Wikiwand AI

Wikingerkriegerin von Birka

Wikinger Kriegerin aus dem 10. Jahrundert From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Schildmaid von Birka (auch Kriegerin von Birka) wird eine Person bezeichnet, deren skelettierte Überreste in der Grabkammer Bj 581 in Birka (Schweden) gefunden wurden. Aufgrund der Waffenbeigaben gingen Archäologen zunächst davon aus, dass es sich um das Grab eines männlichen Kriegers handele.[1] Eine osteologische Analyse im Jahr 2014 und ein DNA-Test im Jahr 2017 ergaben jedoch, dass die Überreste des Skeletts eindeutig von einer Frau stammen.[2]

Archäologische Befunde

Zeichnung des Grab Bj 581 in Birka, Schweden, veröffentlicht 1889. Man sieht eine Grabkammer mit einem Skelett und vielen Waffen.
Zeichnung des Grab Bj 581 in Birka, Schweden, veröffentlicht 1889

Der gesamte Inhalt des Grabes Bj 581 wurde erstmals 1878 von dem Archäologen Hjalmar Stolpe dokumentiert und einige Jahre später öffentlich bekannt. Stolpe hatte 1100 Ausgrabungen von Gräbern in Birka veranlasst und beschrieb Bj 581 bei der Königlichen Akademie als das wohl außergewöhnlichste Grab in dem gesamten Gebiet.[3]

Das durch Anne-Sofie Gräslund näher skizzierte Grab Bj 581 war eine im Untergrund gelegene Grabkammer aus Holz, mit einer Länge von 3,45 Metern und einer Breite von 1,75 Metern. In ihr befanden sich ein menschliches Skelett, zwei Pferdeskelette, eine große Anzahl an Waffen sowie ein Beutel mit Spielsteinen, einem Würfel und einem Spielbrett. Das Skelett war von einer ursprünglich sitzenden Position zur Seite gefallen, worauf die Position der Steigbügel hindeutete.

Die Tote war in einen Reitmantel gekleidet, der aus mit Silberfäden dekorierter Seide gefertigt war und trug eine dazu passende Seidenkappe mit silbernen Ornamenten.[4]

Die Waffen sind mittlerweile Teil der Sammlung des Staatlichen historischen Museums von Schweden und beinhalten ein zweischneidiges Schwert, (Spatha), ein Sax, ein Kampfmesser, sowie zwei Schilde und 25 Pfeile, mit denen auch Rüstungen durchdrungen werden konnten. Die Waffen wurden – im Kontext der damaligen Zeit – als hochwertig ausgeführte Stücke bewertet, die eine Person gehörten, die sowohl im Nahkampf als auch als Bogenschütze Erfahrung hatte.[5]

Bei den Pferden handelte es sich um eine Stute und einen Hengst. Die Pferde wurden auf ihrem Bauch und mit gefalteten Beinen positioniert.

Das Grab befindet sich am äußeren Bereich des Grabfeldes, außerhalb des Nordtors der befestigten Struktur auf einem Hügel und angrenzend zu dem vom Wald in die Stadt führenden Hauptweg. Es liegt von allen Gräbern am westlichsten auf einem hohen Steinfelsen, von dem man auf einen See herunterblicken kann. Zusätzlich wurde das Grab mit einem von der Siedlung und vom See aus gut sichtbaren großen Felsen markiert.[3][6]

Methodische Untersuchung des Skeletts

Das besondere am Grab Bj 581 ist vor allem, dass dieses Grab sehr gut erhalten ist und ein ebenso gut erhaltenes Skelett aufweist. Das Skelett wurde mithilfe einer osteologischen Analyse untersucht. Das heißt, dass die Knochen anhand ihrer Struktur und bestimmten baulichen Erkennungsmerkmalen eingeordnet wurde. Die osteologische Analyse orientiert sich an einer Standardmethode für morphologische Indikatoren.[2][7] Die Befunde deuten darauf hin, dass die Person zum Zeitpunkt ihres Todes über 30 Jahre alt gewesen sein muss. Der Hüftknochen ist eher breit ausgeprägt. Des Weiteren sollen die Knochen eher lang und schmal sein. Das Skelett weist keine Anzeichen einer früheren Verletzung auf.

Mögliche Interpretationen

Der Befund der DNA-Analyse, dass das Skelett weiblich ist, wurde zusammen mit der Schlussfolgerung veröffentlicht, dass es sich um die Überreste einer Wikingerkriegerin handele.[8] Kritik an dieser Studie wurde unter anderem von Judith Jesch geäußert: So stütze sich die Studie ihrerseits auf einen 2013 veröffentlichten Artikel über eine durchgeführte osteologische Analyse, der mit einer Schlussfolgerung ende, welche die Zugehörigkeit der weiblichen Knochen zu dem Grab von Birka offenlasse. Diese Schlussfolgerung erklärte Jesch damit, dass die Gräber zum größten Teil im 19. Jahrhundert ausgegraben worden seien und demnach einige Unklarheiten über die Zuordnung einiger Knochen bestünden. Dies finde jedoch keine Erwähnung in der auf diesem Artikel aufbauenden Studie. Auch würden die Autorinnen und Autoren der Studie selbst zugestehen, dass das Skelett keinerlei Verletzungen durch Waffen oder sonstige Anzeichen kriegerischer Betätigung aufweise. Alternative Erklärungsversuche würden in der Studie nicht verfolgt, doch sei es aus archäologischer Sicht durchaus denkbar, dass eine Frau mit Ausrüstung eines Kriegers beigesetzt worden sei, obwohl sie selbst zu Lebzeiten keine Kriegerin gewesen sei.[9] Zunächst äußerte auch der Mittelalterarchäologe Matthias Toplak Zweifel an der Authentizität des Fundes.[10]

Bei der Erstveröffentlichung von der DNA-Analyse, gab die Autorengruppe bekannt, dass die reichen Grabbeigaben auf eine Person von hohem sozialem Status hindeuten würden und die Geschlechtsidentität dieser Person unbekannt sei. Ihre Interpretation war damals dennoch eindeutig: „Unserer Meinung nach war Bj. 581 das Grab einer Frau, die als professionelle Kriegerin lebte und in einer kriegerischen Umgebung als hochrangiges Individuum bestattet wurde.“ (In our opinion, Bj.581 was the grave of a woman who lived as a professional warrior and was buried in a martial environment as an individual of rank.)[3]

In einer Neubetrachtung kam Toplak dagegen zu dem Ergebnis, dass die Frau zwar genetisch weiblich war, jedoch im Habitus eines männlichen Kriegers gekleidet war und "offensichtlich als Mann beigesetzt" worden war. Dies leitet er vom Vorhandensein folgender Elemente ab, die traditionell als Männertracht getragen wurden; der Ringfibel, dem langen Reiterkaftan und den silbernen Verzierungen der Kopfbedeckung. Toplak möchte dennoch kein Urteil darüber fällen, ob die Wikingerkriegerin von der Gesellschaft als weibliche Kriegerin wahrgenommen wurde, oder möglicherweise als Mann, da sie sich wie ein Mann kleidete.[11]

Populäre Interpretationen bringen den Grabfund mit dem Begriff Schildmaid in Verbindung, der aus der altnordischen Literatur bekannt ist und unter anderem kämpfende Frauen bezeichnet.

Commons: Wikingerkriegerin von Birka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks