Wolfgang Fischbacher

Tiroler Mörder From Wikipedia, the free encyclopedia

Wolfgang Fischbacher (* 2. April 1823 in Kössen; † 14. Dezember 1861 in Innsbruck), bekannt unter dem Beinamen „Gwaltwoferl“ (auch Gwaltwolferl), war ein Tiroler Mörder. Er wurde für die Tötung zweier Mädchen im Tiroler Unterland in den Jahren 1860 und 1861 zum Tode verurteilt. Seine Hinrichtung am 14. Dezember 1861 war die letzte öffentliche Hinrichtung in Innsbruck.[1][2]

Herkunft und Jugend

Wolfgang Fischbacher wurde am 2. April 1823 in Kössen im heutigen Bezirk Kitzbühel geboren. Sein Vater starb früh; nach den überlieferten Darstellungen wuchs er bei einer Bauernfamilie auf. Bereits als Kind galt er als verhaltensauffällig und beging Straftaten. Im Alter von elf Jahren wurde er gemeinsam mit erwachsenen Häftlingen inhaftiert.[1][2][3]

Fischbacher begann eine Lehre als Müller, galt jedoch als arbeitsscheu. Aus Rache an seinem Dienstgeber legte er in dessen Wald Feuer; zudem quälte und tötete er ein Kalb. Wegen mehrerer an Mädchen begangener Vergewaltigungen wurde er zu Haftstrafen verurteilt. Nach deren Verbüßung lebte er als Landstreicher und nächtigte in Höhlen, Heustadeln und verlassenen Almhütten. Aufgrund seines Rufs als gewalttätiger Herumtreiber erhielt er den Beinamen „Gwaltwoferl“.[1][2]

Die Morde

Elisabeth Berger

Am Morgen des 31. Mai 1860 wurde die 14-jährige Elisabeth Berger aus Niederndorferberg bei Kufstein von ihren Eltern nach Niederndorf geschickt, um für das Fronleichnamsfest einzukaufen. Als sie zu Mittag noch nicht zurückgekehrt war, schickten ihre Eltern ihre zehnjährige Schwester Therese auf die Suche nach ihr. In Niederndorf hatte jedoch niemand das Mädchen gesehen. Auf dem Rückweg nach Hause sah Therese abseits des steilen Waldweges ihre Schwester auf dem Boden liegen. Das Mädchen war durch eine Stichverletzung am Hals getötet und der Unterleib nach dem Tod aufgeschnitten worden. Da das Einkaufsgeld noch bei der Leiche lag, gingen die Ermittler bald von einem Lustmord aus. Verdächtigt wurden zunächst ein unbekannter Bettler, der in der Nähe des Tatorts gesehen worden war, sowie ein Wundarzt aus Niederndorf, der jedoch bald entlastet wurde. Der Fall blieb vorerst ungeklärt.[1][2]

Anna Foidl

Am 26. März 1861 verließ die achtjährige Anna Foidl aus Oberndorf bei Kitzbühel am Morgen ihr Elternhaus, um zur Schule zu gehen und zuvor ihrer Großmutter Lebensmittel zu bringen. Als sie weder dort noch in der Schule erschien und auch am Abend noch nicht zurückgekehrt war, begab sich ihr Vater auf die Suche. Nach längerer Suche fand er Blutspuren im Schnee und schließlich die Leiche seiner Tochter im Wald. Der Körper wies zahlreiche Stich- und Schnittverletzungen auf. Die vermutlich tödliche Wunde war wiederum am Hals, der Unterleib war ebenfalls nach dem Tod aufgeschnitten und mehrere Organe entfernt worden. Die Lebensmittel befanden sich noch bei der Leiche. In der Bevölkerung verbreitete sich nun die Angst vor einem unbekannten Täter.[1][2]

Festnahme und Geständnis

Eine Cousine des zweiten Opfers gab an, in der Nähe des Tatorts einen umherstreifenden Fremden gesehen zu haben. Aufgrund ihrer Beschreibung richtete sich der Verdacht gegen den als gewalttätig bekannten obdachlosen Wolfgang Fischbacher. Am 6. April 1861, elf Tage nach dem Mord an Anna Foidl, wurde er von einem Beamten der Finanzwache im Ort Landl (Gemeinde Thiersee) erkannt, festgenommen und in das Landesgericht Innsbruck gebracht.[1][2]

