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Wehrerziehung

Teil der Erziehung in der Erziehung im Nationalsozialismus From Wikipedia, the free encyclopedia

Wehrerziehung bezeichnet die vormilitärische Ausbildung von Kindern und Jugendlichen. Hierzu können körperliche Ertüchtigung (Sport), die Vermittlung militärischer Fertigkeiten sowie die Steigerung der Bereitschaft zum militärischen Dienst (Wehrwillen) zählen. Die staatlich organisierte Wehrerziehung findet insbesondere autoritären Staaten statt oder in Staaten mit besonderer Bedrohungslage.

Wehrerziehung im Nationalsozialismus

Zur Erziehung im Nationalsozialismus gehörte die Wehrerziehung. Als erstes wurde der Schulsport erweitert. Im Jahr 1935 wurde eine dritte Sportstunde eingeführt, mit neuen Richtlinien erhöhte sich die Stundenzahl auf fünf Stunden. Kämpferischen Leistungen wurde mehr Zeit geschenkt: vor allem im Boxen und Fußball. 1934 wurden das Schießen mit Kleinkalibergewehren, Geländeübungen sowie militärische Spiele eingeführt. Schießübungen, Märsche und Geländespiele, bei denen das Anschleichen, Beobachten, Orientieren, Spurenlesen, der Umgang mit Karte und Kompass, das Schätzen von Entfernungen sowie Tarnen und Melden zu üben waren, bildeten die Hauptaufgabe der Hitlerjugend (HJ). HJ-Sondereinheiten waren die Marine-HJ, Flieger-HJ, Motor-HJ, Reiter-HJ und Nachrichten-HJ. Eine direkte Kriegsvorbereitung bestand in Luftschutz-Übungen, die bereits im Herbst 1933 eingeführt wurden. Sie dienten dazu, die Kinder und Jugendlichen an den Gedanken eines tatsächlichen Krieges heranzuführen. Wie die Rassenideologie wurde die „wehrgeistige Erziehung“ zu einem fächerübergreifenden Unterrichtsprinzip in der Schule und zu einer zentralen Sozialisationsaufgabe der HJ. Die Schüler sollten körperlich auf den Wehrdienst bzw. auf den Kriegseinsatz vorbereitet sein, über grundlegende militärische Kenntnisse verfügen, ferner positiv zum Militär, zum Soldatentum, zur Wehrstärke und damit zum Krieg eingestellt sein.

Ab 1939 wurde die militärische Ausbildung auf immer frühere Zeitpunkte vorverlegt. Statt zivile Sammel- und Ernteeinsätze leisteten HJ und BDM-Mädchen zunehmend Kriegshilfsdienste: Mädchen im Luftschutz, als Schwestern und Pflegerinnen oder in der Kriegsproduktion, Jungen als Flak-, Luftwaffen- oder Marine-Helfer, bei Schanzarbeiten. Die Altersgrenze für die Wehrpflicht sank zunächst auf 18, dann auf 17 Jahre; mit dem „Volkssturm“ ab September 1944 wurden bereits 15- und 16-Jährige nach einer kurzen Ausbildung an die Front geschickt.[1]

Wehrerziehung in der DDR

Vorführungen der Pionierpanzerbrigade der Station „Junger Touristen“ aus Bad Schmiedeberg. Berlin 1979

In der Deutschen Demokratischen Republik begann die Wehrerziehung im Kindesalter. Sie fand in Form von Truppenbesuchen von Kindergärten oder Präsenz der Nationalen Volksarmee (NVA) auf Pressefesten und ähnlichen Veranstaltungen statt. In unteren Klassenstufen, Pionierlagern und Ferienlagern wurden Geländespiele und Pioniermanöver durchgeführt. Grundformen militärischer Ordnungsformen wurden im Sportunterricht vermittelt. So gehörte das Werfen von Handgranatenimitaten zum normalen Sportunterricht.

Seit dem Schuljahr 1978/79 war der Wehrunterricht in der 9. und 10. Klasse Pflichtfach. Teil des Faches war am Ende des 9. Schuljahres ein zweiwöchiges Lager. Jungen wurden meist ins Wehrlager geschickt, während Mädchen an der Schule in Zivilverteidigung (ZV) ausgebildet wurden. Die Einführung des obligatorischen Faches wurde von der NVA und der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) unterstützt. In den Klassen 11 und 12 der Erweiterten Oberschule wurde die vormilitärische Ausbildung kontinuierlich fortgesetzt. Nach der 11. Klasse beziehungsweise auch nach dem 1. Lehrjahr in der Berufsausbildung gab es wieder ein GST- oder ZV-Lager. Teilweise wurden Schulabgänger auch in der Lehre, beim Studium und im FDGB in wehrerzieherische Programme integriert. Eine Ablehnung konnte zu Karriereproblemen führen. Allerdings muss man auch beachten, dass es viele Formen des stillen Protestes gegen wehrerzieherische Maßnahmen gab.

