Wolfgang Grabowski

deutscher Diplomat From Wikipedia, the free encyclopedia

Wolfgang Grabowski (* 26. September 1937 in Berlin) ist ein ehemaliger deutscher Diplomat, der in der DDR-Zeit in Moskau und in verschiedenen asiatischen Ländern als Botschafter tätig war. Sein letzter Einsatz erfolgte von 1988 bis 1990 in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi.

Leben

Entwicklung und Ausbildung

Wolfgang Grabowski wurde in der Familie des Tischlers Erich Grabowski und seiner Frau, die Näherin war, geboren. Er wuchs zusammen mit drei Geschwistern auf. Nach dem Besuch der Andreas-Oberschule wechselte er im Jahr 1955 zur Arbeiter-und-Bauern-Fakultät (ABF) in Halle/Saale, wo er sein Abitur machte und sich auf ein Auslandsstudium vorbereitete. Parallel hatte er sich in der FDJ engagiert.[1]

Im Herbst 1956 begann Grabowski ein Studium am Moskauer Institut für Internationale Beziehungen. Mit dem Diplom in der Tasche absolvierte er anschließend noch eine sechsmonatige Ausbildung zum Gießer (Temperguss) in einem Leipziger Eisen- und Stahlwerk. Danach trat er in das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR ein und arbeitete in der Abteilung Sowjetunion.[2] Er trat auch in die SED ein.

Botschafter der DDR

Ab 1965 wurde Grabowski als Gesandter in der DDR-Botschaft in der Sowjetunion (Moskau) eingesetzt. Ein Praktikum in der ägyptischen Hauptstadt Kairo schloss sich an, wo er auch einen Englischsprachkurs absolvierte.

Von 1985 bis 1988 war Grabowski Botschafter in Syrien mit Zweitakkredition für Jordanien. Im Dezember 1988 wurde er zum Botschafter für Indien (Neu-Delhi) berufen.[2][3] Er war Nachfolger des Diplomaten Bernd Biedermann und blieb bis zur deutschen Wiedervereinigung im Amt. Allerdings musste die Familie im Sommer 1990 in der DDR Urlaub machen und kam dann auf Veranlassung des damaligen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher nicht mehr nach Indien zurück. Eine geordnete Übergabe der Einrichtung an die Bundesrepublik Deutschland oder Rückgabe an eine indische Dienststelle waren damit nicht möglich.[4]

Seit 1990: neue Aufgaben

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde Grabowski in der Rosa-Luxemburg-Stiftung aktiv, für die er im Jahr 2003 die Leitung der Filiale in Moskau übernahm.[5] In der Partei Die Linke ist er Mitglied und engagiert sich auch hier.

Grabowski organisierte unter anderem eine Bürgerkampagne für bezahlbares Wohnen in Berlin-Friedrichshain und ist Mitglied im Ältestenrat der Links-Partei.[6]

Grabowski war Teilnehmer am Petersburger Dialog.[7]

Privates

Sechzig Jahre lang wohnte er, zunächst mit Eltern und Geschwistern, später mit der eigenen Familie, in der damaligen Stalinallee, im Abschnitt zwischen Proskauer Straße und Frankfurter Tor, der seit der Umbenennung 1961 der westliche Beginn der Frankfurter Allee ist. In den 2010er Jahren zog er mit seiner Frau in eine Seniorenresidenz in Berlin-Mitte.

Wolfgang Grabowski war verheiratet mit der Sportlerin Ursula (1940–2023). Sie haben zusammen drei Kinder. Grabowski beherrscht die Fremdsprachen Russisch und Englisch.

Auszeichnungen

Veröffentlichungen

  • Mit Manfred Gerlach: Bilanz einer großen Reise. 20 Jahre Vertrag über die Beziehungen zwischen der DDR und der UdSSR; in: Deutsche Außenpolitik, 1975, S. 1311 ff.[8]
  • Mit Herbert Krolikowski, Günter Bühring, Manfred Rühl, Eva Eckstein: Die Organisation des Warschauer Vertrages. 1955–1975. Dokumente und Materialien; Staatsverlag der DDR 1975, 200 S.[8]
  • Hefte vom VIP – Verband für Politik und Völkerrecht: Heft 19 (August 2008), Russland auf dem Weg zu neuer Macht.
  • Welttrends: Der Syrienkonflikt und Russland, Nr. 124 (2017)
  • Welttrends: Neuordnung des Nahen Ostens?
  • Welttrends: Russland und die BRICS, Nr. 136 (2018)
  • Welttrends: Eine Gegenkraft zum neoliberalen Westen, Nr. 147 (2019)

Literatur

  • Günther Buch: Biographisches Handbuch Namen und Daten wichtiger Personen der DDR. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dietz, Berlin (West)/Bonn 1987, ISBN 3-8012-0121-X, S. 91.
  • Siegfried Bock, Ingrid Muth, Herrmann Schwiesau (Hg.): DDR-Außenpolitik. Ein Überblick. Daten, Fakten, Personen (III). LIT Verlag Dr. W. Hopf, Berlin 2010, S. 292.
  • Johannes H. Voigt: Die Indienpolitik der DDR. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2008.

Einzelnachweise

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