Weizenbaum-Institut

interdisziplinäres Forschungsinstitut zur Erforschung des Wandels der Gesellschaft durch die Digitalisierung From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Weizenbaum-Institut ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Verbundprojekt. Es wurde 2017 mit Sitz in Berlin gegründet.[1] Dem Verbund gehören an: die Freie Universität Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin, die Universität der Künste Berlin, die Universität Potsdam, das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).[2] Die zentrale Administration und rechtsgeschäftliche Vertretung des Instituts obliegt seit 2019 dem Weizenbaum-Institut e. V.[2]

Schnelle Fakten
Weizenbaum-Institut
Weizenbaum-Institut
Aufnahme der Häuserfront mit Logo des Weizenbaum-Instituts in Berlin, Hardenbergstraße 32.
Kategorie: Forschungsinstitut
Bestehen: seit 2017
Rechtsform des Trägers: Eingetragener Verein
Standort der Einrichtung: Berlin
Art der Forschung: interdisziplinäre und problemorientierte Grundlagenforschung
Grundfinanzierung: BMBF (ca. 90 %) und Land Berlin (ca. 10 %) (2022–2025)
Leitung: Wissenschaftlicher Geschäftsführer: Christoph Neuberger; Administrative Geschäftsführerin: Ricarda Opitz
Website: www.weizenbaum-institut.de
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Zweck

Die Aufgabe des nach dem Informatiker Joseph Weizenbaum benannten Instituts ist es, aktuelle gesellschaftliche Veränderungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung zu untersuchen und künftige politische und wirtschaftliche Handlungsoptionen zu entwickeln. Das Institut soll unabhängig und interdisziplinär den digitalen Wandel einschließlich der rechtlichen, ethischen und ökonomischen Fragen der Digitalen Gesellschaft erforschen.[2] Die übergreifende Fragestellung des Instituts lautet: „Wie lassen sich die Ziele individueller und gesellschaftlicher Selbstbestimmung in einer von digital vermittelten Transformations- und Entgrenzungsprozessen geprägten Welt realisieren und welche Rahmenbedingungen und Ressourcen sind für ihre Verwirklichung notwendig?“[3]

Geschichte

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unter Johanna Wanka gab am 23. Mai 2017 die Gewinner des Wettbewerbs zur Gründung des Deutschen Internet-Instituts bekannt. Das Konsortium aus den Universitäten FU Berlin, HU Berlin, TU Berlin, UdK Berlin, Universität Potsdam sowie das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) haben sich dabei in einem seit September 2015 laufenden zweistufigen wettbewerblichen Verfahren durchgesetzt. Beim Start der Aufbauphase war geplant, dem Institut zwischen 2017 und 2022 bis zu 50 Millionen Euro an Fördermitteln bereitzustellen.[4]

Mit der Arbeitsaufnahme des Instituts im September 2017 erfolgte eine Umbenennung in „Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft – Das Deutsche Internet-Institut“.

Im April 2019 wurde das Gründungsdirektorium, bestehend aus Martin Emmer, Axel Metzger und Ina Schieferdecker, verabschiedet und ein neues Direktorium konstituiert. Dieses setzt sich aus den fünf W3-Professuren der beteiligten Universitäten sowie je einer Vertretung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme zusammen. Geschäftsführender Direktor ist Christoph Neuberger, seine Stellvertreter Sascha Friesike und Martin Krzywdzinski.[5]

Ende 2019 wurde der Weizenbaum-Institut e. V. gegründet, der seit September 2020 die zentrale Administration und die rechtsgeschäftliche Vertretung des Instituts übernommen hat. Er löste damit das Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung als Koordinator des Verbunds ab. Der Verein ist Träger der Geschäftsstelle und koordiniert den wissenschaftlichen Verbund, außerdem ist er für Öffentlichkeitsarbeit, den Wissenstransfer in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, die Internationalisierung des Instituts und die Nachwuchsförderung verantwortlich.[6]

Im Frühjahr 2021 wurde eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Weizenbaum-Institut, dem Bayerischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) und dem Center for Advanced Internet Studies (CAIS) beschlossen, um den wissenschaftlichen Nachwuchs besser zu fördern.[7]

Im November 2021 ging das Weizenbaum-Institut mit der ersten Ausgabe der neu gegründeten Open-Access-Zeitschrift Weizenbaum Journal of the Digital Society (WJDS) online. Das Journal widmet sich der interdisziplinären Digitalisierungsforschung und soll eine Lücke in der Publikationslandschaft schließen.[8]

Am 15. September 2022 begann für das Weizenbaum-Institut eine zweite Förderphase (Etablierungsphase). Dafür wurde das Forschungsprogramm des Verbundprojektes neu aufgestellt, um den interdisziplinären Charakter der Digitalisierungsforschung zu stärken.[9] Nach Konzept- und Etablierungsphase gab es 2024 eine abschließende Evaluation, die positiv für das Projekt ausfiel.[10] Seitdem wird das Projekt zu einem festen Institut verstetigt. Laut Lobbyregister stockte die Verstetigung 2026 aufgrund der Haushaltslage und vorgezogener Neuwahlen.[11]

Forschungsschwerpunkte und Forschungsgruppen

2017 bis 2022

In der Aufbauphase war die Forschung am Institut in 4 Bereiche mit insgesamt 21 Forschungsgruppen gegliedert:[3] „Mensch – Arbeit – Wissen“, „Markt – Wettbewerb – Ungleichheit“, „Demokratie – Partizipation – Öffentlichkeit“ und „Verantwortung – Vertrauen – Governance“. Zusätzlich zu den 4 Forschungsbereichen gab es 3 begleitende Querschnittsformate, die sich auf übergreifende Fragen der Ethik und politischen Gestaltung des Verhältnisses von Technik und Gesellschaft konzentrierten.

Seit 2022

Die Forschung des Instituts ist in vier interdisziplinären Forschungsschwerpunkten mit insgesamt 16 Forschungsgruppen organisiert: „Digitale Technologien in der Gesellschaft“, „Digitale Märkte und Öffentlichkeiten auf Plattformen“, „Organisation von Wissen“ und „Digitale Infrastrukturen in der Demokratie“. Daneben gibt es die Forschungseinheiten des Weizenbaum Digital Science Center: Metaforschung, Forschungssynthesen, Weizenbaum-Panel und Methodenlab.[12]

Finanzierung

In der Förderphase 2022–2025 wird das Institut vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 36 Millionen Euro sowie vom Land Berlin mit rund 3,5 Millionen Euro gefördert.[13] Zum Jahr 2025 waren es 13 Millionen Euro vom Bundesministerium und eine Million Euro vom Land Berlin.[11]

Einzelnachweise

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