In der Untersuchungshaft gestand Fischbacher beide Morde und schilderte die Taten im Einzelnen. Der Mord an Elisabeth Berger sei eine spontane Entscheidung gewesen, er habe sie vorher nicht gekannt. Nach der Tat habe ihn Reue überkommen und er warf die Tatwerkzeuge weg. Anna Foidl, die er von früheren Bettelgängen kannte, hatte er absichtlich auf dem Schulweg aufgelauert. Danach warf er das Messer wieder weg. Die Tatwerkzeuge konnten später mit seinen Beschreibungen gefunden werden. Nach seinen Angaben verging er sich an beiden Mädchen nach deren Tod.[2]

Darüber hinaus gab er an, mindestens 30 weitere Mädchen vergewaltigt zu haben. Wenn er in Bauernhöfen nächtigen durfte, wartete er, bis die Eltern schliefen, und verging sich dann an deren Töchtern. Berichten zufolge äußerte er außerdem die wahnhafte Vorstellung, sich durch den Verzehr der Herzen von sieben unschuldigen Mädchen unsichtbar machen zu können, ein damals verbreiteter Aberglaube (ein ähnlicher Fall war der des Paul Reininger).[1][2]

Prozess und Hinrichtung

Am 22. August 1861 wurde Fischbacher durch das Landesgericht Innsbruck der beiden vollbrachten Morde und der teils vollbrachten, teils versuchten Schändung in drei weiteren Fällen schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verurteilt. Das k. k. Oberlandesgericht für Tirol und Vorarlberg verwarf die Berufung, der k. k. Oberste Gerichtshof in Wien bestätigte das Urteil. Kaiser Franz Joseph I. lehnte am 28. November 1861 das Begnadigungsgesuch ab.[1]

Vor der Vollstreckung wurde Fischbacher nach damaligem Brauch zwei Tage lang unter großem öffentlichen Interesse zur Schau gestellt. Nach dem damaligen Aberglaube brachte den Frauen das Anschauen eines Kindsmörders Glück in der Liebe.[1]

Am 14. Dezember 1861 wurde er am sogenannten Prügelbauplatz am Innrain in Innsbruck, nördlich der Johanneskirche, durch den Strang hingerichtet; der Scharfrichter war eigens aus Prag angereist. Der Hinrichtung wohnten rund 6.000 Menschen bei; sie hatte den Charakter eines Volksfestes. Die Leiche wurde bis zum Abend am Galgen belassen. Es handelte sich um die letzte öffentliche Hinrichtung in Innsbruck.[1][2]

Rezeption

Erste Seite des Flugblatts zur Hinrichtung von Wolfgang Fischbacher

Der Fall fand bereits 1861 breite Aufmerksamkeit; unter anderem berichteten der Bote für Tirol und Vorarlberg[4][5][6] und die Bozner Zeitung[7] über Prozess und Hinrichtung. Anlässlich der Exekution wurde zudem ein Flugblatt verteilt, das im Stadtarchiv Innsbruck erhalten ist.[8]

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Tat wiederholt in heimatkundlichen und kriminalgeschichtlichen Darstellungen aufgegriffen. Die Wiener Tageszeitung Der Abend griff den Fall 1931, siebzig Jahre nach der Hinrichtung, erneut auf.[9] Der Rechtsanwalt Otto Zimmeter veröffentlichte 1931 in den Tiroler Heimatblättern eine ausführliche Darstellung des Falls, die 1959 im Kitzbüheler Anzeiger erneut abgedruckt wurde.[2][10][11] Der Tiroler Historiker Peter Rohregger behandelte den Fall 2018 in seiner Sammlung historischer Tiroler Kriminalfälle, und 2024 wurde der Fall im Magazin Öffentliche Sicherheit des österreichischen Innenministeriums vorgestellt.[1]

In der historischen Einordnung steht weniger die Tat selbst im Vordergrund, sondern mehr ihre Bedeutung für die Geschichte des Strafvollzugs in Tirol: Fischbachers Hinrichtung war die letzte öffentliche Exekution in Innsbruck. Spätere Vollstreckungen fanden im Hof des Gerichtsgebäudes und damit nicht mehr vor Publikum statt.

Literatur

  • Peter Rohregger: Mord und Totschlag im alten Tirol 1819–1919. Books on Demand, Norderstedt 2018, ISBN 978-3-7528-2494-0, S. 43–62.

Einzelnachweise

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