Wilhelm Burmeister
deutscher Kulturpolitiker während der Zeit des Nationalsozialismus
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Wilhelm Burmeister (* 31. Dezember 1905 in Berlin; † 9. September 1983 in Bad Tölz) war ein deutscher Kulturpolitiker. Während der Zeit des Nationalsozialismus war er Leiter des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD).
Werdegang
Burmeister stammte aus bürgerlichen Berliner Verhältnissen. Nach dem Abitur studierte er von 1924 bis 1929 Rechtswissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Geschichte und Philosophie in Berlin und Kiel. 1926 trat er dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund bei, dessen Führung er in Kiel übernahm. 1929 legte er das erste juristische Staatsexamen ab und absolvierte daraufhin das Rechtsreferendariat.
Am 1. Juli 1931 trat Burmeister schließlich der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 609.969). 1932 und 1933 gehörte er für die NSDAP in der 7. und 8. Wahlperiode dem Landtag des Freistaates Mecklenburg-Schwerin an. 1933 legte er das zweite juristische Staatsexamen ab, nahm im Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung eine Tätigkeit auf und wurde noch im selben Jahr Regierungsrat. 1933 trat er aus der NSDAP aus, trat ihr aber im Folgejahr erneut bei.[1] Zudem trat er dem NS-Rechtswahrerbund, der NS-Volkswohlfahrt und der SA bei, bei der er bis zum Sturmführer aufstieg.
1934 wurde Burmeister Oberregierungsrat im neu gegründeten Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung. Zu diesem Zeitpunkt war die Eingliederung des DAAD in das Reichserziehungsministerium bereits in die Wege geleitet; zuvor war die Organisation noch enger an das Auswärtige Amt angebunden. Burmeister trieb die Neuausrichtung des DAAD weiter voran und festigte sie institutionell. Im Juli 1934 übernahm er schließlich nach der Absetzung und Verhaftung des DAAD-Geschäftsführers Adolf Morsbach im Zuge des Röhm-Putsches zunächst kommissarisch die Leitung des DAAD, bevor er ein Jahr später zu dessen hauptamtlichem Leiter ernannt wurde. In dieser Position versuchte Burmeister, die auswärtige Kulturpolitik zu zentralisieren. Er verhinderte eine Eingliederung des DAAD in den NS-Studentenbund und stärkte stattdessen dessen Bindung an das Reichserziehungsministerium. Er richtete den DAAD dabei ideologisch im Sinne der kultur- und bildungspolitischen Leitlinien des Reichserziehungsministeriums, die auf einer völkischen Weltanschauung und der Erziehung im Sinne des Nationalsozialismus basierten, aus.
Mit dem wachsenden Einfluss von Außenminister Joachim von Ribbentrop und dem gleichzeitigen Bedeutungsverlust des Reichserziehungsministeriums unter Bernhard Rust veränderten sich die Rahmenbedingungen für Burmeisters Wirken ab 1937. Dadurch wurde auch Burmeisters Position zunehmend untergraben, dessen Wirkmacht durch mehrere krankheitsbedingte Ausfälle zu dieser Zeit zusätzlich eingeschränkt wurde. 1938 wurde er für einige Monate zum Reichskommissar in Österreich, Wilhelm Keppler, versetzt, verblieb jedoch noch offiziell in der Position des Leiters des DAAD. Im Frühjahr 1939 beschwerte sich das Auswärtige Amt beim Reichserziehungsministerium, Burmeister habe keinen Rückhalt beim NS-Lehrerbund, beim Reichsjugendführer und beim Reichsstudentenführer. Von 1939 bis 1941 war Burmeister, erneut unter offizieller Beibehaltung seines Leitungsamts beim DAAD, Leiter des Ministerbüros im Reichserziehungsministerium und persönlicher Referent von Minister Bernhard Rust. 1940 wurde er zum Ministerialrat befördert. Die operativen Aufgaben beim DAAD übernahm zu dieser Zeit zunehmend Burmeisters Stellvertreter Herbert Scurla.
1941 wechselte Burmeister zum Reichskommissariat Ostland, wo er als Leiter der Zentralabteilung beim Reichskommissar in Riga, Hinrich Lohse, mit der Koordination und Steuerung der zivilen Verwaltung in den besetzten Gebieten betraut wurde. Erst 1942 schied Burmeister ganz aus dem DAAD aus, der schließlich vollständig durch die Reichsstudentenführung übernommen wurde. Die Aufgabe beim Reichskommissariat Ostland nahm er bis Anfang 1945 wahr, bevor er für wenige Monate bis zum Kriegsende erneut Büroleiter von Reichserziehungsminister Rust war. Anschließend war er bis 1946 im Internierungslager Gadeland interniert.
Im Nachkriegsdeutschland war Burmeister zunächst von 1946 bis 1948 stellvertretender Geschäftsführer einer Konserven- und Marmeladenfabrik in Hamburg und Winsen (Luhe). 1947 wurde er in einem Spruchkammerverfahren als „entlastet“ eingestuft. Von 1948 bis 1950 war er Geschäftsführer und Vermögensverwalter der Chiron-Werke in Tuttlingen. Daraufhin gründete er 1950 zwei Außenhandelsfirmen in Tuttlingen, deren Mitinhaber er bis 1956 blieb. 1957 zog er nach West-Berlin, wo er zunächst als Unternehmensberater und ab 1963 als Rechtsanwalt tätig war.
1966 zog Burmeister nach Lenggries. Er verbrachte seinen Lebensabend in Oberbayern, wo er 1983 in Bad Tölz starb.
Einordnung
Der Historiker Volkhard Laitenberger beschrieb Burmeister als qualifizierten Verwaltungsjuristen und „Mann von rascher Auffassungsgabe und Improvisationstalent“. Burmeister galt als überzeugter Nationalsozialist. In den DAAD-Stipendiaten sah er in erster Linie Botschafter der NS-Ideologie im Ausland. In einer Rede vor DAAD-Geförderten im Jahr 1936 formulierte er seine Erwartung an die deutschen Studenten im Ausland: Sie sollten als „Vertreter des jungen nationalistischen Deutschlands, Träger des deutschen völkischen Geistes“ agieren. „In Ihnen sieht das Ausland eine lebendige Funktion des Nationalsozialismus und was Sie tun und sagen, das ist vom Ausland her gesehen der Nationalsozialismus selbst.“ In Aufsätzen grenzte er sich scharf von Ideen der Aufklärung, des Humanismus und eines „beziehungslosen Bildungsrelativismus“ ab. Bildung bedeutete für ihn vor allem Dienst an der „Volksgemeinschaft“. Gemma Pörzgen sieht Burmeisters Rolle im DAAD als exemplarisch für die Instrumentalisierung des Austauschs im Dienste nationalsozialistischer Ideologie an.[2]
Literatur
- Michael Grüttner: Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik (= Studien zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte. Band 6). Synchron, Heidelberg 2004, ISBN 3-935025-68-8, S. 33
- Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 90.
- Volkhard Laitenberger: Akademischer Austausch und auswärtige Kulturpolitik. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) 1923–1945 (= Quellensammlung zur Kulturgeschichte. Bd. 20). Muster-Schmidt, Göttingen/Frankfurt am Main/Zürich 1976, ISBN 3-7881-1221-2.
Weblinks
- Wilhelm Burmeister auf der Website des Projekts Beamte nationalsozialistischer Reichsministerien
- Gemma Pörzgen: Wilhelm Burmeister: Akademischer Austausch im Dienst nationalsozialistischer Außenpolitik. In: daad.de. 20. Juli 2026.