Die Wehrerziehung in der DDR diente dem Zweck der Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit. Sie wurde offiziell beschrieben als

„[...] ein wichtiger (organisierter) Bestandteil der (einheitlichen) sozialistischen Bildung und Erziehung. Sie umfaßt die Gesamtheit aller Maßnahmen zur ideologischen, charakterlichen und physischen Formung der Bürger unseres Staates im Hinblick auf die umfassende Verteidigung der DDR. (Sie [...] umfaßt neben der sozialistischen Bewußtseinsbildung die vormilitärische und militärische Ausbildung in speziellen Organisationen und den bewaffneten Organen.) Ziel der sozialistischen Wehrerziehung ist es, durch Erläuterungen unserer Militärpolitik die uneingeschränkte Bereitschaft aller Bürger zur Verteidigung unserer sozialistischen Errungenschaften zu erreichen.“

– Definition „sozialistische Wehrerziehung“ nach Meyers Jugendlexikon[2]

Wehrerziehung in der Bundesrepublik

Eine Wehrerziehung im engeren Sinne findet in der Bundesrepublik nicht statt. Eine Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und Bildungseinrichtungen besteht hauptsächlich durch deren Jugendoffiziere, die in Schulen über die bundesdeutsche Sicherheitspolitik informieren und eine Brücke zwischen Gesellschaft und Bundeswehr bilden sollen. Die ersten 17 Jugendoffiziere traten 1958 ihren Dienst an, um von der Wiederbewaffnung und dem NATO-Beitritt zu überzeugen. Ihre Aufgabe ist es explizit nicht, Nachwuchs zu werben. Diese Aufgabe ist Wehrdienstberatern vorbehalten. Als die Zahl der Kriegsdienstverweigerer in den 1960er und 1970er Jahren zunahmen, sollten sicherheitspolitische Inhalte stärker in den Schulunterricht Eingang finden. Diskussionen in der Kultusministerkonferenz (KMK) fanden statt, doch ohne gemeinsames Ergebnis. Einige Länder verabschiedeten eigene Wehrkundeerlasse, um die Auftritte der Jugendoffiziere im Unterricht zu regeln und die Ziele einer Wehrkunde in der Schule zu formulieren. Im Jahr 2008 gab es in der Hälfte der Bundesländer auf Initiative des Bundesministeriums der Verteidigung Kooperationsvereinbarungen zwischen den Kultusministerien und der Bundeswehr. 2025 gab es 94 Dienstposten für Jugendoffiziere, von denen im Jahresschnitt 83 besetzt waren.[3]

Wehrerziehung in Israel

In Israel existiert bis heute ein Wehrerziehungs-Programm, durch das 13- bis 18-jährige israelische und auch ausländische Jugendliche auf den Militärdienst in den israelischen Streitkräften (IDF) vorbereitet werden sollen. Das Programm und die durchführende Organisation tragen den Namen Gadna (hebräisch גדנ״ע; eine Abkürzung für Gedudei Noʿar), was Jugendkorps oder auch Jugendbataillone bedeutet. Gadna ist seit 1948 die Nachfolgeorganisation der 1939 gegründeten Ḥagam (Chinnuch Gufani Murḥav; Erweitertes körperliches Training), einer Unterorganisation der Hagana. Im Juni 1949 verabschiedete die Knesset ein Gesetz über die Einführung des Militärdienstes für Männer und Frauen ab dem 18. Lebensjahr. In diesem Gesetz wurde auch Gadna als vormilitärischer Dienst für Schüler verankert.

Wehrerziehung in Russland

Nach Beginn der russischen Aggression gegen die Ukraine, seinerzeit vorläufig gipfeln in der russischen Annexion der Krim 2014, gründete Russlands Präsident Wladimir Putin per Dekret im Mai 2016 die Junarmija als neue Jugendorganisation.[4] Laut der Tageszeitung Rheinische Post soll dies bereits am 29. Oktober 2015, dem Gründungstag des Komsomol, geschehen sein.[5] Die Junarmija entstand auf Initiative von Verteidigungsminister Sergei Schoigu und arbeitet in vollem Umfang seit dem 1. September 2016, wobei die ersten Kinder schon im Mai 2016 aufgenommen wurden. Erklärtes Ziel der „Junarmija“ ist es, Kinder und Jugendliche für die Streitkräfte Russlands zu begeistern bzw. „junge Menschen dazu zu bringen, Russland mit der Waffe in der Hand zu verteidigen“. Die Junarmija ist Teil eines Staatsprogramms zur „patriotischen Erziehung“ von Jugendlichen.

Auch die zwischenzeitlich privat organisierte Nachfolgeorganisation der Freiwilligen Gesellschaft für die Unterstützung der Armee, Luftfahrt und Flotte (DOSAAF; 1992 in ROSTO umbenannt), einst eine sowjetische paramilitärische Massenorganisation, wurde nach vorübergehender Existenz als private Organisation 2009 wieder verstaatlicht und in DOSAAF rückbenannt wurde und begeistert russische Jugendliche fürs Militär.[6]

Literatur

  • Christian Sachse: Aktive Jugend - wohlerzogen und diszipliniert. Wehrerziehung in der DDR als Sozialisations- und Herrschaftsinstrument (1960-1973). Lit Verlag, Münster 2000.
  • Ministerium für Volksbildung (Hrsg.): Lehrplan Lehrgang Zivilverteidigung, Klasse 9. Volk und Wissen, Berlin 1985, urn:nbn:de:0111-bbf-spo-19430192.

Einzelnachweise

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