Wehrertüchtigungslager

Einrichtungen der Hitlerjugend (HJ) zur vormilitärischen Ausbildung und Indoktrination während des Zweiten Weltkrieges From Wikipedia, the free encyclopedia

Wehrertüchtigungslager (kurz WE-Lager), auch Reichsausbildungslager, waren Einrichtungen der Hitlerjugend (HJ) zur vormilitärischen Ausbildung und Indoktrination während des Zweiten Weltkrieges.

HJ beim Schießunterricht bei einem WE-Lager

Allgemeines

Innerhalb der Reichsjugendführung der Hitlerjugend gab es ein Amt für körperliche Ertüchtigung. Dieses veranstaltete seit 1939 in Lagern zur Wehrertüchtigung mehrwöchige Lehrgänge, in denen Jugendliche für den Kriegseinsatz „vormilitärisch“ vorbereitet werden sollten.

In einem Erlass vom 27. Mai 1942 hat der Jugendführer des Deutschen Reiches für die Wehrertüchtigungslager die Jugenddienstpflicht für anwendbar erklärt.[1][2]

Während zu Beginn des Krieges hauptsächlich HJ-Führer die Ausbildung leiteten, unterrichteten später zunehmend fronterfahrene nicht mehr kriegsdienstfähige Soldaten der Wehrmacht bzw. Angehörige der Waffen-SS. Neben sportlichen Wettkämpfen und körperlichem Training wurden militärische Fähigkeiten wie Tarnung und der Umgang mit Waffen vermittelt. Im Rahmen der politisch-weltanschaulichen Indoktrination wurden die Jungen mit Themen wie Unsere Feinde, Das Judentum, Unsere Weltanschauung und Der Rassengedanke zu Nationalismus, Antisemitismus und Militarismus aufgestachelt.

Zu den Lagern wurde von der Reichsjugendführung und dem Erziehungsministerium amtlich einberufen.[3] Sie dienten auch dazu, die Zeit bis zur Einberufung zur Wehrmacht zu überbrücken. Die Wehrpflicht begann nach dem Wehrgesetz mit Vollendung des 18. Lebensjahres.

Die Wehrertüchtigungslager dienten der Waffen-SS als Rekrutierungsstätten. In einem Beitrag des Deutschen Historischen Museums beschrieb ein ehemaliger Hitlerjunge, wie er von der HJ über ein Wehrertüchtigungslager an die Front kam. Dort heißt es:

„[…] als wir ankamen, hieß es beim Antreten z. B. ‚Kriegsfreiwillige, rechts raus!‘ Der Haufen, der sich nicht freiwillig meldete, war […] immer sehr klein. Diese wurden mittags früher zum Exerzieren vom Tisch geholt. Auch nachts holte man sie oft aus den Betten. Da war es bald für die meisten vorbei mit ‚Verweigern‘. Auch beim Antreten mussten sie oft nach vorne treten und wurden als Muttersöhnchen usw. lächerlich gemacht.“[4]

In einer weiteren Quelle heißt es:

„Die Wehrertüchtigungslager waren Einrichtungen zur Vorbereitung auf den Militärdienst. In Gelände- und Schießübungen sowie Vorträgen wurden Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren für den Fronteinsatz geschult. Die Einberufung in die Lager erfolgte schriftlich, man war zur Teilnahme verpflichtet.“[5]

In vielen Erinnerungen berichten die damals jugendlichen Teilnehmer an diesen meist klassenweise durchgeführten und verpflichtenden Kursen von militärischem Drill, verbunden mit unangemessener Schikane durch die Ausbilder.

Standorte einiger Wehrertüchtigungslager

Die Datumsangaben beziehen sich lediglich auf den durch Quellen belegten Zeitraum. Der tatsächliche Zeitraum ist vermutlich länger:

Literatur

  • Hans Holzträger (Hrsg.): Die Wehrertüchtigungslager der Hitler-Jugend 1942–1945. Ein Dokumentarbericht. Verlag des Arbeitskreises für Geschichte und Kultur der deutschen Siedlungsgebiete im Südosten Europas, Ippesheim 1991, ISBN 3-928389-03-3 (Reihe: Publikationen des Arbeitskreises für Geschichte und Kultur der deutschen Siedlungsgebiete im Südosten Europas, Reihe 1, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Band 2)
  • Heinz Schreckenberg: Erziehung, Lebenswelt und Kriegseinsatz der deutschen Jugend unter Hitler. Anmerkungen zur Literatur. Lit, Münster 2001, ISBN 978-3-8258-4433-2, Kap. 20: Die Wehrertüchtigungslager (WE-Lager) der Hitlerjugend und die Werbung von Kriegsfreiwilligen. S. 360–364 (Reihe: Geschichte der Jugend, 25, Hrsg.: Arno Klönne); books.google.de
Commons: Wehrertüchtigungslager – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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