William Miles (Filmproduzent)
amerikanischer Filmproduzent und Filmregisseur
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William „Bill“ Miles (* 18. April 1931 in Harlem, New York City; † 12. Mai 2013 in Queens, New York City) war ein US-amerikanischer Dokumentarfilmer. Für Liberators – Befreier war er bei der Oscarverleihung 1993 für den Oscar für den besten Dokumentarfilm nominiert.
Leben
William Miles wuchs in Harlem in unmittelbarer Nähe zum Apollo Theater auf, so dass er gelegentlich den dortigen Filmvorführer traf. Er schloss seine Schulausbildung an der Benjamin Franklin High School ab und studierte kurz am New York City College.[1]
Miles trat 1948 im Alter von 17 Jahren in die Nationalgarde von New York ein und diente im 369th Infantry Regiment, auch bekannt als Harlem Hellfighters. Er erreichte den Rang eines Sergeants.[2] Miles arbeitete dann zunächst als Auslieferer für einen Filmverleih und später in einem Unternehmen, welches Stummfilme restaurierte, und wo er einige Filmtechnik lernte.[1] Er hatte aber nie eine formale filmische Ausbildung erhalten.[3]
1977 veröffentlichte William Miles seinen ersten Dokumentarfilm.[2]
1952 heiratete er Gloria Darlington, die er seit der Grundschule kannte. Das Paar hatte zwei Töchter. Er verstarb 2013 in Queens, nachdem William Miles in seinen letzten Lebensjahren an der Parkinson-Krankheit und Demenz gelitten hatte.[1]
Werk
William Miles war Autodidakt bezüglich des Filmemachens. In seiner Karriere als Dokumentarfilmer befasste er sich vor allem mit afroamerikanischer Geschichte, der Geschichte Harlems und Militärgeschichte. Miles nutzte in seinen Filmen stets Archivmaterial, Bilder und ergänzend Interviews. Die New York Times bezeichnete ihn in einem Nachruf 2013 als teils Spürhund, teils Archivar, teils Barden. Im Rahmen seiner Recherchen griff er oft auf Oral History zurück, indem er ältere Bewohner seiner Heimat Harlem befragte.[1] Seine Arbeit gilt als wegweisend für afroamerikanische Dokumentarfilmer, etwa Spike Lee und Henry Hampton.[4]
William Miles Erstlingswerk als Dokumentarfilmer war Men of Bronze über das überwiegend afroamerikanische 369th Infantry Regiment im I. Weltkrieg,[2] welches 1977 beim New York Film Festival uraufgeführt wurde.[5] Angeregt worden war Miles zu diesem Film durch den Erinnerungsraum des Regiments, den Miles während seiner Dienstzeit in der Nationalgarde gesehen hatte.[1] Miles hatte für den Film zwölf Jahre geforscht und präsentierte neben Archivaufnahmen und Fotos Interviews von schwarzen Veteranen des Regiments, aber auch des weißen ehemaligen Offiziers Hamilton Fish III.[2] Er stellte in Men of Bronze die Soldaten als tapfere Kämpfer und Patrioten dar und kritisierte den Rassismus und die Rassentrennung im amerikanischen Militär.[1] Der Film wurde beim American Film Festival ausgezeichnet.[6]
Es folgte 1981 Miles bekanntestes Werk, die vierteilige Fernsehdokumentation I Remember Harlem.[1] Es war nicht die erste Dokumentation über den Stadtteil, aber die erste, die nicht von Leuten außerhalb produziert wurde, und die nicht entweder abwertend bis rassistisch, oder aber überromantisierend war. William Miles war dadurch angeregt worden, dass er seine ehemalige Grundschule betrachtete und ein ehemaliger Klassenkamerad zu ihm bemerkte „I remember Harlem“ (Ich erinnere mich an Harlem). Miles bewahrte zwar eine generell positive Sicht, sparte in der vom Dorf der Lenapeindianer über die Kolonialzeit bis in die Gegenwart der frühen 1980er Jahre reichenden Dokumentation, Probleme wie Kriminalität, Unruhen oder Drogenkonsum nicht aus. Er hatte seine Recherchen zunächst mit einem Vorschuss von dem zum Public Broadcasting Service gehörendem Sender WNET für eine neunzigminütige Sendung mit der Frage, was Harlem ausmache, begonnen. Als dies nicht ausreichte warb er einen weiteren Vorschuss für die letztlich vierteilige Sendung an.