Wilhelm German
deutscher Verleger und Heimatforscher (1858-1933)
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Wilhelm German (geboren am 2. April 1858 in Schwäbisch Hall; gestorben am 26. März 1933 ebenda) war ein deutscher Archivar, Historiker, Kunsthistoriker, Schriftsteller und Verleger sowie Heimatforscher des Historischen Vereins für Württembergisch Franken.
Leben
German war das älteste Kind des Buchbinders Friedrich Wilhelm German (7. April 1824 – 5. Februar 1884) und dessen Frau Susanne Dorothea Magdalene (geborene Ebert; 17. November 1836 – 17. April 1916). Er besuchte zunächst ab 1867 die Collaboraturklasse, dann bis 1873 die Real- oder Oberrealschule, ab 1874 die gewerbliche Fortbildungsschule. Bereits ab 1873 arbeitete er als Gehilfe in der Buchhandlung seines Vaters mit. 1875 reiste er nach Zürich, um dort seine Ausbildung in der Buchhandlung Meyer & Zeller fortzusetzen. In dieser Zeit veröffentlichte er einige Gedichte in der Zeitschrift Deutscher Dichterfreund. Er schloss seine Ausbildung in München in der Hofbuchhandlung von Theodor Ackermann ab. Im Juli 1878 kehrte er nach Schwäbisch Hall zurück, um sich für den einjährig freiwilligen Dienst mustern zu lassen. Er wurde jedoch als untauglich befunden. Als Anhänger der Dichtkunst reiste German im Jahr 1880 nach Marbach am Neckar, um dort am 30. September das Schiller-Museum zu besuchen. Nach dem Tod des Vaters wurde er 1884 Prokurist in der von seiner Mutter fortgeführten Buchbinderei und Sortimentsbuchhandlung. Am 1. März 1888 ging die Sortimentsbuchhandlung durch den Verkauf von seiner Mutter an ihn über und er wurde Geschäftsführer. 1890 begab er sich von August bis September aus gesundheitlichen Gründen in die Schweiz, um in Lungern eine Kur zu machen.
1894 erwarb er von seiner Mutter das dreistöckige Wohn- und Geschäftshaus in der damaligen Spitalstraße 481 und gründete dort den „Wilhelm German’s Verlag“. 1899 veröffentlichte German in seinem Verlag eine Biografie über den fränkischen Dichter, Mathematiker und Buchdrucker Stephan Heuss (1804–1868).[1] Er verfasste und sammelte auch mundartliche Gedichte und Geschichten,[2] die er unter anderem dem Titel Ba da Haller Doovelich! Gedichte, Erzählungen und Redensarten in Haller Mundart[3] herausgab oder Beiträge zu Künstlern für das Allgemeine Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Im Mai 1926 wurde ihm die freigewordene Stelle des Archivars und Bibliothekars übertragen.
Familie
German war seit dem 11. Februar 1888 mit Sophie Maria (geborene Sammet; 9. November 1863 – 4. Dezember 1916) verheiratet, die vom Hofgut Oberlimpurg oberhalb der Stadt stammte. Das Paar hatte nur ein einziges Kind.
- Wilhelm German (18. März 1896 – 28. August 1983) wurde Physiklehrer[4]
- Rüdiger German (1926–2016)
Sein jüngerer Bruder Robert German (1866–1941),[5] der in den 1880er Jahren in die Vereinigten Staaten ging, war dort als Porträt- und Stilllebenmaler tätig.
Ehrungen (Auswahl)
- 24. September 1922: Ehrenmitglied des „Historischen Vereins für Württembergisch Franken“
- Ehrenmitglied des Vereins der Geflügel- und Vogelfreunde
Schriften (Auswahl)
- Der fränkische Dichter und Bauer, Mathematiker und Buchdrucker Stephan Heuß. Ein Lebensbild. Wilhelm German’s Verlag, Schwäbisch Hall 1899 (digitale-sammlungen.de – gewidmet dem Dichter Christian Wagner).
- Chronik von Schwäbisch Hall und Umgebung – von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart; Haus- und Familienbuch. Wilhelm German’s Verlag, Schwäbisch Hall 1901.
- Führer durch Schwäb. Hall (Solbad) und Umgebung. Wilhelm German’s Verlag, Schwäbisch Hall 1904.
- Jesus von Nazareth : ein historisches Lebensbild. Wilhelm German’s Verlag, Schwäbisch Hall 1904.
- Der Buchhändler Johannes Rynmann von Öhringen 1460–1522. In: Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte. Neue Folge 23, Kohlhammer, Stuttgart 1914, S. 155–194 (Textarchiv – Internet Archive).
- Geschichte der Buchdruckerkunst in Schwäbisch Hall bis Ende des 17. Jahrhunderts. In: Württembergisch Franken. Neue Folge Band 11, Schwäbisch Hall 1914.
In Germans Verlag erschienen (Auswahl)
- von Gaupp: Die warnende Ahnfrau oder die letzten Tage der Geyersburg (bei Hall). 1893.
- Ba da Haller Doovelich! Gedichte, Erzählungen und Redensarten in Haller Mundart. 1896.
- Friedrich Greiner: A Sträußle für di! – Gedichte aus dem Schwabenland. 1897 (digitale-sammlungen.de).
- Leonhard Hoffmann: Der Schwarze von Orlach – der Heiretsdooch, d’Hochzet, d’Kindsdaaf, in der Vorsetz – Volkssage und Volksleben. 1899.
- Marsch- und Tanz der Salzsieder zu Hall. Aus dem 15. Jahrhundert. In großer Klavierkomposition von Hans Deuschle.
- Friedrich Norden: Hans von Stetten und die schöne Agathe oder Die Rache der Haller Stadtmeisterin.
Literatur
- August Holder: Pflege der Volkskunde und mundartlichen Dichtung in Württembergisch Franken. Begründet von Anton Birlinger und Fridrich Pfaff. In: Alemannia. Zeitschrift für Sprache, Kunst und Altertum besonders des alemannisch-schwäbischen Gebiets. Band 23. P. Hansteins Verlag, Bonn 1895, S. 261–265 (Textarchiv – Internet Archive).
- Rüdiger German: Wilhelm German 1858–1933. Buchhändler, Verleger, Stadtarchivar und Autor in Schwäbisch Hall. In: Württembergisch Franken. Band 87, Nr. 1531, Schwäbisch Hall 2003, S. 203–224 (journals.wlb-stuttgart.de).
- Rüdiger German: Haller Ahnen des Stadtarchivars Wilhelm German: Zur 150. Wiederkehr seines Geburtstags am 2. April 1858. In: Württembergisch Franken. Nr. 90/91, Schwäbisch Hall 2006, S. 361–374 doi:10.53458/wfr.vi90/91.4856.