Wilhelm Rothacker

deutscher Dichter und Revolutionär From Wikipedia, the free encyclopedia

Wilhelm Rothacker (* 19. April 1827 in Engen; † 25. November 1859 in Cincinnati) war ein deutscher politischer Dichter und Revolutionär aus dem Hegau. Er trat während der Zeit des Vormärz und der Revolution von 1848/49 als politischer Lyriker hervor. Seine Gedichte spiegeln die freiheitlichen und demokratischen Bestrebungen dieser Epoche sowie die Ernüchterung nach dem Scheitern der Revolution wider. Rothacker zählt zu den regionalen Akteuren der badischen Revolutionsbewegung.[1.1]

Leben

Wilhelm Rothacker als Sohn des Bäckermeisters und späteren Spitalverwalters Josef Anton Rothacker (1774–1864) und dessen Ehefrau Juditha, geb. Mattes (1794–1857), geboren. Er besuchte das Progymnasium und Lyzeum in Konstanz und nahm 1846 ein Studium der Rechtswissenschaft in Freiburg auf, das er ab 1848 in Tübingen fortsetzte. Neben juristischen Vorlesungen belegte er auch Veranstaltungen zur Literatur und Kunstgeschichte.[1.2]

Bereits während seiner Studienzeit entwickelte Rothacker ein ausgeprägtes politisches und kulturelles Engagement. Er war in der Turnerbewegung aktiv und verfasste mehrere Turnlieder, darunter eines für den 1848 gegründeten Deutschen Turnerbund. Weltanschaulich stand er jedoch dem republikanisch orientierten Demokratischen Turnerbund näher. 1849 gehörte er zu den führenden Mitgliedern des Engener Volksvereins.[1.3]

Im selben Jahr wurde Rothacker zum großherzoglichen Leibregiment einberufen und kämpfte im badischen Aufstand auf Seiten der Revolutionäre. Nach der Niederlage der Revolutionsarmee befand er sich während der Belagerung von Rastatt (30. Juni bis 23. Juli 1849) in der Festung. Nach der Kapitulation geriet er in Gefangenschaft, konnte jedoch entkommen und einer drohenden Verurteilung entgehen.[1.4]

Rothacker ging zunächst in die Schweiz ins Exil, wo er seine politisch geprägte Gedichtsammlung Alte und neue Gedichte veröffentlichte. Aufgrund ihrer radikalen Inhalte blieb ihm eine Rückkehr nach Baden verwehrt. Die badischen Behörden leiteten ein Verfahren gegen ihn ein; 1850 wurde er in Abwesenheit wegen seiner Beteiligung an der Revolution zu einer Haftstrafe verurteilt, zudem wurden seine Schriften beschlagnahmt und teilweise vernichtet.[2.1]

Aus der Schweiz wurde Rothacker nach London abgeschoben. Dort stand er in Kontakt mit Karl Marx und schloss sich dem Bund der Kommunisten an, in dem er die Positionen von Marx gegen innerorganisatorische Gegner unterstützte. Ein Angebot zur Rückkehr nach Baden gegen Abbitte lehnte er ab.[1.4]

1850 emigrierte Rothacker in die Vereinigten Staaten. Dort lebte er zunächst unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen und arbeitete als Journalist für verschiedene deutschsprachige Zeitungen, unter anderem in Wheeling, Pittsburgh und Cincinnati. 1852 heiratete er Margaretha Virginia Cox. Im Jahr 1853 gründete er in Cincinnati die Zeitung Die Menschenrechte, die jedoch nur kurzzeitig bestand. Später war er als Lehrer sowie in einer Anwaltskanzlei tätig und kehrte anschließend zum Journalismus zurück.[1.5]

Auch in den USA engagierte sich Rothacker politisch, insbesondere innerhalb der Turnerbewegung, die unter den deutschen Emigranten eine wichtige Rolle spielte. Er trat als Redner und Publizist für demokratische und sozialistische Ideen auf und wurde Mitglied eines von Friedrich Hecker gegründeten Turnvereins in Cincinnati.[1.5]

1858 übernahm Rothacker die Redaktion der Turn-Zeitung, die zunächst in Cincinnati bzw. Dubuque erschien und später nach Baltimore verlegt werden sollte. Auf dem Weg dorthin erkrankte er schwer. Wilhelm Rothacker starb am 25. November 1859 in Cincinnati im Alter von 32 Jahren, vermutlich an Tuberkulose.[1.6]

Literarisches Werk

Rothackers literarisches Werk ist geprägt von romantischen Einflüssen und politischer Lyrik im Geist des „Jungen Deutschland“. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach Freiheit, Republik und gesellschaftlicher Umgestaltung. Seine Schriften wurden von den Behörden als aufrührerisch bewertet und unterdrückt, was maßgeblich zu seiner geringen Rezeption beitrug.[2.2]

Einzelnachweise

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