Weingut Wien Cobenzl
Weingut in Wien
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Das Weingut Wien Cobenzl ist das Weingut der Stadt Wien und befindet sich im 19. Bezirk in Döbling, am Reisenberg auf knapp 400 m Höhe repräsentativ mit Aussicht auf die Stadt Wien. Angrenzend befindet sich das Schloss Cobenzl. Der Betrieb ist Mitglied der Österreichischen Traditionsweingüter und bewirtschaftet Toplagen wie Grinzing, Nussberg und Bisamberg.[1]

Geschichte
Weinbau ist in diesem Teil nordwestlich von Wien, an den Hängen des Latisbergs, schon seit dem 13. Jahrhundert fester Bestandteil der Ackerkulturen. Johann Philipp Graf Cobenzl errichtete 1773 zu diesem Zweck das „große Schloss mit prächtigem Garten“, in dessen Wirtschaftsgebäuden fortan und ununterbrochen bis heute Wein produziert wurde und wird. Im Schloss Cobenzl feierte man rauschende Feste. Der Wiener Hof war zu Gast und Mozart schrieb im Meierhäuschen die Zauberflöte. Nach dem Einfall napoleonischer Truppen wurde das Schloss zerstört und verfiel zunächst, wurde aber 1835 von Karl von Reichenbach erworben, instandgesetzt und nahm erneute die Produktion auf. Nach seinem Tod wechselten mehrfach die Besitzer, bis es 1907 die Stadt erwarb, um neben der Weinproduktion auch ein Hotel und ein Café zu betreiben. Erst 1988 unter Bürgermeister Michael Häupl wurde es dem Stand der Technik angepasst und in einen professionellen Weinbaubetrieb umgewandelt.[2]
Produktion
Das Anwesen verfügt über 35 ha eigenes Rebland plus 25–30 ha Pachtland, wird seit 1907 von der Stadt geführt und gilt als eines der bedeutendsten Weinbau‑Betriebe der österreichischen Hauptstadt.[3] Seit Dezember 2023 vermarktet das Haus nach den Richtlinien des ökologischen Weinbaus, nachdem der Betrieb im Sommer 2020 mit einem Bio-Kontrollvertrag die Umstellung gestartet hatte.[4] In den frühen 2000er Jahren betrug die durchschnittliche Produktion – ohne Pachtland – zwischen 100.000 und 150.000 Flaschen jährlich bei einem Verhältnis Weiß- zu Rotweinen von 80:20.[5]
Der Betrieb ist vor allem für seine Produktion von Wiener Gemischter Satz (DAC‑Weinen) bekannt, der aus einheimischen Rebsorten wie Grüner Veltliner, Chardonnay, Weißburgunder und Riesling besteht. Zusätzlich produziert Cobenzl hochwertige Rotweine wie beispielsweise Blauer Zweigelt und Blaufränkisch, und Schaumweine. Darüber hinaus werden auch Süßweine und Orangeweine hergestellt. Wettbewerbe und die Nennung in namhaften Weinführern wie Der große Johnson, Falstaff, Meiniger’s und Wein-Plus beweisen die Marktstellung des Unternehmens.
Rezeption
Das Weingut besitzt eine gute finanzielle Ausstattung. So sind annähernd sämtliche Weinberge zum Schutz vor Wildverbiss mit massiven Drahtzäunen umgeben, die sich kleinere Betriebe nicht leisten können. Der Große Johnson kritisiert die Wettbewerbsverzerrung, die durch die Zuschüsse der Stadt entstünden.[6] Dieses strukturelle Problem zeigt laut der Tageszeitung Kurier: Die Verbindung von Weinbau mit öffentlicher Verwaltung kann Spannungen erzeugen zwischen ökologischen/wirtschaftlichen Zielen und touristischen/öffentlichen Erwartungen.[7]
Fachmagazine wie Falstaff betonen die Kombination aus langer Geschichte, städtischem Eigentum und organischer Bewirtschaftung, die dem Haus eine besondere Stellung in der österreichischen Weinlandschaft verschafft. Falstaff hebt zudem die hohe Qualität der Cobenzl‑Weine hervor, die sowohl von Weinexperten als auch von anspruchsvollen Konsumenten geschätzt werden.[8] Vinum lobt den Qualitätsschub, der beim Gemischten Satz durch die Vereinigung WienWein hervorgerufen wurde und nennt unter den fünf Weingütern auch Cobenzl.[9] Neben den klassischen, oben genannten Rebsorten werden nach der Bio-Zertifizierung vermehrt die resistenteren PIWI-Rebsorten angebaut.