Weißen (Niederer Fläming)
Ortschaft in Deutschland, Niederer Fläming
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Weißen ist ein Ortsteil[2] der Gemeinde Niederer Fläming im Süden des Landkreises Teltow-Fläming in Brandenburg. Der Ort gehört dem Amt Dahme/Mark an und war bis zum 31. Dezember 1997 ein Ortsteil von Meinsdorf.
Weißen Gemeinde Niederer Fläming | |
|---|---|
| Koordinaten: | 51° 50′ N, 13° 15′ O |
| Höhe: | 80 m ü. NHN |
| Fläche: | 4,67 km² |
| Einwohner: | 52 (31. Dez. 2018)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 11 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 11. Januar 1962 |
| Eingemeindet nach: | Meinsdorf |
| Postleitzahl: | 14913 |
| Vorwahl: | 033744 |
Ortsansicht | |
Lage
Weißen liegt etwa drei Kilometer nordöstlich der Stadt Schönewalde im Fläming und ist Teil des Ländchen Bärwalde. Die Gemarkung von Weißen grenzt im Norden Kossin, im Osten an Meinsdorf, im Süden an Bärwalde sowie im Westen an Ahlsdorf/Hohenkuhnsdorf mit Ahlsdorf als benachbarten Ortsteil. Letzterer gehört zur Stadt Schönewalde, zwischen Ahlsdorf und Weißen verläuft die Grenze zwischen den Landkreisen Teltow-Fläming und Elbe-Elster.
Durch die Gemarkung von Weißen führen die Landesstraßen 713 (Schönewalde–Dahme/Mark) und 714 (nach Jüterbog) sowie die Kreisstraße 7207, die östlich des Ortes von der L 713 abzweigt. Auf der Gemarkung von Weißen an der L 714 liegt der Wohnplatz Marienhof.
Geschichte und Etymologie
Das Rundlingsdorf Weißen wurde erstmals mit Sicherheit im Jahr 1472 als weyssen urkundlich erwähnt. Der Ortsname stammt vermutlich aus dem altsorbischen und beschreibt einen hoch gelegenen Ort.[3] Für das Jahr 1579 sind die Schreibweisen Weißen bzw. Wosyne belegt. Ein weiterer Nachweis stammt aus dem Jahr 1652, in dem die Formulierung Im dorffe Wießen erscheint.[4]
Landes- und Grundherrschaft
Das Gebiet, auf dem Weißen liegt, wechselte während des Mittelalters häufig seine territoriale Zugehörigkeit. Bis 1367 gehörte es zur Mark Brandenburg, danach bis 1411 zum Königreich Böhmen, wobei es 1399 bis nach 1401 im Pfandbesitz der Markgrafen von Meißen war.[4] Von 1411 bis 1451 gehörte es zum Herzogtum Glogau, vermutlich ebenfalls nur als Pfandbesitz. Danach kam das Gebiet wieder zur Mark Brandenburg, zunächst als Pfand, seit 1462 tatsächlich.[5]
Zwischen dem späten 15. und dem frühen 18. Jahrhundert war die grundherrliche Zuständigkeit über das Dorf mehrfach geteilt und wechselte in klar nachvollziehbaren Linien. Vor 1472 bis 1666 lag die Grundherrschaft vollständig bei der Familie von Leipzig(er), die über das Dorf mit Ober- und Untergerichtsbarkeit verfügte (1472). Ab 1666 wurde der Besitz geteilt: Von 1666 bis 1734 behielt die Familie von Leipzig(er) einen Teil, bestehend aus zwei Anteilen bzw. einem Ritterhof, dem Schulzengericht mit vier Hufen, einem Lehnbauern, drei Bauern sowie zwei Kossäten (davon einer wüst). Auch über diesen Teil übte sie weiterhin Ober- und Untergericht aus (1696). Parallel dazu verfügte die Familie von Stutterheim 1666 bis 1734 über einen weiteren Anteil, bestehend aus einem Lehnmann und zwei Einwohnern, verbunden mit einem Anteil am Ober- und Untergericht (1695).
