frau, die in der Kathedrale begraben wurde.
- Stuart Symington († 1988), Politiker
- Henry Vaughan († 1917), Architekt der Kathedrale
- Woodrow Wilson († 1924), der 28. Präsident der Vereinigten Staaten – Wilson ist der einzige US-Präsident, der in Washington D.C. begraben liegt
- Edith Wilson († 1961), zweite Frau von Woodrow Wilson
Bischöfe der Episkopalkirche, welche in der Kathedrale bestattet sind:
- Henry Yates Satterlee († 1908), 1. Bischof der Episcopal Diocese of Washington
- Alfred Harding († 1923), 2. Bischof der Episcopal Diocese of Washington
- James E. Freeman († 1943), 3. Bischof der Episcopal Diocese of Washington
- Angus Dun († 1971), 4. Bischof der Episcopal Diocese of Washington
- William Forman Creighton († 1987), 5. Bischof der Episcopal Diocese of Washington
- John Thomas Walker († 1989), 6. Bischof der Episcopal Diocese of Washington
- Ronald Hayward Haines († 2008), 7. Bischof der Episcopal Diocese of Washington
- Thomas John Claggett († 1816), 1. Bischof der Episcopal Diocese of Maryland
Die Kathedrale in der Populärkultur
- Das Setting von Margaret Trumans Murder at the National Cathedral.
- Als Drehort von Mrs. Landinghams Begräbnis und Präsident Bartlets darauffolgender Tirade gegen Gott im zweiten Staffelfinale von The West Wing – Im Zentrum der Macht.
- Die Umgebung der Kathedrale: Das Gebiet in und um die Kathedrale wird oft, aber meistens vage, im Film Im Netz der Spinne erwähnt.
- Die Kathedrale ist ein Handlungsort in Dan Browns Roman Das verlorene Symbol.
- Einer der Wasserspeier ist der Figur des Darth Vader aus dem Krieg der Sterne nachempfunden.
Literatur
- Marjorie Hunt, The Stone Carvers: Master Craftsmen of Washington National Cathedral (Smithsonian, 1999).
- Step by Step and Stone by Stone: The History of the Washington National Cathedral (WNC, 1990).
- A Guide to the Washington Cathedral (National Cathedral Association, 1945).
- David Hein, „For God and Country: Two Historic Churches in the Nation's Capital,“ Anglican and Episcopal History 56 (March 1987): 123-26.
- David Hein, Noble Powell and the Episcopal Establishment in the Twentieth Century (Urbana: University of Illinois Press, 2001). Kapitel Drei enthält das Dekanat des Very Reverend Noble C. Powell, der auch Aufseher des College of Preachers war.
- Peter W. Williams, Houses of God: Region, Religion, and Architecture in the United States (Urbana: University of Illinois Press, 1997).
- Cathedral Age (Magazin).
Weblinks
- Episkopal Diözese von Washington
- Website der Washington National Cathedral
- Die Washington National Cathedral als 3D-Modell im 3D Warehouse von SketchUp
