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Wissenschaftsverlag

Verlag, dessen Werke in erster Linie von Wissenschaftlern verfasst und gelesen werden From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Wissenschaftsverlag ist ein spezialisierter Fachverlag, der wissenschaftliche Publikationen für die interne Fachkommunikation herausgibt. Dazu gehören Zeitschriften, Monografien, Sammel- und Tagungsbände, Lehr- und Handbücher, Nachschlagewerke, Tagungsbände und Festschriften sowie wissenschaftliche Qualifikationsschriften (Hochschulschriften wie Dissertationen oder Habilitationsschriften).[1] Die Umsätze der 100 größten Verlage in Deutschland verteilten sich 2009 zu 42 Prozent auf Fachinformations- und Wissenschaftsverlage.[2.1]

Wie viele Wissenschaftsverlage es weltweit gibt, ist nicht genau bekannt, eine Studie geht von etwa 3500 Verlagen aus.[3] Dabei gibt es vor allem in Bezug auf Zeitschriften eine starke Marktkonzentration: mehr als die Hälfte der 2013 publizierten Zeitschriftenartikel erschien bei einem der fünf größten Wissenschaftsverlage. Zu diesen gehören Reed-Elsevier, Wiley-Blackwell, Springer Nature und Taylor & Francis.[4]

In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es (Stand Januar 2026) mehr als 180 Wissenschaftsverlage, die Open-Access-Bücher publizieren.[5]

Verlagstypen

Rese und Michaletz unterschieden 2003 Gruppen von Verlagen/Verlegern für wirtschaftswissenschaftliche Buchveröffentlichungen. Sie halten fest, dass diese Analyse nicht eins zu eins auf alle anderen Wissenschaftsbereiche zu übertragen ist, weil allein technisch nicht immer die gleichen Ansprüche an die Veröffentlichungen gestellt werden müssen.[6]

  1. „Vollanbieter“, die die gesamte Bandbreite (Zeitschriften, Dissertationen, Habilitationsschriften, wissenschaftliche Monografien, Sammelbände, Nachschlagewerke, Lehrbücher) anbieten.
  2. „Lehrbuchverlage“, die sich auf den „Lehrbuchmarkt“ spezialisiert haben – andere Gattungen sind unterrepräsentiert oder nicht vorhanden.
  3. „Verleger von originär wissenschaftlichen Monografien und Sammelbänden“:
a. in der Hauptsache Publikationen von herausragenden Dissertationen, Habilitationsschriften und Buchtiteln etablierter Wissenschaftler
b. in der Hauptsache Publikationen von Dissertationen

Die unter 1. und 2. zitierten Anbieter sind „von der Kostensituation“ her ähnlich aufgestellt und deren Reputation ist wegen ihres langen Bestehens „ähnlich hoch“ – einzig die Verengung der Anbieter unter 2. auf das Lehrbuchsortiment führt dazu, dass beide Anbietergruppen hierin miteinander „am heftigsten konkurrieren“.[6] Diese Verlage tragen das volle unternehmerische Risiko, verlangen von den Verfassern also keine Zuschüsse, sondern beteiligen sie am erhofften Gewinn.

Die Verlage der Anbietergruppen 3a und 3b mit Schwerpunkt auf das „wissenschaftliche Buchsegment“ hingegen unterscheiden sich vor allem in ihrer unterschiedlichen „Qualitätsdifferenzierung“: So verfolgen Verlage wie Mohr Siebeck oder Franz Steiner eindeutig eine „Qualitätsstrategie“, die die von ihnen veröffentlichte wissenschaftlichen Reihen „einem recht harten Ausleseprozess“, meist durch eine externe Begutachtung, unterwirft, was einerseits eine absolut geringere Zahl an Veröffentlichungen und andererseits für den Autor eine hohe „Reputationswirkung“ zur Folge hat. Verleger dieser Art sind oft „Überzeugungstäter“, die zum Teil keine Druckkostenzuschüsse verlangen, sondern in einer Mischkalkulation wissenschaftlich interessante, aber weniger gut verkäufliche Werke über die „Renner“ mitfinanzieren.[6]

Die Anbieter unter 3b hingegen lassen keine Auslese-, sondern „eine Mengenorientierung erkennen“ und betreiben „eine Politik Veröffentlichung gegen Druckkostenzuschuss“. Dank ihrer „extrem schlanken“ Kostenstruktur können sie hinsichtlich der Druckkostenzuschüsse die „relativ günstigsten Angebote machen“ – die Reputation einer hier untergebrachten Veröffentlichung „ist jedoch äußerst gering“.[6] Holger Höge macht wiederum deutlich, dass die Dienstleistungen der auch von ihm genannten und um weitere ergänzten Anbieter der Gruppe 3b für den Autor eine Reihe an Vorüberlegungen verlangen, wenn z. B. die Nutzung eines Covers aus einer der Reihen eines Anbieters billiger für den Autor ist, als das Einbringen eines eigenen Umschlagentwurfs.[7]

Wesolowski beleuchtete 2010 anhand eines Beispiels, dass Wissenschaftsverlage heute nicht nur Dienstleister sind, sondern eine Steuerungs- und Selektionsrolle für die Wissenschaft ausüben.[8]

