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Werner Ballarin

deutscher Kunsthistoriker From Wikipedia, the free encyclopedia

Werner Ballarin (* 26. Dezember 1935[1] in Breslau; † 13. Oktober 2009 in Berlin[2]) war ein deutscher Kunsthistoriker.

Leben

Werner Ballarin (2000). Foto: Heinz Hammer

Ballarin wurde 1976 an der Technischen Universität Dresden mit der Dissertation Untersuchung zum Problem der künstlerischen Bildsprache im Bereich der Malerei und Graphik promoviert.[3] Als Kulturredakteur war er für die Dresdner Tageszeitung Sächsische Neueste Nachrichten tätig, bevor er auf Empfehlung eines Dresdner Verlegers 1982 Leiter der Kunstsammlungen der Städtischen Museen Karl-Marx-Stadt wurde. Ab 1986 war er am Bezirkskunstzentrum Karl-Marx-Stadt tätig.[4]

Ballarin war Initiator des Kunstvereins Neue Chemnitzer Kunsthütte. Dessen Gründung erfolgte im Januar 1990 anlässlich des 130. Jahrestages des 1947 zwangsaufgelösten Vorläufervereins Kunsthütte Chemnitz.[5] Sie gilt als „eine der ersten neuen demokratischen Vereine überhaupt“ in der Zeit der gesellschaftlichen Wende 1989/90.[6] Gemeinsam mit der Bürgerinitiative Kunst und Kultur erstritt Ballarin die kulturelle Nutzung der ehemaligen Dienstgebäude der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Die Neue Sächsische Galerie bezog dort 1990 ihr erstes Domizil innerhalb des denkmalgeschützten Gründerzeitbaus auf dem Kaßberg. Im selben Jahr unterzeichnete Ballarin das Gründungsstatut der Neuen Sächsischen Galerie als städtisches Museum der Stadt Karl-Marx-Stadt bzw. Chemnitz.[6][7] Ballarin war über eine Dekade, bis 2001, Direktor der Neuen Sächsischen Galerie.[8]

Ballarins Engagement galt vorrangig dem zeitgenössischen Kunstschaffen Sachsens und war durch die Nähe zu den Künstlern der Region gekennzeichnet, deren Schaffen er gleichberechtigt an die Seite der traditionell stärker beachteten Kunstzentren Dresden und Leipzig stellte.[9] Unter seiner Ägide wuchs die Kunstsammlung stetig an, insbesondere durch 1214 Schenkungen in den Anfangsjahren.[6] Der Einbezug der angewandten Künste in das Ausstellungsgeschehen, die Wiederaufnahme der 1990 eingestellten Wettbewerbsreihe 100 ausgewählte Grafiken als Biennale sächsischer Druckgrafik 100 Sächsische Grafiken 1996,[10] sowie die Plastikwettbewerbe um den Ruth-Leibnitz-Preis[11] gehörten zum Profil der Galerie. Ballarin war Herausgeber einiger Mappenwerke. Die von ihm textlich-lyrisch begleiteten Künstlermappen tempo espressivo I: Karl-Marx-Stadt (1987), sowie II: Dresden (1989) mit dem Untertitel „87 – 88 – 89 – Wende – ein unwiederholbares Zeitgeistprodukt“, sind Dokumente dieser Umbruchzeit. Ballarin war bis 1997 Gründungsvorstand der Neuen Chemnitzer Kunsthütte,[12] langjähriges Vorstandsmitglied des Chemnitzer Künstlerbundes (vormals VBK), Mitglied des Vereins Kunst für Chemnitz[13] und zählte zu den Unterstützern der Errichtung des Stadtgeschichtlichen Figürlichen Glockenspiels im Alten Rathausturm in Chemnitz.[14] Für seine Verdienste um das Kulturleben in Sachsen wurde ihm im Jahr 2000 der Verdienstorden des Freistaates Sachsen verliehen.[15]

Publikationen (Auswahl)

