William Tyers

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William Henry Tyers (* 27. März 1870 in Petersburg (Virginia); † 18. April 1924 in Manhattan) war ein amerikanischer Komponist, Arrangeur und Bandleader des Ragtime und früher lateinamerikanischer Musik.

William H. Tyers (um 1901)

Leben und Wirken

Tyers zog mit seiner Familie 1882 nach New York City, wo er Klavierunterricht erhielt und bald auch erste Kompositionen schrieb, Polkas und Walzer. Mit etwa 20 Jahren erhielt er eine Anstellung als Musikbibliothekar bei einem Tournee-Konzertensemble. Eine dieser Tourneen führte ihn nach Europa, wo er in Hamburg die Gelegenheit erhielt, Orchestrierung und Arrangement bei Professor Gaspari zu studieren. Möglicherweise entstand im Rahmen dieser Tätigkeit seine erste veröffentlichte Komposition, „Garnet: Grand March“. Während der Tournee verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, sodass er am 16. November 1891 mit der „Normannia“ von Hamburg nach New York zurückkehrte. Er arbeitete weiterhin als Musiker und Arrangeur und erwarb sich einen guten Ruf. 1896 veröffentlichte er seine synkopierte Marschkomposition „Sambo“. Eine Orchesterfassung von „Sambo“ stand New Yorker Bands bald zur Verfügung. Sein kubanischer Tanz „Trocha“, der seine Vorliebe für lateinamerikanische Rhythmen zeigte, brachte ihm die erhoffte Aufmerksamkeit. (1913 wurde er als Tango neu arrangiert und wiederveröffentlicht.)[1]

Dieser Erfolg führte 1897 zu Tyers Anstellung als Arrangeur beim Verlag von Joseph W. Stern, obgleich er Afroamerikaner war. (Stern war in den 1900er und 1910er Jahren einer der führenden Verleger von Ragtime und populären Liedern afroamerikanischer Komponisten in New York.) Eine von seinen frühen Aufgaben für Stern war die Neubearbeitung von Tom Turpins „Harlem Rag“. Auch arrangierte er Lieder für „The Policy Players“ (1899), die zweite New Yorker Musikshow des Duos Bert Williams und George Walker, sowie „The Trail“ (1898), eines der frühesten Beispiele eines amerikanischen Tangos. Am 18. Mai 1898 heiratete er seine erste Frau, Burdette Bentley. In der Volkszählung von 1900 gab er seinen Beruf als Musiker an und wohnte in Manhattan.[1]

1902 heiratete Tyers die in Kanada geborene Helena „Lena“ Lightfoot. Um 1905 verlagerte sich sein Schaffen als Musikautor zunehmend in Richtung lateinamerikanischer oder spanisch angehauchter Stücke mit Habanera-Rhythmen, und er konzentrierte sich auf Instrumentalstücke, ohne an Liedern mitzuwirken. Viele seiner Kompositionen wurden von anderen Verlagen als dem seines Arbeitgebers veröffentlicht. Zu seinen Erfolgen im lateinamerikanischen Stil zählte „Maori“ (1908), das von Bands in den gesamten Vereinigten Staaten gespielt wurde; 1913 erhielt es einen Text.[1]

Panama (Notenausgabe von 1910)

Anfang 1910 gehörte Tyers zu den Mitbegründern des Clef Club in Harlem, der von James Reese Europe geleitet und von Ford Dabney unterstützt wurde. Dort stellte er Bands für engagierte Auftritte zusammen und war Assistenzdirigent für Europa. Die Volkszählung von 1910 verzeichnete Tyers als reisenden Musiker, obwohl er bis 1913 eine feste Anstellung bei Stern hatte. 1910 dirigierte er beim zweiten Musikfestival des Clef Club zwei seiner Stücke, „Panama“ und „Smyrna“; Panama war bald bei Tanzkapellen beliebt und entwickelte sich zu einem Jazzstandard. Neben diesen Titeln führten der Walzer Tout à Vous Waltz sowie weitere Klavier- und Tanzorchesterarrangements zu weiterer Bekanntheit. 1912 dirigierte er in der Carnegie Hall. Eines seiner bekanntesten Arrangements jener Zeit war eine Neuinterpretation von „Junk Man Rag“ von Charles „Luckey“ Roberts. Ebenso hatte sein Arrangement des „That Teasin’ Rag“ von Joe Jordan Erfolg.[1]

1914 gründete Tyers wenige Monate nach dem Ende seiner Tätigkeit bei Stern zusammen mit Europe und Dabney den Tempo Club. Sowohl Dabney als auch Tyers fungierten als Europes direkte Assistenten und Aushilfen und dirigierten oft kleine Orchester oder Ensembles. Dies führte zu einem festen Engagement im Strand Roof Garden, wo Tyers bis Ende der 1910er-Jahre sein eigenes Orchester dirigierte, während Reese, Dabney und viele andere jüngere afroamerikanische Musiker mit der 369. US-Infanterie-Band „Hellfighters“ und den dazugehörigen Kampfeinheiten in den Weltkrieg zogen. 1917 wurde Tyers als einer der ersten Afroamerikaner in die ASCAP aufgenommen, die drei Jahre zuvor gegründet worden war.[1]

Nach Kriegsende Ende 1918 holte ihn James Reese Europe nach Frankreich, wo er in Paris und Umgebung mit dessen Band spielte und diese dirigierte. Zu den Mitgliedern dieser Formation gehörten unter anderem Willie The Lion Smith (am Schlagzeug, nicht am Klavier), Sidney Bechet und der Entertainer Tom Fletcher. Nach seiner Rückkehr in die USA 1919 wurde er zum Assistenzdirigenten des New York Syncopated Orchestra von Will Marion Cook ernannt. In den folgenden drei Jahren tourte er zeitweise mit dem Orchester und spielte unter anderem einen Auftritt vor König Georg V. in England. Tyers verbrachte die Sommer im Mount Washington Hotel in Bretton Woods, New Hampshire, wo er mit seinem eigenen Orchester auftrat. Die übrige Zeit arbeitete er als freiberuflicher Arrangeur für verschiedene Verlage, neben Stern auch Leo Feist, Shapiro/Shapiro & Bernstein und die G. Ricordi Company. Gelegentlich arbeitete er zudem als musikalischer Leiter und Arrangeur für das Tanzpaar Billy Rock und Frances White, so 1919 bei deren letzter gemeinsamer Show. 1921 veröffentlichte er mit dem Tango-Fox-Trot „Santiago“ eine letzte Komposition.[1]

Aufgrund seines sich verschlechternden Gesundheitszustands verbrachte Tyers den Sommer 1923 hauptsächlich im Mount Washington Hotel. Er starb im darauffolgenden Frühjahr im Alter von 54 Jahren in Manhattan an einer akuten Lungenentzündung.[1]

Literatur

Einzelnachweise

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