Wilhelm Pabst (Paläontologe)
deutscher Paläontologe, Gymnasiallehrer, Kustos
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Wilhelm Pabst (* 30. August 1856 in Gotha; † 22. September 1908 in Jena) war ein deutscher Meteorologe, Paläontologe und einer der Mitbegründer der Palichnologie.
Leben und Werk
Wilhelm Papst wurde als Sohn eines Geheimen Regierungsrat Julius Pabst und seiner Ehefrau Emilie, geb. Scheibner in Gotha geboren. Von 1867 bis 1875 besuchte er das Gymnasium Ernestinum in Gotha. Nach seinem Schulabschluss diente er als "Einjährig-Freiwilliger" in Göttingen.[1] Anschließend studierte er in Göttingen und seit 1876 in Leipzig Naturwissenschaften, Chemie und Mathematik.[2] 1879 promovierte er in Leipzig zum Dr. phil mit dem Thema Untersuchungen von chinesischen und japanischen zur Porzellanfabrikation verwandten Gesteinsvorkommnissen.[3] Im November 1880 legte er seine Staatsprüfung ab. In den Jahren 1881–82 absolvierte er sein Probejahr am Königlichen Gymnasium in Dresden. 1882 bis 1889 war er als Erster Oberlehrer und stellvertretender Direktor an der Landwirtschaftsschule in Marggrabowa angestellt.
Ostern 1889 trat er die Nachfolge von Otto Burbach als Kustos der naturhistorischen Sammlungen am Gothaer Herzoglichen Museum an.[3] Darüber hinaus war er zunächst von 1890 bis 1896 als Lehrer an der Höheren Handelsschule tätig. Seit 1891 war er zunächst als Vertretungslehrer, seit 1899 als Hilfslehrer und schließlich seit 1901 als Oberlehrer für naturwissenschaftliche Fächer im Gymnasium Ernestium in Gotha angestellt.[4] Am 19. Juli 1902 wurde ihm der Professorentitel verliehen.[2]
Die ersten Funde von Fährten früher Landwirbeltiere in Tambach-Dietharz kamen 1886 dem Gothaer Paläontologen Heinrich Friedrich Schäfer (1839–1930) zur Kenntnis, der sie gemeinsam mit Otto Burbach für das Gothaer Herzogliche Museum erwarb. Pabst erweiterte durch eigene Funde die Sammlung von Fährten des Museums. Auf Jahrestagungen der Deutschen Geologischen Gesellschaft stellte Pabst seinen Forschungsstand einem Fachpublikum vor, auch mit dem Ziel, Werbung für den Verkauf von sog. "Dubletten"-Platten zu machen.[5]
Ein Teil der Funde wurde an andere Museen und Sammler verkauft, unter anderem, um die wissenschaftliche Erforschung und den Ankauf weiterer Platten zu finanzieren.[6] Der Verkauf wurde über die Mineralien-Niederlage der Königlich-Sächsischen Bergakademie zu Freiberg abgewickelt, die für die Dienstleistung einen Anteil am Verkaufspreis erhielt.[5] Bedeutende geowissenschaftliche und paläontologischen Sammlungen erwarben in dieser Zeit Fundstücke aus Tambach-Dietharz, u. a. das Museum für Naturkunde in Berlin (1896 für 40 Mark), das Königliche Mineralogische Museum in Dresden (1897, drei Platten für 100 Mark), das Senckenbergmuseum in Frankfurt am Main (1898 für 40 Mark), die Preußische Geologische Landesanstalt (1898 für 150 Mark), das Naturhistorische Museum Wien (drei Platten, 1898), das Joanneum Graz (1898 für 75 Mark) und das British Museum (1898 für 150 Mark) in London.[5][7]

Pabst erwarb allein 180 Fährtenplatten vom Bromacker und war an der ersten wissenschaftlichen Erkundung der Fossillagerstätte in Tambach-Dietharz beteiligt, in der Fährten von Landwirbeltieren (Tetrapoden) aus dem unteren Perm (Bromacker-Sandstein, Tambach-Formation 294 Mya) gefunden wurden.[8] In Europa ist die Fundstelle einzigartig. Im Bromacker wurden später auch Skelette gefunden, die auf enge Beziehungen zur Tetrapodenfauna des Perm in Texas und dem Südwesten der USA hindeuten. Eines der gefundenen Skelette, gefunden 1998, wurde 2004 als Orobates pabsti aus der Familie Diadectidae nach Pabst beschrieben.[9]
Wilhelm Pabst wurde am 29. Oktober 1902 unter der Präsidentschaft des Geologen Karl von Fritsch mit der Matrikel-Nr. 3153 als Mitglied in die Kaiserliche Leopoldinisch-Carolinische Deutsche Akademie der Naturforscher aufgenommen.[10] Er schrieb für den Geographischen Anzeiger, der bei Perthes in Gotha erschien, zahlreiche Rezensionen über Meteorologie, Geologie und Mineralogie. Pabst war aktives Mitglied der Deutschen Geologischen Gesellschaft (seit 1880), der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (um 1886), des Naturwissenschaftlichen Vereins Gotha (seit 1892), Mitglied des Tierschutzvereins Gotha sowie Mitglied der Kommission zur Veröffentlichung der „Heimatblätter“ aus den coburg-gothaischen Landen (1903).[1]
