Wernerbad
Freibad im Berliner Ortsteil Kaulsdorf
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Geschichte
Der Katzenstertpfuhl war ein Toteisloch, also ein kleines in der letzten Eiszeit entstandenes natürliches Gewässer. Aus dem Pfuhl wurde 50 Jahre lang Erde für eine Ziegelei entnommen, sodass der See stetig tiefer wurde. Der See und das gesamte Land gehörte im 19. Jahrhundert dem Großbauern August Giese aus Kaulsdorf, der eine Teilfläche samt dem See, damals auch Achrutenpfuhl genannt, im Jahr 1899 an den Kaulsdorfer Landwirt Wilhelm Werner (1877–1915) verkaufte.[1] Dort eröffnete Werner 1901 die Gaststätte Badeschlösschen und im Jahr 1905 eine Badeanstalt, die bald Wernerbad genannt wurde. Der Katzenstertpfuhl heißt seitdem Wernersee. Am 12. August 1905 gründete sich hier der Kaulsdorfer Schwimmverein Wetterfest; das Datum gilt als offizielle Eröffnung des Bades. Im Sommer gab es Schwimmunterricht für die Kaulsdorfer Kinder, im Winter verwandelte sich der See in eine Natureisbahn. Vier Jahre später gab es am See neben dem Badeschlösschen noch Umkleidekabinen, einen großen Vereinssaal und einen großen Garten.[2] Zum Ende des Zweiten Weltkriegs, 1945 wurde der Badebetrieb eingestellt.[3]
Im Jahr 1951 übernahm der Ost-Berliner Magistrat das Gelände.[2] In den Jahren 1957–1959 wurde das Freibad Wernersee im Rahmen des NAW wieder benutzbar gemacht und am 15. August 1959 eröffnet.[4] Es verfügte über acht 50-Meter-Bahnen sowie Abteilungen für Schwimmer und Nichtschwimmer. Auf dem Freigelände befanden sich Sportplätze, ein Kinderspielplatz und die nun vom Konsum betriebene kleine Gaststätte.[5] Zudem gab es eine steinerne Pinguingruppe und die Skulptur eines Flusspferdes, die bald als Maskottchen der Freibadeanstalt galten. Beide Kunstwerke hatte der Bildhauer Erwin Kobbert in den 1950er Jahren geschaffen,[6] das Flusspferd steht noch heute in einem Schilfgürtel am Uferstreifen.[7]
Infolge der deutschen Wiedervereinigung und einem politischen Systemwechsel ging der See 1990 in das Eigentum des Berliner Senats über. Dieser übertrug die Badeanstalt und die zugehörigen Einrichtungen vermutlich dem Bezirk Marzahn, ab 1996 betrieben die Berliner Bäderbetriebe das Wernerbad. Im Jahr 2002 wurde es geschlossen, weil die baulichen, technischen und hygienischen Ausstattungen nicht mehr den Standards entsprachen. Die Natur eroberte sich Flächen zurück, die Bauwerke wurden Opfer von Vandalismus. Jahrelang versuchte die Bezirksverwaltung, das Bad zu reaktivieren,[8] auch mit Hilfe des 1996 gegründeten Bürgervereins ‚Freunde des Wernerbades e. V.‘. Für die Umsetzung fand sich kein Interessent und kein Geldgeber.
Das Berliner Abgeordnetenhaus beschloss 2013, das Gelände, zuvor eine reine Sportfläche, umzuwidmen und einen Bebauungsplan aufzustellen. Vorgesehen war ein Komplex für Demenzkranke mit Restaurant und medizinischen Einrichtungen auf der Fläche, wobei das Ostufer des Wernersees öffentlich zugängig bleiben sollte.[9] Die BIM teilte im Juli 2018 mit, es habe keine zuschlagsfähigen Angebote von Investoren gegeben.[10] Daraufhin kündigte eine Investorengruppe an, gegen diese Entscheidung zu klagen.[11] Das weitere Schicksal des Geländes ist unklar.
Weblinks
- André Winternitz: Wernerbad. Bei: rottenplaces.de, 25. September 2014.
- Felipe Tofani: Fotos und Text zum Wernerbad, 23. August 2017 (englisch).
- Das vergessene Wernerbad in Mahlsdorf. Bei: pixelgranaten.de/fotografie/lost-places, abgerufen am 27. März 2019.
- Foto der Nilpferd-Skulptur mitten im Bad. Aufnahme aus dem Jahr 1971.
