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Wissenschaftstourismus

Berufliches Reisen im Dienst an der Wissenschaft From Wikipedia, the free encyclopedia

Wissenschaftstourismus bezeichnet berufliches Reisen im Dienst an der Wissenschaft, etwa zur Forschung vor Ort (Forschungstourismus) oder zur Teilnahme an wissenschaftlichen Konferenzen oder Kongressen (Kongresstourismus). Mitunter wird mit Wissenschaftstourismus auch eine intensive Form von Bildungstourismus oder Kulturtourismus bezeichnet, etwa in der Werbung von Reiseveranstaltern. Eine weitere Sparte des Wissenschaftstourismus sind touristische Aktivitäten zur Finanzierung von Forschungsreisen, an denen Nicht-Wissenschaftler als Reisende teilnehmen und dadurch die wissenschaftliche Reise mitfinanzieren.

Beim Forschungstourismus geht es um wissenschaftliche Anliegen, die zur Gewinnung von Datenmaterial eine Reisetätigkeit erfordern; dies betrifft Geo- und Biowissenschaften ebenso wie jene Fachrichtungen, die den Menschen selbst studieren: Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften, insbesondere die Ethnologie (Völkerkunde).

Ökonomische Aspekte

Innerhalb der Reiseindustrie ist Wissenschaftstourismus nur eine kleine Marktnische,[1] aber mit steigenden Zahlen von teilnehmenden Personen. Dieser Trend wird begünstigt durch Finanzierung von Stiftungen, Fonds oder Projekten.

Reiseziele

Die geographischen Gebiete, die Forschungsinteressen der genannten Disziplinen anziehen, liegen immer öfter in Entwicklungsländern. Wenn sie in Gebieten liegen, die zugleich Destinationen eines Freizeittourismus sind, treffen Forscher und Touristen aufeinander.

Erforschung

Als Forschungstourismus ist wissenschaftliches Reisen zunehmend Gegenstand von Tourismusforschung und Tourismuswissenschaft. Mit der Erarbeitung von Abgrenzungen zwischen Forschern und Touristen und dem Erfassen von Unterschieden und Gemeinsamkeiten befasst sich innerhalb der Tourismuswissenschaft besonders die Tourismusethnologie.[2][3][4]

Kritik

Forschungstourismus ist Gegenstand der Tourismuskritik, auch dann, wenn die Forscher sich noch in Ausbildung befinden und als Studenten Praktika leisten oder Daten sammeln für Diplom- und Masterarbeiten. Denn deren vorrangiges Ziel liegt im akademischen Abschluss – nicht aber notwendigerweise in der Wahrung der Interessen der Bereisten und Beforschten. Dies gilt in besonderem Maße für die Ethnologie (Völkerkunde). Da sie diejenige Wissenschaft ist, die ihre Kompetenz in der Deutung von Andersheit sieht, sind ihre Aktivitäten auf Reisen – vielleicht mehr als die anderer Disziplinen – der Kritik ausgesetzt und der Forderung, ethische Standards bei Feldforschungen und teilnehmenden Beobachtungen in ärmeren Gebieten der Welt verbindlich einzuhalten und intellektuelle Eigentumsrechte zu wahren.[5][6]

Siehe auch

Literatur

  • Ellen Badone: Crossing Boundaries: Exploring the Borderlands of Ethnography, Tourism, and Pilgrimage. In: Ellen Badone, Sharon R. Roseman (Hrsg.): Intersecting Journeys: The Anthropology of Pilgrimage and Tourism. University of Illinois Press, Urbana u. a. 2004, S. 180–189 (englisch).
  • Vasiliki Galani-Moutafi: The Self and the Other: Traveler, Ethnographer, Tourist. In: Annals of Tourism Research. Band 27, Nr. 1, 2000, S. 203–224 (englisch).
  • Judith Schlehe: Ethnologie des Tourismus: Zur Entgrenzung von Feldforschung und Reise. In: Peripherie. Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt. Band 89, Nr. 23, 2003, S. 31–47. (budrich-journals.de, PDF).
  • Susan L. Slocum, Carol Kline, Andrew Holden (Hrsg.): Scientific tourism: Researchers as travellers. Routledge, London / New York 2015, ISBN 978-1-138-08392-9.
  • Ingrid Thurner: Bereist – Beforscht: Wissenschaftstourismus als Ethnotourismus. In: Claudia Trupp, Alexander Trupp (Hrsg.): Ethnotourismus: Interkulturelle Begegnung auf Augenhöhe? Mandelbaum, Wien 2009, ISBN 978-3-85476-318-5, S. 156–171.
  • Ingrid Thurner: Wissenschaftstourismus: Der Forscher als Tourist? In: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien. Band 129, 1999, S. 227–246. (ssoar.info, PDF: 548 kB, 21 Seiten).

Einzelnachweise

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