[7] WNET-TV strahlte die Dokumentation an den ersten vier Tagen des Jahres 1981 erstmals aus.[8]
Nachdem er nach Men of Bronze zahlreiche Zuschriften von Veteranen der verschiedenen Zweige der Streitkräfte der Vereinigten Staaten erhalten hatte begann er mit einem Stipendium des Public Broadcasting Service über 390.000 US-Dollar eine Dokumentation über afroamerikanische Militärangehörige, ein bis dahin vernachlässigtes Thema. Er besuchte hierzu unter anderem Veteranentreffen. Die daraus entstandene dreiteilige Dokumentation The Different Drummer: Blacks in the Military wurde im Mai und Juni 1983 ausgestrahlt.[9] The Different Drummer vermittelte laut John J. O‘Connor zwei Botschaften. Zunächst, dass afroamerikanische Soldaten trotz aller Diskriminierung überdurchschnittlich patriotisch und tapfer gewesen seien, und dass die Streitkräfte ironischerweise nun offener zu schwarzem Ehrgeiz seien, als die amerikanische Gesellschaft als Ganzes.[6]
In der im Mai 1986 ausgestrahlten dreiteiligen Dokumentation Black Champions befasste sich Miles mit afroamerikanischen Sportlern. John J. O‘Connor bemerkte zu dieser Dokumentation, dass das Problem des Films sei, dass der amerikanische Sport bereits umfassend behandelt worden sei, die Geschichten von Jack Johnson und Jackie Robinson wären etwa schon als Broadway-Stücke erzählt worden. Die Dokumentation hätte daher nichts Neues gezeigt, biete aber einen praktischen Überblick über schwarze Sporterfolge.[10] Er war Produzent für die Filme Paul Robeson: Man of Conscience (1986) und James Baldwin: The Price of the Ticket (1989).[2] In seiner 1990 ausgestrahlten Dokumentation Black Stars in Orbit befasste sich Miles mit Afroamerikanern in der Luft- und Raumfahrt – von den Tuskegee Airmen bis zu NASA-Astronauten. Auch die Schauspielerin Nichelle Nichols, die Leutnant Uhura in der Serie Raumschiff Enterprise spielte, wurde erwähnt.[11]
Zusammen mit Nina Rosenblum veröffentlichte er 1992 Liberators – Befreier über schwarze Befreier von Konzentrationslagern. Er wurde hierfür für den Oscar nominiert und mit dem IDA Award der International Documentary Association ausgezeichnet.[3] Nach der Ausstrahlung des Films im Rahmen der Filmreihe The American Experience auf PBS im November 1992 geriet die Produktion wegen historischer Ungenauigkeiten in die Kritik und wurde schließlich zurückgezogen.[12] Liberators hatte dargestellt, dass das überwiegend afroamerikanische 761st Tank Battalion die Konzentrationslager Buchenwald und Dachau mitbefreit hätte, tatsächlich war es an der Befreiung des KZ Gunskirchen beteiligt gewesen. Der Fehler war auf die Falschaussage eines Mannes zurückzuführen, der sich als Veteran des Bataillons ausgegeben hatte.[1]
Das Film & Media Archive der Washington University erwarb 2005 das Filmarchiv von William Miles und bewahrt es als William Miles Collection.[13]
Weblinks
- William Miles bei IMDb
- Bruce Weber: William Miles, Maker of Films About Black History, Dies at 82 (Nachruf), The New York Times vom 18. Mai 2013