Nach Erscheinungsjahr

  • Rudolf Bergander Ausstellung im Albertinum Dresden. In: Dresdener Galerieblätter 1959, S. 115–118.
  • Gesellschaftliche Wirklichkeit und künstlerische Wahrheit im Werk von Günter Tiedeken. In: Bildende Kunst 25/1977, S. 75–78.
  • Eigener Auftrag und spezifische Mittel im Schaffen Gerhard Kettners. In: Bildende Kunst 26/1978, S. 191–194.
  • Kunst im Aufbruch – Dresden 1918–1933: Versuch einer objektiven Ausstellungsbewertung. In: Bildende Kunst 29/1981, S. 142–145.
  • Junge Dresdner Kunst, VBK – DDR, Bezirksvorstand Dresden (Hg.), Dresden 1981.
  • Franciscus Effendi. Reihe Maler und Werk. Verlag der Kunst. Dresden 1984.
  • Das Expressive in der X. Kunstaustellung. In: Bildende Kunst 36/1988, S. 54–55.
  • Kristallisationskerne der Neuen Sächsischen Galerie, Neue Sächsische Galerie (Hg.), Chemnitz 1994.
  • Christian Lang, Neue Sächsische Galerie (Hg.), Chemnitz 1994.
  • Carl-Heinz Westenburger – Landschaft eines Lebens, Neue Sächsische Galerie (Hg.), Chemnitz 1995.
  • Meta Keppler, Neue Chemnitzer Kunsthütte (Hg.), Chemnitz 1996.
  • Hans Brockhage – Das Große Weiß, Neue Sächsische Galerie (Hg.), Chemnitz 1996.
  • Die Großen Alten, Neue Sächsische Galerie (Hg.), Chemnitz 1996.
  • Die Großen Alten II, Neue Sächsische Galerie (Hg.), Chemnitz 1997.
  • Kalenderblätter: „Sächsische Ansichten“, Chemnitzer Künstlerbund (Hg.), Chemnitz 1998.
  • Herta Günther, Neue Sächsische Galerie (Hg.), Chemnitz 1999.
  • Rüdiger Philipp Bruhn, Neue Sächsische Galerie (Hg.), Chemnitz 1999.
  • Künstlergruppe Chemnitz 1907–1932, Neue Chemnitzer Kunsthütte (Hg.), Chemnitz 1999.
  • Sitzen auf Holz, Neue Sächsische Galerie (Hg.), Chemnitz 1999.
  • Klaus Hirsch, Neue Sächsische Galerie (Hg.), Red. Ballarin/Hirsch, Chemnitz 2000.
  • Michael Morgner – Tauwetter, Neue Sächsische Galerie (Hg.), Chemnitz 2000.
  • Otto Müller-Eibenstock – Sein Weg von der textilen zur abstrakten Kunst, Neue Sächsische Galerie (Hg.), Red. Herrmann/Ballarin, Chemnitz 2000.
  • Die Bedeutung der Neuen Chemnitzer Kunsthütte und der Neuen Sächsischen Galerie für die Kunst der Region – tabulis probatus. In: Ostragehege 8/2001, S. 5–9.
  • Projekt 02 – Kunst des Kulturraumes Erzgebirge, Kulturkonvent des Kulturraumes Erzgebirge (Hg.), Red. Ballarin/Hirsch, Stollberg 2002.
  • Heinz Tetzner – Aquarelle aus den Jahren 1946 bis 2001, Neue Sächsische Galerie (Hg.), Red. Tetzner/Ballarin, Chemnitz 2002.
  • Konzert der Künste, Jubiläumsausgabe, Sparkasse Chemnitz (Hg.), Chemnitz 2005, mit 23 Werkbesprechungen von Werner Ballarin (Werke von Carlfriedrich Claus bis Axel Wunsch).
  • Faszination Kaßberg: ein Chemnitzer Stadtteil im Spiegel seiner Bauwerke. Verlag Heimatland Sachsen. Chemnitz 2005, ISBN 3-910186-53-X.

Literatur

  • Hans Dietrich Lindstedt (Hg.): Pro arte Saxoniae – Werner Ballarin zum Siebzigsten, Engelsdorfer, Leipzig 2006.
  • Heinz Hammer: Objektiv – Subjektiv – in Chemnitz fotografiert von Heinz Hammer, Mironde, Niederfrohna 2012, ISBN 978-3-937654-72-0, S. 6 f.

Einzelnachweise

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