Die Lektoratsarbeit im Wissenschaftsverlag beschreibt Fetzer in seinem Buch. Er unterscheidet dabei vor allem zwischen Geistes- und Naturwissenschaften, wo in letzteren die Kommunikation zunehmend über (elektronische) Zeitschriften stattfindet und Buchformen wie Monografie und Sammelband in den Hintergrund getreten seien. Lehr- und Handbücher sowie Nachschlagewerke seien jedoch immer noch bedeutsam und von „herausragendem ökonomischen Interesse“ für den Verlag. Vor allem die elektronische Wissensspeicherung, -vermittlung und -verbreitung werde in beiden Bereichen bedeutsamer, was elektronische Publikationsformen fördert und erfordert.[9]

Kritik

Einige Wissenschaftsverlage, die außer dem reinen Druck der Dissertationen in hoher Stückzahl kaum andere Dienstleistungen anbieten,[10] gerieten Anfang 2014 u. a. durch den Berliner Tagesspiegel in die Kritik, als bekannt wurde, dass die von derartigen Fachverlagen abverlangten Druckkostenzuschüsse der Autoren hoch sind – in Einzelfällen „bis zu 10.000 Euro“[10] betragen können. Ergänzend dazu die Feststellungen in einer 2020 veröffentlichten Publikationsberatung an Universitäten, wonach „nicht nur die unmittelbare Verlagsleistung (...) in die Entscheidung für oder gegen einen Verlag“ einfließt, so dass „manche Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftler (...) einen höheren Druckkostenbeitrag oder verminderte Autorenrechte in Kauf (nehmen), um in Verlagen erscheinen zu können, die in ihrem jeweiligen Fach hohes Ansehen genießen und deren Name für die hohe Qualität der dort publizierten Werke steht.“[11]

Ferner heißt es darin auch: „Da die Verlagslandschaft für Herausgeberinnen bzw. Herausgeber oder Autorinnen bzw. Autoren mittlerweile sehr schwer überschaubar ist und sich leider auch einige nicht seriös operierende Verlage aktiv an potenzielle Autorinnen und Autoren wenden, ist es vor Abschluss eines Verlagsvertrages jedenfalls ratsam, sich den Verlag wirklich genau anzuschauen.“[11] Diese Kritik kann sich auch auf kostengünstige Anbieter beziehen, wie z. B. die Wissenschaftsverlage der OmniScriptum Publishing Group. Hier können Hochschulschriften kostenlos, allerdings dann auch ohne Korrekturlesen und Lektorat veröffentlicht werden. Der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist Armin Himmelrath meinte 2019 zu diesem Angebot: „Man sollte vorsichtig sein, eine echte wissenschaftliche Veröffentlichung ist das nicht. Das ist an den Unis bekannt, dass das unseriös wirkt. Es taugt also nicht für die eigene Publikationsliste.“[12] Somit muss je nach Zuordnung der Wissenschaftsverlage für den universitären Bereich, wie sie u. a. Mario Rese vorgenommen hat, auch differenziert werden, inwieweit sie per se noch zu den Verlagen bzw. laut Eduard Schönstedt und seiner Untergliederung der Zuschussverlage[13] noch zu den „Druckkostenverlagen“ zu zählen sind oder eigentlich nur noch zu den „Selbstkostenverlagen“ im Sinne von Dienstleistungsunternehmen für Selbstpublikationen, mit denen de facto keine Verlagsverträge, sondern Werkverträge abgeschlossen werden[14] – oder ob sie auf Grundlage beider bzw. mehrerer Geschäftsmodelle ihre Umsätze erzielen.

Kritik im Bereich der Publikationen von Forschungsergebnissen hat sich auch der „Weltmarktführer bei den Wissenschaftsverlagen mit rund 2500 Zeitschriften“ Elsevier zugezogen. So sieht Leonhard Dobusch in einem Interview vom am 24. Januar 2018 zwar prinzipiell kein Problem darin, dass „Forschung (..) in vielen Bereichen auf private Dienstleister angewiesen“ sei. Problematisch sei es hingegen, wenn ein Verlag wie Elsevier einerseits im neuen Digitalbereich u. a. die Zugänglichmachung von Forschung verweigert oder nicht in dem Ausmaß nutzt, wie das möglich wäre, und gleichzeitig „monopolistische Marktpositionen bei der Preisgestaltung“ ausnutzt. „Und die monopolistische Position von Elsevier, die hat eben weniger mit dem Verlag und der Verlagsleistung zu tun, sondern damit, dass Wissenschaft ein Reputationsspiel ist, wenn man so will.“[15] Laut der deutschen Wissenschaftszeitschrift Forschung & Lehre starteten Wissenschaftler vieler Universitäten mit der Meldung „Ab heute ohne Elsevier-Vertrag“ in das Forschungsjahr 2019. Und nachdem zum Jahreswechsel die Verträge mit Elsevier ausgelaufen waren, setzten zahlreiche Bibliotheken ein Zeichen gegen die hohen Lizenzgebühren dieses Wissenschaftsverlags und verlängerten nicht die Verträge – was zur Folge hatte, dass seither mehr als 200 Universitäten und Forschungseinrichtungen in Deutschland von den elektronischen Angeboten von Elsevier abgeschnitten sind, darunter die Universitäten aus Berlin, Bonn oder München sowie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Gesellschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft.[16] (Siehe dazu auch den Abschnitt: Elsevier#Kritik an Elsevier)

(Siehe dazu auch: Predatory Publishing)

Übernahmen und Verlagskonzentration

Siehe auch

Einzelnachweise

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