Ab 1734 gehörte Weißen mit seinem Vorwerk Marienhof zur Herrschaft Bärwalde-Wiepersdorf. Somit bildete Weißen zusammen mit den anderen Orten der Herrschaft eine Exklave des Herzogtums Magdeburg innerhalb des Königreichs Preußen. Erst mit dem Wiener Kongress kam Weißen zu Preußen, wo der Ort zur Provinz Brandenburg gehörte und im Landkreis Jüterbog-Luckenwalde.[4]
14. bis 16. Jahrhundert
Im Jahr 1472 wurde der Ort als Dorf bezeichnet; ebenso 1488. Im Jahr 1541 gab es einen Schock Kommunikanten, d. h. ca. 60 erwachsene Gemeindemitglieder.[4] Es gab zu dieser Zeit keine Kirche; die Bewohner waren nach Meinsdorf eingepfarrt. Der Pfarrer erhielt zu dieser Zeit neun Scheffel Roggen sowie Scheffelkorn. Außerdem besaß er eine Hufe, von der er 1558 insgesamt 6 Scheffel Roggen und 6 Scheffel Hafer bezog.[6] Die Steuerlast betrug im Jahr 1580 insgesamt 28 Rheinische Gulden Land- und Giebelschoß.[4]
17. Jahrhundert
Um 1600 verfügte der Pfarrer weiterhin über eine Hufe mit denselben Abgaben wie 1558.[6] Im Jahr 1608 wohnte auf dem Gut eine adelige Witwe. Im Jahr 1624 lebten im Dorf sieben Hufner, drei Kossäten, die zusammen 18 Hufen bewirtschafteten. Im Jahr 1652 wurden drei Hufner, ein Kossät und fünf Personen genannt. Im Jahr 1671 besaßen die von Birckholtz insgesamt 7½ Hufen, die von Stutterheim zwei Hufen und die von Leipzig(er) anderthalb wüste Bauernhufen. Für 1679 sind ein Dreihufner und vier Zweihufner belegt; außerdem besaßen die von Leipzig(er) einen Vierhufner (Schulze) sowie einen Dreihufnerhof, der jedoch wüst lag. Hinzu kamen drei Kossätenhöfe, von denen einer wüst war. Insgesamt umfasste der Ort 18 Hufen, darunter sieben wüste Hufen bei der „adligen Kollekte“.[4] In den Jahren 1682/1683 bestanden drei Kossätenhöfe, darunter ein wüster, sowie 18 Mittelhufen.[7]
18. Jahrhundert
Im Jahr 1711 lebten im Dorf sieben Hufner, drei Kossäten sowie ein Hirte, der jedoch kein Vieh besaß. Im Jahr 1734 wurden zwei Lehnschulzen, vier Bauern, drei Kossäten und ein Büdner genannt. Eine besonders detaillierte Vermessung stammt aus dem Jahr 1738: Die Dorfflur umfasste 54 Hufen, 4½ Morgen, 33 Quadratruten und 63 Quadratschuh, wobei jede Hufe mit zwölf Scheffeln Roggen, zwei Scheffeln Gerste, zwei Scheffeln Hafer, sechs Scheffeln Heidekorn, acht Metzen Lein und acht Metzen Wicken bestellt wurde. Die Herrschaft besaß zehn Hufen, 9½ Morgen, 23 Quadratruten und 47 Quadratschuh, darunter vier Morgen, elf Quadratruten und 43 Quadratschuh Haus und Garten sowie neun Hufen, 18 Morgen, 17 Quadratruten und 55 Quadratschuh Ackerland, davon fünf Hufen, 14½ Morgen, 29 Quadratruten und 68 Quadratschuh kontribuablen, d. h. steuer- und abgabenpflichtigen Acker und vier Hufen, 3 1⁄4 Morgen, 31 Quadratruten und 87 Quadratschuh Ritteracker; hinzu kamen 17¼ Morgen, 39 Quadratruten und 49 Quadratschuh Wiesenwachs. Zur Dorfgemeinschaft gehörten außerdem mehrere Bauern und Kossäten mit genau ausgewiesenen Flächen: Ein Bauer sollte zwei Hufen besitzen, insgesamt drei Hufen, 18½ Morgen, 29 Quadratruten und 89 Quadratschuh; ein weiterer Bauer hatte fünf Hufen, 2½ Morgen, sieben Quadratruten und 81 