Wigerig

Person der Merowingerzeit From Wikipedia, the free encyclopedia

Wigerig war eine Person der Merowingerzeit, die durch die Erwähnung auf einer reich verzierten Fibel aus dem späten 6. oder frühen 7. Jahrhundert bekannt ist. Die Inschrift mit der Nennung Wigerigs befindet sich auf der Rückseite einer reich dekorierten, silbervergoldeten Bügelfibel, der „Fibel von Wittislingen“.

Fränkische Bügelfibel (gefertigt um 600, Bestattung um 650), die „Fibel von Wittislingen“

Die Fibel wurde in 1881 einem reich ausgestatteten alamannischen Grab einer Frau in einem Reihengräberfeld in Wittislingen (Landkreis Dillingen an der Donau, Schwaben) gefunden. Als sie um die Mitte des 7. Jahrhunderts in dieses Grab gelangte, war sie bereits ein „Altstück“. Die Fibel bildet sowohl in künstlerischer Hinsicht und durch ihre Größe als durch ihre ausführliche Inschrift ein Einzelstück.

Die lateinische Inschrift basiert vermutlich auf dem Text einer zeitgenössischen Grabinschrift für eine Uffila, die wohl als junges Mädchen gestorben ist. Der Text auf der Fibel enthält in seinem unteren Teil die Buchstabenfolge „WIGERIG EET“, was meist als Verschreibung für „WIGERIG FET“ (FET statt „FECIT“, „hat gemacht“) interpretiert wird. Auf Basis dieser Formulierung wurde Wigerig teilweise als Hersteller der Fibel und somit als Metallhandwerker (Toreut) interpretiert. Aufgrund einiger stilistischer Merkmale der Fibel sowie aufgrund der Namensform wurde weiter angenommen, dass dieser Handwerker Wigerig in einer rheinischen Werkstatt zwischen Worms und Köln tätig war. Diese gesamte Interpretation ist jedoch nicht eindeutig, da erstens „... fecit“ bei vielen frühmittelalterlichen Inschriften nicht den Hersteller, sondern den Auftraggeber und Finanzier eines Gegenstandes bezeichnet und da zweitens das „WIGERIG EET“ eine Übernahme von der ursprünglichen Grabinschrift gewesen sein könnte. Somit wäre Wigerig in diesem Fall ein naher Angehöriger der verstorbenen Uffila gewesen, der den anzunehmenden Grabstein errichten und die Fibel anfertigen ließ.[1]

Literatur

  • Joachim Werner: Das alamannische Fürstengrab von Wittislingen (= Münchener Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 2). C. H. Beck, München 1950, S. 15–23. 65–72 Taf. 1–2 (Lesung der Inschrift von Bernhard Bischoff).
  • Klaus Düwel: Runische und Lateinische Epigraphik. In: Klaus Düwel (Hrsg.): Runische Schriftkultur in kontinental-skandinavischen und -angelsächsischen Wechselbeziehungen. De Gruyter, Berlin/New York 1994, S. 274–275.
  • Raymund Gottschalk: Wigeric. In: Rainer Vollkommer (Hrsg.): Künstlerlexikon der Antike. Band 2. K. G. Saur, München / Leipzig 2004, ISBN 3-598-11412-5, S. 518.
  • Brigitte Haas-Gebhard: Die große Bügelfibel von Wittislingen, Lkr. Dillingen a. d. Donau (Bayerisch-Schwaben). In: Bayerische Vorgeschichtsblätter. Band 87, 2022, S. 43–92.

Einzelnachweise

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