Willy Metschke
deutscher Kapellmeister
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Carl Willi Metschke (Künstlernamen Jenő Fesca und Arpád Városz, * 24. Januar 1894 in Berlin; † 31. Dezember 1945 ebendort[1]) war ein deutscher Geiger und Kapellmeister.
Leben
Metschkes Eltern waren der Arbeiter Karl Metschke (* 1868 in Hähnichen; † 1918 Berlin) und die Strumpfwirkerin Auguste Donath, geb. Baer, auch Beer (* 1868 in Sonnenburg). Die Eltern heirateten einige Monate nach seiner Geburt.[2] Wo seine musikalische Ausbildung, insbesondere zum Geiger, stattfand, ist nicht bekannt.[3] Bereits mit 19 Jahren führte er die Berufsbezeichnung „Musiker“,[4] ab Frühjahr 1919 sind Auftritte unter eigenem Namen nachgewiesen.[5] Zwischen 1922 und 1942 machte er zahlreiche Schallplattenaufnahmen und war mit seiner Kapelle im Rundfunk zu hören.
1913 heiratete er die Verkäuferin Hedwig Zielinski (* 1891 in Lissa; † 1967 in Berlin), die Ehe wurde 1924 geschieden.[6] 1925 heiratete er in zweiter Ehe Gertrud Dunge, geb. Rapp (* 1898 in Preußisch Friedland; † 1947 in Berlin). Gertrud Metschke war Jüdin, die Ehe wurde 1937 geschieden.[7]
Tondokumente
Schellackplatten mit Metschke finden sich auf den Labeln Parlophon (1922), Homokord/Homocord (1922–1926), Vox (1926–1928), Kristall (1932–1933) und Clangor (um 1942).[8]
Metschke trat auf dem Etikett der Homophon Co. „Homokord“ (damals noch mit „k“ geschrieben) unter dem Pseudonym Jenő Fesca, daneben aber auch noch unter dem Künstlernamen Arpád Városz auf. Dabei hat sich durch Vergleich herausgestellt, dass diese Pseudonyme komplementär verwendet wurden, indem Aufnahmen auf 25-cm-Platten unter Arpád Városz, die 30-cm-Ausgaben aber unter Jenő Fesca erschienen. Die Werbung der Firma stellte diese Kunstfiguren als real dar und warb in schwärmerischen Worten vom „einschmeichelnden warmen Ton und straffen Rhythmus“ der Darbietungen.[9]
Metschke spielte Geige und leitete schon vor dem Ersten Weltkrieg in Berlin zeitgemäße Tanzkapellen, zum Beispiel im Berliner Tanz-Palast Libelle, wovon noch Homokord-Etiketten mit dieser Aufschrift Zeugnis geben. Diese frühen Aufnahmen 1922 tragen auch noch den Namen „Kapellmeister Willy Metschke“. In den 1920er-Jahren gab es neben dem damals üblichen Tanzmusik-Repertoire mit Walzern von Strauß und Waldteufel auch „jazzige“ Einspielungen von Fescas Kapelle.[10]
Wie auch bei anderen Schallplattenfirmen, beispielsweise bei Lindströms „Parlophon“-Etikett, war es auch bei der Homophon Co. zu der Zeit Brauch, das der Künstler in das noch weiche Aufnahmewachs seine Signatur schrieb; diese wurde dann mitgepreßt und der Käufer erhielt eine „signierte“ Schallplatte mit dem Namenszug seines Lieblingskünstlers. Dies wurde auch bei „Jenő Fesca“ praktiziert.
Willy Metschke spielte als „Jenő Fesca“ außer bei Homokord auch noch bei VOX und bei Kristall; das Pseudonym „Arpád Városz“ findet sich ausschließlich auf Homokord.
Ausgewählte Aufnahmen
- als Orchester des Tanzpalastes Libelle Willy Metschke
- Glocken der Liebe / Leb’ wohl, schwarzbraunes Mägdelein (Homokord 223, ca. 1920)
- als Arpád Városz Orchester
- Kiss Mama kiss Papa / Brno (Homokord M 1714)
- Was Blumen träumen / Aubade printinaire (Homokord B 1810)
- Wo hast du die schönen blauen Augen her / Wenn du nicht kannst, lass mich mal
- als Orchester Jenő Fesca
- May Queen / Ouvertüren-Foxtrot (Vox 8179, 1926)
- Down home blues / Valencia (Vox 8180, 1926)
- Münchner Kindl / Weana Madln (Vox 8415, 1927)
- Mein Darling muss so sein wie du / Die kleinen Mäderln im Trikot (Vox 8416, 1927)
- Potpourri aus der Operette Die Zigeunerprinzessin (2 Teile) (Vox 8420, 1927)
- Gold und Silber / Morgenblätter (Vox 8479, 1927) (auch als Arpad Janos-Orchester auf Kristall 1607)
- Pluie de diamants (2 Teile) (Vox 8517, 1927)
- Poranek / Die Hochzeit der Winde (Vox 8614, 1928)
- In den Teegärten Ceylons / Liebesgruß (Vox 8615, 1928)
- Blackin’ blues / Shanghai (Homocord B 8628)
Vox-Diskografie siehe PDF-Datei[11]
Literatur
- Horst H. Lange: Jazz in Deutschland – die deutsche Jazzchronik bis 1960. 2., verbesserte Auflage. Olms, Hildesheim 1996, ISBN 3-487-08375-2.
- Rainer E. Lotz: Grammophonplatten aus der Ragtime-Ära. (= Die bibliophilen Taschenbücher 141). Harenberg, Dortmund 1979, ISBN 3-88379-141-5, S. 81 (Label einer Homokord-Schallplatte)
- Simon Géza Gábor, Magyar Jazzkutatási Társaság Föszerkesztö, 11. Januar 2008: Úgy tünik, hogy Fesca Jenő és Városz Árpád nevével kell kiegészítenünk az „álmagyarok“ sorát, hiszen a részletekre mindig nagyon ügyelö Lotz mindkettöjük hangfelvételeit Willy Metschke neve alatt hozza. Elöfordult viszont, amikor üzlettechnikai okokból éppen egy magyar zenész, például Komor Géza szerepelt idegen név, Harry Jackson neve alatt.
Weblinks
- Metschke bei grammophonplatten.de
- Willy Metschke bei Discogs
- Jenö Fesca bei Discogs
- Arpád Városz bei Discogs