Quadratschuh. Ein dritter Bauer sollte zwei Hufen besitzen, insgesamt drei Hufen, 18¼ Morgen, 13 Quadratruten und 33 Quadratschuh; ein vierter sollte zwei Hufen besitzen, insgesamt drei Hufen, 10¼ Morgen, 11 Quadratruten und 59 Quadratschuh. Ein fünfter Bauer sollte zwei Hufen besitzen, insgesamt drei Hufen, 24 Morgen, 41 Quadratruten und 54 Quadratschuh; ein sechster sollte zwei Hufen besitzen, insgesamt drei Hufen, 11½ Morgen, 32 Quadratruten und 91 Quadratschuh. Ein Kossät sollte eine halbe Hufe besitzen, insgesamt eine Hufe, acht Morgen, 20 Quadratruten und 15 Quadratschuh; ein weiterer Kossät sollte ebenfalls eine halbe Hufe besitzen, insgesamt eine Hufe, 12¼ Morgen, 4 Quadratruten und 49 Quadratschuh. Ein dritter Kossät sollte ebenfalls eine halbe Hufe besitzen, insgesamt eine Hufe, 6¾ Morgen, 23 Quadratruten und 67 Quadratschuh. Der Schulze in Kossin besaß eine Hufe, 1½ Morgen, 32 Quadratruten und 82 Quadratschuh. Der Gemeindeacker umfasste zwei Morgen, sechs Quadratruten und 72 Quadratschuh. Der Hirte verfügte über 23⁄4 Morgen, 40 Quadratruten und 24 Quadratschuh, davon 13⁄4 Morgen, 9 Quadratruten und 44 Quadratschuh Haus und Garten sowie ein Morgen, 30 Quadratruten und 80 Quadratschuh Wiese. Die große Straße nahm 23⁄4 Morgen, acht Quadratruten und 88 Quadratschuh ein. Zudem besaßen vier Einwohner aus Meinsdorf und drei Bauern aus Kossin gemeinsam 16 Morgen, 23 Quadratruten und 91 Quadratschuh Wiesenwachs.[7] Die Größe der Pfarrhufe wurde mit einer Hufe, 7½ Morgen, 2 Quadratruten und 62 Quadratschuh angegeben.[6] Im Dorf lebten im Jahr 1745 sechs Bauern und drei Kossäten. Das Vorwerk verzeichnete im Jahr 1748 eine Aussaat von einem Scheffel acht Metzen Weizen, fünf Wispeln sieben Scheffeln zwei Metzen Roggen, zwei Scheffeln Wicken, vier Metzen Linsen, neun Scheffeln Hafer, eine Wispel 1 ½ Metzen Gerste, eine Wispel acht Scheffeln Heidekorn sowie zwei Scheffeln vier Metzen Leinsamen. Der Viehbestand umfasste 16 Ochsen, 16 Kühe, 14 Stück lediges Vieh sowie eine Schweine- und Federviehzucht. Im Jahr 1756 gab es im Dorf sechs Bauern (darunter drei Dreihufner, von denen einer als Schulze und ein anderer als Lehnschulze tätig war, sowie drei Zweihufner), drei Kossäten und vier kommunale, d. h. öffentliche Häuser.[7] Im Jahr 1772 wurden fünf Bauern und Halbbauern, drei Kossäten und ein Büdner genannt. Drei Jahre später lebten im Dorf sieben Hufner, drei Kossäten, ein Hirte ohne Vieh, die zusammen 18 Hufen bewirtschafteten. Für das Jahr 1791 sind sechs Bauern, drei Kossäten, zwei Büdner, vier Hausleute oder Einlieger sowie ein Verwalter belegt; die Einwohner betrieben 13 Feuerstellen (= Haushalte).[6] Weißen bestand im Jahr 1871 mit dem Wohnplatz Marienhof.[4]
19. Jahrhundert
