Wojtek Klemm

polnisch-deutscher Theaterregisseur From Wikipedia, the free encyclopedia

Wojtek Klemm (auch Wojciech Klemm; * 19. Juni 1972 in Warschau) ist ein polnisch-deutscher Theaterregisseur.

Leben und Wirken

Klemms Eltern sind die Malerin und Grafikerin Magda Łyżwańska-Klemm und der Polonist und Literaturwissenschaftler Wojciech Klemm-Wesołowski.[1] Sie emigrierten 1985 mit ihm von Polen nach Deutschland. 1986 bis 1990 war Klemm Schüler an der Otto-Kühne-Schule (“Päda“) in Bad Godesberg und machte nach einem USA-Auslandsjahr 1993 sein Abitur am Hamburger Gymnasium Bondenwald. 1993 bis 1994 absolvierte Klemm seinen Zivildienst. 1994 wurde Klemm an der Berliner Universität der Künste (damals: Hochschule der Künste) als Studierender in der Abteilung Schauspiel aufgenommen, einer seiner Dozenten war Ivan Nagel. Nach einem Probejahr verließ Klemm die Udk, um von 1995 bis 1999 Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch zu studieren. Am Festival Steirischer Herbst von 2000 assistierte er bei Dimiter Gotscheff (Pulverfass). An der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz assistierte er bei Christoph Schlingensief und von 2002 bis 2005 bei Frank Castorf (u. a. Der Idiot, Forever Young, Kokain).[2]

Seit 2005 ist Klemm als freier Regisseur tätig und inszeniert regelmäßig an Theatern im deutschsprachigen Raum und in Polen.[3] In Polen ist er für seine zahlreichen Erstaufführungen deutscher Autoren bekannt.[4] Klemms Arbeiten zeichnen sich durch einen starken körperlichen Zugang aus, wobei Tanz und Musik wichtige Elemente seiner Inszenierungen sind. Dies zeigt sich auch in der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit Choreografen (u. a. Efrat Stempler, Anna Krysiak, Maćko Prusak) und Komponisten (u. a. Dominik Strycharski, Micha Kaplan, Albrecht Ziepert, Ola Rzepka).[5]

Gemeinsam mit Patrick Wengenroth eröffnete Klemm 2005 in Wien die zum Volkstheater gehörige Spielstätte „Hundsturm“ und leitete sie unter der Intendanz von Michael Schottenberg bis 2006.[6] Von 2007 bis 2009 war er Schauspieldirektor am Stadttheater Hirschberg im niederschlesischen Jelenia Góra (deutsch Hirschberg), das 2009 gemäß der Wochenzeitung Wprost zu den zehn interessantesten polnischen Theatern zählte.[7]

Nach langjähriger Zusammenarbeit mit dem renommierten Nationaltheater Teatr Stary (Spielort Altes Theater Helena Modrzejewska) in Krakau, arbeitet Klemm seit 2017 regelmäßig mit dem Krakauer Teatr im. Słowackiego (im Juliusz-Słowacki-Theater) zusammen. Für seine Inszenierung von Lalka erhielt er 2021 bei den 45. Oppelner Theaterkonfrontationen (Opolskie Konfrontacje Teatralne) eine Auszeichnung.[8] Klemm versteht Theater als Ort des Politischen und beobachtet insbesondere das Theatergeschehen in Polen durch das politische Auge.[9][10]

2021 inszenierte er mit La clemenza di Tito erstmals im Musiktheater.[11] Er führte auch Regie bei Hörspielen.[12]

Als freier Dozent unterrichtet Klemm an der Folkwang Universität der Künste in Bochum, der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg[13], der Zürcher Hochschule der Künste, der Hochschule der Künste Bern und an der Theaterhochschule in Krakau.

Klemm lebt in Zürich.

Inszenierungen (Auswahl)

Deutschsprachiger Raum

Polen

Weitere

  • 2009: Reise ins Innere des Zimmers von Michał Walczak, israelische EA, Teatron Tmuna, Tel Aviv.
  • 2010: Heaven (on Tristan) von Fritz Kater, israelische EA, Teatron Tmuna, Tel Aviv.

Veröffentlichungen

  • Durst ist Feuer. Zu Yerma von Federico García Lorca. In: Theater der Zeit 12/2009, Berlin 2009.
  • mit Harald Müller, Frank M. Raddatz und Rimini Protokoll: Vom Rand ins Zentrum. In: Müller Brecht Theater. Brecht-Tage 2009, Theater der Zeit, Berlin 2010, ISBN 978-3-940737-71-7.
  • Es knallt zusammen, was nicht zusammen gehört. In: Dominique Mentha, eine Spurensuche: Theaterarbeit in Luzern, Wien, Innsbruck. Theater der Zeit, Berlin 2016, ISBN 978-3-95749-064-3.

Einzelnachweise

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