Willi Hoffer
1897 bis 1967 Beruf/Funktion Psychoanalytiker Konfession - Namensvarianten Hoffer, Wilhelm Hoffer, Willi Hoffer, Wilhelm
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Willi Hoffer (geboren 12. September 1897 in Luditz, Österreich-Ungarn; gestorben 25. Oktober 1967 in London) war ein österreichisch-britischer Psychoanalytiker.
Leben
Wilhelm Hoffer war ein Sohn des Kaufmanns Leopold Hoffer. Er besuchte das deutsche Gymnasium in Pilsen und war in der zionistischen Jugendorganisation Blau-Weiss engagiert. Er wurde 1915 Soldat im Ersten Weltkrieg und wurde 1919 als Leutnant der Reserve demobilisiert. Hoffer studierte Zoologie und Philologie an der Universität Wien und wurde 1922 beim Pädagogen Wilhelm Jerusalem promoviert. Er arbeitete nebenher 1919/1920 im jüdischen Waisenheim „Baumgarten“, das von Siegfried Bernfeld initiiert worden war. Von Bernfeld finanziell unterstützt machte er 1921/22 eine Psychoanalyse bei Hermann Nunberg. Von 1921 bis 1924 arbeitete er bei Bernfeld im Jüdischen Institut für Erziehung und Jugendforschung. 1923 wurde er in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung (WPV) aufgenommen und richtete 1925 am Lehrinstitut der Vereinigung Kurse für Pädagogen ein. Hoffer studierte Medizin, wurde 1929 promoviert und arbeitete bei Otto Pötzl an der Wiener Psychiatrisch-Neurologischen Universitätsklinik. Er heiratete 1933 in zweiter Ehe die Psychoanalytikerin Hedwig Schaxel[1] (1888–1961). Ab 1934 war er Herausgeber der „Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik“.
Nach dem Anschluss Österreichs 1938 floh das Ehepaar Hoffer mit dem Kreis um Sigmund Freud nach England. Er arbeitete in London als freiberuflicher Psychoanalytiker und wurde Mitglied der British Psychoanalytical Society. Er war beratender Arzt an der von Anna Freud eingerichteten Hampstead Child Therapy Clinic. Er wurde 1945 Mitherausgeber der Zeitschrift Psychoanalytic Study of the Child. Von 1949 bis 1960 war er alleiniger Herausgeber des International Journal of Psycho-Analysis, in den Jahren 1959 bis 1962 war er Präsident der British Psychoanalytical Society. Hoffer besuchte wiederholt Westdeutschland und half das Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main im Jahr 1960 zu gründen.
Schriften (Auswahl)
- Mouth, hand and ego-integration, in: Psychoanalytical study of the child, 1949, S. 49–56
- Mund, Hand und Ich-Integration. In: Peter Kutter, H. Roskamp (Hrsg.): Psychologie des Ich. Darmstadt 1974, S. 175–184
- Psychoanalysis. Practical and Research Aspects. Baltimore: Williams & Wilkins, 1955
- Marjorie Brierley (Hrsg.): Early development and education of the child. London: Hogarth Press, 1981
Literatur
- Hoffer, Willi, in: Encyclopedia Judaica, 1971, Band 8, Sp. 807f.
- Hoffer, Willi, in: Leopold Grünwald: In der Fremde für die Heimat: sudetendeutsches Exil in Ost und West. München: Fides, 1982, S. 147
- Hoffer, Willi (Wilhelm), in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Émigrés 1933–1945. Band 2,1. München: Saur, 1983, S. 527
- Wilhelm Hoffer, in: Elke Mühlleitner: Biographisches Lexikon der Psychoanalyse. Die Mitglieder der Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft und der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung 1902–1938. Tübingen: Edition Diskord, 1992, S. 152–154
- Hoffer, Willi (Wilhelm), in: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert, 2002, S. 565
- Gernot Nieder: Hoffer, Wilhelm, in: Gerhard Stumm, Alfred Pritz, Paul Gumhalter, Nora Nemeskeri, Martin Voracek (Hrsg.): Personenlexikon der Psychotherapie. Frankfurt: Springer, 2005, S. 219f.
Weblinks
- Literatur von und über Willi Hoffer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Wilhelm Hoffer, bei psyalpha