Nach dem Tod Wilhelm Pabsts stellte man am Herzoglichen Museum in Gotha zunächst die Sammlung und Erforschung von Fährtenplatten ein. Der Forschungsstand und der Verbleib der Steinplatten wurde von Pabst akribisch in einer Fotokartei festgehalten, die er in der Zeit von 1895 bis 1908 angelegt hat und die vollständig erhalten geblieben ist.[5]
Wilhelm Pabst war seit 1882 mit Martha Hausswald verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Kinder, Julius Oskar Kurt (* 1883) und Emilie Marie Charlotte (* 1887) hervor.[1]
Schriften (Auswahl)
- Untersuchung von chinesischen und japanischen, zur Porzellanfabrikation verwandten Gesteinsvorkommnissen, Dissertation, 39 S., Leipzig (1880)
- Die Wetterstation der Landwirtschaftsschule zu Marggrabowa, 1884, 1885, 1886, 1887, 1888, 1889
- Tierfährten aus dem Rothliegenden von Friedrichroda, Tambach und Cabarz in Thüringen. – Z. dtsch. geol. Ges., 47, 570–576; Berlin. (1895)
- Thierfährten aus dem Oberrotliegenden von Tambach in Thüringen.- Z. dtsch. geol. Ges., 48, 3, 638-643, 1 Taf.; Berlin. (1896)
- Platten mit Thierfährten aus dem Oberrotliegenden von Tambach in Thüringen.- 3 S., 8 Fig.; Gotha. (1896)
- Fossile Thierfährten aus dem ‚Rothliegenden’ Thüringens, nach den im Herzoglichen Museum in Gotha befindlichen Vorkommnissen (I-V).- Blätter f. Gothaische Heimatkunde, 14: 57–58, 15: 61–62, 16: 65–66, 17: 69–70, 18: 73–74; Gotha. (1896)
- Thierfährten aus dem Oberrothliegenden von Tambach in Thüringen.- Naturwissenschaftl. Wochenschrift, XI, 48, 573–577, 6 Fig.; Berlin. (1896)
- Die Thierfährten in dem Oberrothliegenden von Tambach in Thüringen (I).- Z. dtsch. geol. Ges., 48, 4, 808–829, 4 Taf.; Berlin. (1896)
- Fährten von "Ichniotherium Cottae Pohlig" im Herzoglichen Museum zu Gotha.-Naturwissenschaftliche Wochenschrift; Nr. 27, 313–317, Berlin (1897)
- Weitere Beiträge zur Kenntnis der Thierfährten in dem Rotliegenden Thürings (I).- Naturwissenschaftl. Wochenschrift, XIII, 22, 249–263, 6 Fig.; Berlin. (1898)
- Weitere Beiträge zur Kenntnis der Thierfährten in dem Rotliegenden Thürings (II).- Naturwissenschaftl. Wochenschrift, XIII, 29, 337–341, 8 Fig.; Berlin. (1898)
- Die Spitzzehfährte von Tambach in Thüringen Ichnium acrodactylum, tambacense, Sonderdruck aus Festschrift Albert von Bamberg, 8 S., Gotha (1900)
- Die Fußspuren vorweltlicher Tiere in den Gesteinen der Umgegend von Friedrichroda, Tambach und Kabarz in Thüringen, Aus den Coburg-Gothaischen Landen - Heimatblätter, Sonderdruck, 8 S., Gotha (1903)
- Hilgers illustrierte Volksbücher, Band 6: Grundzüge der allgemeinen Witterungskunde: mit 26 Abbildungen, 95 S., Berlin (1904)
- Abbildungen und kurze Beschreibungen der Tierfährten aus dem Rotliegenden Deutschlands, 1. Lieferung, 12 Taf., (1904)
- Beiträge zur Kenntnis der Tierfährten in dem Rotliegenden ‚Deutschlands’ (III).- Z. dtsch. geol. Ges., 57, 361–373, 4 Taf.; Berlin. (1905)
- Hilgers illustrierte Volksbücher, Band 26: Grundzüge der Mineralogie und Gesteinskunde mit 40 Abbildungen, 92 S., Berlin (1905)
- Die Regenverteilung in den deutschen Kolonien, Geographischer Anzeiger: Blätter für den geographischen Unterricht, 8. Jahrg., Heft 10, 28ff., 2Kt., Gotha (Perthes 1907)
- Die Tierfährten in dem Rotliegenden Deutschlands. In: Nova Acta Leopoldina, Band 89, 1908, Nr. 2, Taf. I – IIIV, S. 315–481 (Archive)
Literatur
- Thomas Martens: Prof. Dr. Wilhelm Pabst (1856–1908) – Mitbegründer der Fährtenkunde fossiler Wirbeltiere. Abh. Ber. Museums d. Natur Gotha, (18) 1994: S. 3–14
- David S. Berman, Amy C. Henrici, Richard A. Kissel, Stuart S. Sumida und Thomas Martens: A new diadectid (Diadectomorpha), Orobates pabsti, from the Early Permian of Central Germany. In: Bulletin of Carnegie Museum of Natural History, Nr. 35, 2004, S. 1–36