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Weißenstädter See

Stausee im Fichtelgebirge From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Weißenstädter See ist ein 48 Hektar großer Stausee am Westrand von Bad Weißenstadt in der Einsattelung zwischen Schneeberg und Waldstein im Fichtelgebirge. Der See ist als eutropher, ungeschichteter Flachsee mit einer maximalen Tiefe von 3,5 m einzustufen. Er dient als Freizeitsee, Hochwasserrückhaltebecken, Vogelschutzgebiet und Trinkwassergewinnungsanlage. Die Fischzucht besitzt im Gegensatz zu den zahlreichen Fischteichen im Weißenstädter Becken keine große Bedeutung, da der Wasserstand im Herbst abgesenkt wird.

Schnelle Fakten
Weißenstädter See
Der Weißenstädter See im September 2005
Der Weißenstädter See im September 2005
Der Weißenstädter See im September 2005
Zuflüsse Eger
Abfluss Eger
Größere Städte am Ufer Bad Weißenstadt
Weißenstädter See (Bayern)
Weißenstädter See (Bayern)
Koordinaten 50° 6′ 8″ N, 11° 52′ 40″ O
Daten zum Bauwerk
Sperrentyp Erdschüttdamm
Bauzeit 1974–1976
Höhe des Absperrbauwerks 6 m
Kronenlänge 1,5 km
Kronenbreite 5,5 m
Daten zum Stausee
Wasseroberfläche 48 hadep1
Stauseelänge 850 mdep1
Stauseebreite 1000 mdep1
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Geschichte

Stadtweiher von Weißenstadt 1716
Stadtweiher von Weißenstadt um 1788

Bis 1816 gab es an dieser Stelle bereits einen künstlich angelegten Stausee, dessen Entstehung um das Jahr 1346 datiert wird. 1476 wurde er urkundlich im Stadtfreiheitsbrief von Weißenstadt genannt, 1499 im Landbuch der Sechsämter als „Großer Weiher“ mit 150 Tagwerk. Er gehörte dem Landesherren und diente als „Hauptweiher“ der Fischzucht. Das Abfischen erfolgte alle zwei Jahre Ende Oktober, wobei das Leerlaufen eine Woche dauerte. Ein reitender Bote hatte die an der Eger liegenden Orte über den zu erwartenden großen Wasserschwall zu unterrichten.

Die beiden Tage des Abfischens wurden durch ein Festessen verschönert, wobei der Hoffischmeister aus Bayreuth im Gefolge höherer Beamter zugegen war. Die Ernte des Fischens, hauptsächlich Karpfen, wurde zum Teil in Holzfässern nach Bayreuth geschafft; 24 bis 25 Fuhrwerke waren dafür notwendig. Die Bauernschaft der Umgebung wurde zur „Roßfrohn“ herangezogen, die Fuhrwerke waren drei Tage unterwegs. Doch auch die ortsansässige Bevölkerung kam nicht zu kurz, in der Stadt gab es hierfür extra einen Fischknecht.[1]

Stürme und Überschwemmungen setzten dem Weiher immer wieder zu. Die Kosten für Reparaturen gebrochener Dämme belasteten Anwohner, sie wurden allenfalls zum Teil vom Markgrafen übernommen.[1]

Am 16. Januar 1791 trat Markgraf Alexander in einem Geheimvertrag das Fürstentum Bayreuth – und damit auch den Weißenstädter Weiher – für eine lebenslange Leibrente an den preußischen Staat ab. 1810 erwarb das Königreich Bayern käuflich das vormalige Fürstentum.[2]

Die mittlerweile mit Verlust arbeitende Landfischerei wurde aufgelöst, der Weiher an Privatpersonen verpachtet. Am 26. September 1816 ordnete der bayerische Staat den öffentlichen Verkauf an den Meistbietenden an; erworben wurde er für 6000 Gulden von dem Ansbacher Nathan Salmstein, der das Gewässer 1820 trockenlegen ließ und das so gewonnene Land in rund 200 einzelnen Flurstücken an die Bevölkerung verkaufte.[1] Da der größte Teil des Seegrunds jedoch aus anmoorigen und moorigen Böden bestand, gestaltete sich die Nutzung äußerst schwierig. Die Nasswiesen auf dem ehemaligen Seegrund waren sauer und wenig ertragreich.

Seit dem Zweiten Weltkrieg bildeten sich immer größere Flächen von sauren Wiesen und Ödland. Im Jahr 1955 brachte der Stadtrat den Bau eines Sees ins Gespräch, und Bürgermeister Max Stollberg setzte das Verfahren in Gang. Er stieß auf den Widerstand von Behörden und Bauern. Damals herrschten noch Armut und Hunger, und jede noch so geringe Kartoffelernte war überlebenswichtig. Nachdem sich die Lage gebessert hatte, sprach sich der Stadtrat in den 1960er Jahren erneut für das Projekt aus.[1]

Der Durchbruch kam erst im Rahmen der 1972 angeordneten Flurbereinigung. Damals konnte die Stadt die Flurstücke des ehemaligen Weihergebietes erwerben, um den Stausee neu anzulegen. Die Kosten für das Projekt – insbesondere für den Bau von Damm und Wehr – beliefen sich auf rund fünf Millionen D-Mark, wovon Bund und Land einen großen Teil übernahmen. Die Bauarbeiten erfolgten in zwei Abschnitten, sie dauerten etwa zwei Jahre. Rund 175.000 Kubikmeter aufgeschüttetes Material stammten aus dem Seebecken sowie aus umliegenden Gruben und Feldern. Im Jahr 1976 wurde der neue See feierlich eingeweiht.[1]