Im Jahr 1801 wurde der Ort als Dorf und Gut beschrieben, in dem sechs Ganzbauern und drei Kossäten lebten, die insgesamt 18 Bauernhufen und vier Lehnhufen bewirtschafteten sowie 13 Feuerstellen betrieben. Im Jahr 1818 lebten im Dorf unter anderem ein Gast- und Schankwirt sowie vier Handelsleute. Weißen war im Jahr 1837 ein Rittergut und Dorf, in dem 17 Wohnhäuser standen. Für das Jahr 1840 sind ein Schneider und ein Schmied belegt.[6] Im folgenden Jahr hatte Weißen 140 Einwohner und war in die Kirchengemeinde Meinsdorf eingepfarrt.[8] Im Jahr 1858 standen im Dorf öffentliches Gebäude sowie 18 Wohnhäuser und 44 Wirtschaftsgebäude. Die Gemarkung war 963 Morgen groß: 23 Morgen Gehöfte, 673 Morgen Ackerland, 231 Morgen Wiese und 36 Morgen Weide.[7] Im Jahr 1882 lebten in Weißen ein Schulze, fünf Hufner, drei Kossäten, acht Büdner, acht Einwohner sowie ein Schäfer.[6]
20. Jahrhundert
Zur Jahrhundertwende standen im Dorf 23 Häuser auf 290,9 Hektar (ha), im Rittergut auf 232,1 ha drei Häuser. Im Dorf lebten ein Auszügler, vier Hufner mit Besitzgrößen von 32,36 ha, 31,72 ha, 31,08 ha und 30,30 ha, ein Kossät mit 13,22 ha sowie ein Kossät und Schankwirt mit 13,48 ha.[6] Das Dorf und Gut wurden im Jahr 1928 zur Gemeinde vereinigt, die 1931 Landgemeinde mit dem Wohnplatz Marienhof und einer Fläche von 523,4 ha war,[4] in dem 24 Häuser standen und 27 Haushaltungen wohnten. Im Jahr 1939 gab es insgesamt vier land- und forstwirtschaftliche Betriebe, die zwischen 20 und 100 ha groß waren. Drei Betriebe waren zwischen 10 und 20 ha, neun zwischen 5 und 10 ha sowie vier zwischen 0,5 und 5 ha groß.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Zuge der Bodenreform im Jahr 1948 insgesamt 242,5 ha enteignet: 120,5 ha Ackerland, 1 ha Garten, 19 ha Wiese und Weide, 76 ha Wald, 1 ha Hofräume, 2 ha Gewässer sowie 23 ha Wege und Ödland. Davon gingen 78 ha an acht landlose Bauern und Landarbeiter, 54 ha an zwölf landarme Bauern, 56 ha an sechs Umsiedler, 0,5 ha an einen nichtlandwirtschaftlichen Arbeiter und Angestellten, 9 ha Waldzulage an vier Altbauern sowie 45 ha an die Gemeinde. In diesen Angaben waren auch 20 ha Wald der Gemeinde Reinsdorf enthalten. Der Landkreis Jüterbog-Luckenwalde wurde 1946 in Landkreis Luckenwalde umbenannt und bei der DDR-Kreisreform 1952 aufgelöst. Danach gehörte Weißen zum Kreis Jüterbog im Bezirk Potsdam. In den Jahren 1950 und 1957 wurde die Gemeinde weiterhin mit dem Wohnplatz Marienhof geführt.
Die erste LPG entstand 1959 als LPG Typ I mit neun Mitgliedern und 56 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. 1960 bestand eine LPG Typ I mit 38 Mitgliedern und 172 ha Nutzfläche, die 1969 in eine LPG Typ III überging. 1975 wurden die LPG Typ I Bärwalde und die LPG Typ III Rinow angeschlossen; zu diesem Zeitpunkt bestand eine LPG Typ I mit 36 Mitgliedern und 181 ha Nutzfläche. Am 11. Januar 1962 wurde Weißen nach Meinsdorf eingemeindet. Im Jahr 1983 bestand in Weißen die LPG (Tierproduktion) Petkus mit Sitz Weißen.
Seit der Wende sowie der brandenburgischen Kreisreform im Dezember 1993 gehört Weißen dem Landkreis Teltow-Fläming. Die Gemeinde Meinsdorf wurde am 31. Dezember 1997 mit 13 weiteren Gemeinden zu der neuen Gemeinde Niederer Fläming fusioniert.
Bevölkerungsentwicklung
| Jahr | 1875 | 1890 | 1910 | 1925 | 1933 | 1939 | 1946 | 1950 | 2019 |
| Einwohner | 114 | 180 | 118 | 115 | 130 | 124 | 164 | 148 | 54 |
Gebietsstand des jeweiligen Jahres[9]
Weblinks
Literatur
- Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 518–520.
