Wilhelm Haenel

deutscher Ingenieur From Wikipedia, the free encyclopedia

Wilhelm Walter Ernst Haenel (* 28. März 1891 in Eberswalde (Brandenburg); † 4. Dezember 1966) war ein deutscher Ingenieur und während der NS-Zeit in führender Position an den „wilden Arisierungen“ im Salzkammergut beteiligt.[1]

Grabstein am Friedhof Bad Ischl: Wilhelm „Willy“ Haenel zwischen seiner ersten und zweiten Frau

Leben

Haenel wuchs in der Stadt Charlottenburg auf, leistete Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg und schloss 1923 die Schinkelsche Bauakademie in Berlin mit der Ingenieursprüfung ab. Anschließend war er bei den Städtischen Gaswerken im Berliner Bezirk Charlottenburg tätig. 1924 heiratete er hier die 21 Jahre ältere Pianistin Gabriela (genannt Ella) Pancera. 1926 übersiedelten beide nach Bad Ischl, wo Ella Pancera eine Villa besaß, die sie von ihrem Musiklehrer Josef Vockner erworben hatte. 1927 begann Haenel in Bad Ischl mit der Erzeugung von Likör und betrieb auch eine Landwirtschaft. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1932 betätigte er sich vorwiegend als Zimmervermieter.

1935 wurde Haenel für die Auslandsorganisation der NSDAP tätig. Zum 1. Dezember 1936 trat er der Partei regulär bei (Mitgliedsnummer 3.771.717).[2] Nach dem „Anschluss Österreichs“ trat er als „Beauftragter der Partei“ für den Verkauf jüdischer Besitzungen im Salzkammergut auf. In dieser Funktion profilierte er sich als skrupelloser „Arisierer“, der beim Verkauf jüdischen Besitzes besonders effiziente erpresserische Methoden anwandte. Haenel war einer der Hauptverantwortlichen für die „wilden Arisierungen“ im Salzkammergut.[1] Seine Verbündeten in Bad Ischl waren der Sparkassen-Direktor Anton Kaindlsdorfer und der Rechtsanwalt Franz Konrad.[3]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Haenel vom amerikanischen Counter Intelligence Corps (CIC) verhaftet. Von 1945 bis 1949 war er in verschiedenen Lagern (Bad Ischl, Ludwigsburg, Moosburg, Dachau, München) interniert. Die Lagerspruchkammer Dachau stufte ihn 1948 als „minderbelastet“ ein.

Haenel heiratete 1958 in Bad Ischl ein zweites Mal (Johanna Vesseli)[4] und lebte mit seiner Frau in der von Ella Pancera geerbten Villa in der Concordiastraße. Dort entstand das Haenel-Pancera-Familienmuseum[5] mit – aus heutiger Sicht – Exponaten von fragwürdiger Provenienz (Nazi-Raubkunst). Das Museum wurde bis in die 2000er Jahre von seiner Witwe (1916–2007)[6] betrieben. Seither sind Museum und Villa verwaist.

Literatur

  • Marie-Theres Arnbom: Die Villen von Bad Ischl. Wenn Häuser Geschichten erzählen. Wien 2017, S. 164ff.
  • Ingrid Nowotny: Das Haenel-Pancera Familienmuseum in Bad Ischl, in: David. Jüdische Kulturzeitschrift, 33. Jg., Nr. 129, Juni 2021, S. 40–43.
  • Thomas Trenkler: Der Nazi-Erpresser von Bad Ischl. In: Kurier. 6. August 2017 (Online [abgerufen am 18. Januar 2026]).
  • Nina Höllinger: Vermögensentzug („Arisierungen“) an jüdischen Liegenschaften in Bad Ischl. In: Zeitgeschichte Museum Ebensee (Hrsg.): Betrifft Widerstand Nr. 92. Juli 2009, S. 19–25 (Download PDF; 1,7 MB [abgerufen am 20. Januar 2026]).
Commons: Wilhelm Haenel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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