Der Stausee

Weißenstädter See mit Blick auf Bad Weißenstadt

Der Stausee wurde 1976 fertiggestellt, befindet sich im Besitz der Stadt Weißenstadt und liegt im Niederschlags- und Einzugsgebiet von Eger und Hirtenbach. Die Nennstauhöhe beträgt 613 m ü. NN, die größte Stautiefe fünf Meter. Zur Realisierung des Projekts wurde ein Erddamm mit Lehmkern von ca. sechs Meter Höhe und 5,5 Meter Kronenbreite in einer Länge von 1,5 Kilometern geschüttet; nur im Bereich des Abflusses wurde Beton eingebaut. Der Normalabfluss erfolgt durch einen regulierbaren Weihermönch, der Hochwasserabfluss durch regulierbare Schütze. Aufgrund der Absenkung des Seewasserspiegels im Herbst werden die Spitzen winterlicher Hochwässer und der Schneeschmelze abgefangen. Der See dient dabei als ein natürliches, riesiges Hochwasserrückhaltebecken. Oberhalb des Sees befindet sich das Wasserschutzgebiet (WSG) der HEW HofEnergie+Wasser GmbH in der Größe von 1460 Hektar, wo bis zwei Millionen m³/Jahr Trinkwasser aus 17 Tiefbrunnen entnommen werden. Nach der Kanalisation aller Ortsteile im Einzugsgebiet bis 1996 und dem Anschluss an die Kläranlage stellen die diffusen Nährstoffeinträge in das Grund- und Oberflächenwasser das Hauptproblem dar.

Der Weißenstädter See liegt im Weißenstädter Becken. Um die Trink- und Badewasserqualität im Weißenstädter See zu sichern, müssen die diffusen Nährstoffeinträge aus dem Weißenstädter Becken verringert werden. Das im Dezember 2004 beendete Forschungsprojekt DBU Wasser verbindet der Universität Bayreuth gab Empfehlungen für die nachhaltige Nutzung des Sees. Das Projektgebiet umfasste das Flusseinzugsgebiet der Eger von der Quelle bis Weißenstadt, das eine Größe von 32 Quadratkilometern hat.

Touristische Nutzung

Der Weißenstädter See ist ein Freizeitsee mit touristischer Nutzung. Parkplätze befinden sich im Süden und im Norden. Es gibt folgende Freizeitangebote: Baden, Segeln, Wellenreiten, Bootfahren, Angeln, Strandvolleyball, Korbball und Rollschuhfahren. Das Fischereirecht teilen sich die Stadt Weißenstadt und der Landesfischereiverband je zur Hälfte. Wer eine Angelkarte erwirbt, darf im See nach Karpfen und Raubfischen angeln. Im nördlichen Bereich befindet sich ein Vogelschutzgebiet; das nicht zugängliche Areal ist ein Rückzugsgebiet für Vögel und Pflanzengemeinschaften wie Borstgrasrasen und Hochstaudenfluren. An den See grenzen das Stadtzentrum von Weißenstadt und der städtische Kurpark mit den Ruinen der Steinschleiferei Erhard Ackermann an, von denen Wanderwege zum See hinführen. An dem Parkplatz des Kurparkes befindet sich eine Informationsstelle des Naturparks Fichtelgebirge über das Biotop und den Fluss Eger, der den Weißenstädter See durchfließt. Am Südwestufer des Sees wurde am 18. August 2007 mit einem Investitionsvolumen von drei Millionen Euro das Radon-Kur- und Erholungshotel eröffnet.

Das Stundenbuch von Eugen Gomringer

Ein 3,8 Kilometer langer asphaltierter Poesiepfad umrundet den See. Vierzehn Stelen aus den verschiedenen Gesteinsarten des Fichtelgebirges mit eingemeißelten Gedichten säumen seit dem Jahr 2004 den Rundweg. Auf den Stelen befinden sich Texte aus dem Stundenbuch von Eugen Gomringer, die mit ihrer konkreten Poesie einen Stationenweg bilden, der zur Meditation einlädt.

Entsprechend den 24 Stunden eines Tages setzt sich das Stundenbuch von Eugen Gomringer aus 24 Wörtern und dem Gegensatzpaar dein und mein zusammen. Die 22. Stunde enthält zum Beispiel den folgenden Text:

DEIN SCHWEIGEN
MEIN GEDICHT
DEIN SCHWEIGEN
MEIN TRAUM
DEIN SCHWEIGEN
MEINE STUNDE

Die Finanzierung übernahmen Sponsoren sowie die Laura-und-Franz-Leopold-Stiftung Weißenstadt, die Stelen gestaltete Willi Seiler aus Wunsiedel und die Natursteinarbeiten führte das Granitwerk Ludwig Popp aus Schurbach aus.

Trivia

Beim Bau konnte der Rasen im See aus Kostengründen nicht überall entfernt werden. Für eine große Regatta reisten 1977 Segler aus ganz Deutschland an. Sie fanden überrascht mehrere, teils bis zu 10 m² große schwimmende Grasinseln vor, die jedoch rechtzeitig mit Baggern entfernt werden konnten.[1]

Siehe auch

Literatur

  • Eugen Gomringer: Poesie um den Weissenstädter See. Das Stundenbuch von Eugen Gomringer. Fotogr.: Marcellus Kaiser. Kaiser, Rehau 2006. ISBN 978-3-939426-00-4 und ISBN 3-939426-00-8
  • Harald Stark: Vom Weißenstädter Weiher und dem Fischhaus zu Weißenstadt. in Archiv für Geschichte von Oberfranken. 99/2019, S. 185–99

Einzelnachweise

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