Wolff von Gordon
deutscher Dramaturg, Regisseur und Drehbuchautor
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Wolff von Gordon (eigentlich: Wolfgang Ernst Eduard Karl von Gordon; * 12. Oktober 1894 in Berlin; † 2. Januar 1976 ebenda) war ein deutscher Dramaturg, Spielleiter, Regisseur und Drehbuchautor. Von 1947 bis 1950 war er Chefdramaturg bei der Deutschen Film AG (DEFA).
Leben

Wolff von Gordon entstammt dem ursprünglich schottischen Uradelsgeschlecht Gordon.[1] Er wurde als Sohn des Rechtsanwalts und Notars Adolf Karl Hermann von Gordon (1850–1925) und dessen Frau Louise, geb. Kramer (1850–1931), in Berlin-Moabit geboren. Dort besuchte er die Vorschule des Falk-Realgymnasiums und von der Sexta an das Pädagogium von Friedrich Bark in Lankwitz bei Berlin. Nach dem Abitur am Gymnasium in Burgsteinfurt in Westfalen studierte von Gordon aus dem Wunsch heraus, Bühnenleiter zu werden, Philosophie, Kunstgeschichte und Germanistik an den Universitäten München, Leipzig und Berlin.[2] Nach drei Kriegssemestern wurde er zum Militär eingezogen, zum 1. Mai 1915 jedoch als Dramaturg und Spielleiter an den Münchner Kammerspielen verpflichtet. 1917 wurde von Gordon Regisseur des Intimen Theaters in Nürnberg und 1918 Dramaturg und Regisseur des Nürnberger Stadttheaters. Von 1920 bis 1922 war von Gordon Oberregisseur am Neuen Schauspielhaus in Königsberg (Preußen). Von 1922 bis 1932 war von Gordon Oberregisseur des Schauspiels am Staatstheater Wiesbaden unter Intendant Carl Hagemann.[2] In dieser Position beendete von Gordon 1926 seine akademischen Studien mit einer Dissertation über Die dramatische Handlung in Sophokles’ „König Oidipus“ und Kleists „Der zerbrochene Krug“ an der Friedrich-Alexander-Universität zu Erlangen. In Wiesbaden führte von Gordon unter anderem Regie bei Bertolt Brechts Trommeln in der Nacht, das am 14. Dezember 1928 Premiere hatte.[3]
Nach der Auflösung des Preußischen Staatstheaters Wiesbaden zog von Gordon 1932 nach Berlin-Wilmersdorf. Ab 1944 war von Gordon Chefdramaturg der Terra-Filmkunst.[4] 1947 trat er die Nachfolge von Georg C. Klaren als Chefdramaturg der DEFA an, erhielt die Prokura und wurde zugleich verantwortlich für das neue Besetzungsbüro der DEFA und ein ebenfalls neugegründetes Nachwuchsstudio für Schauspieler und Regisseure. Zudem war von Gordon Abteilungsleiter für Film der Kammer der Kulturschaffenden beim Magistrat von Groß-Berlin. In Berlin-Charlottenburg sammelte von Gordon Filmleute mit konkreten Arbeitsplänen um sich, darunter Werner Hochbaum mit seinem antifaschistischen Stoff Der Weg im Dunkeln.
1950 wurde von Gordon als einziger Bürgerlicher in der ansonsten linientreuen DEFA-Direktion durch Hans-Robert Bortfeldt ersetzt, der bis dahin als Intendant des Nationaltheaters Weimar fungierte und SED-Mitglied war. Im DEFA-Geschäftsbericht hieß es dazu, von Gordon sei „nur bereit und in der Lage, den antifaschistisch-humanistischen Weg mit uns zu gehen.“[5] Auch die spätere Bemerkung des DEFA-Chefs Sepp Schwab, „dass die alten Kräfte versuchen, Einfluss zu nehmen und den deutschen Film in eine falsche Richtung zu drängen“, zielten wohl auf von Gordon und seine Inszenierung von Täum’ nicht, Annette!.[5] Dabei hatte von Gordon zuvor mit als Dramaturg von Der Auftrag Höglers (1950) an einer frühen Illustration der wirtschaftspolitischen Teilung Deutschlands mitgewirkt.[5] In der Folge schrieb von Gordon wieder selbst Drehbücher, unter anderem für die Adaption von Wilhelm Hauffs Märchen Das kalte Herz (1950) oder Die lustigen Weiber von Windsor (1950).[6]
Wolff von Gordon starb am 2. Januar 1976 in Berlin.
Filmografie
- 1937: Der Unwiderstehliche
- 1937: Einmal werd’ ich Dir gefallen
- 1943/47: Der verzauberte Tag
- 1947: Kein Platz für Liebe
- 1948: ...und wieder 48!
- 1949: Träum’ nicht, Annette!
- 1949: Der Biberpelz
- 1950: Der Auftrag Höglers
- 1950: Das kalte Herz
- 1950: Die lustigen Weiber von Windsor
- 1953: Robert und Clara Schumann (Kurzfilm)
- 1954: Das Geheimnis des Erfolges
- 1954: Himmlische Musik
Schriften
- Die dramatische Handlung in Sophokles' „König Oidipus“ und Kleists „Der zerbrochene Krug“. Niemeyer, Halle (Saale) 1926 (Zugl.: Erlangen, Univ., Diss., 1926).